1. NRW
  2. Städte
  3. Kreis Heinsberg

Hückelhoven: Flüchtlingszahlen im Kreisgebiet steigen

Hückelhoven : Flüchtlingszahlen im Kreisgebiet steigen

Auf die Situation von Flüchtlingen im Kreis Heinsberg warf die Vollversammlung des Katholikenrates des Kreises Heinsberg ein Licht. Einige Städte werden bald nicht mehr ausreichend Räume zur Verfügung haben.

Lange Wartezeiten, Arbeitsverbot, Bürokratie kritisierte die Mitarbeiterin der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Jülich, Saida Piecuch. Die Sozialämter melden zudem steigende Flüchtlingszahlen.

Einige der großen Probleme von Flüchtlingen, referierte Piecuch, seien die oft fehlenden gesetzlichen Vorgaben im Umgang mit ihnen. Wie Asylbewerber lebten, hänge zum großen Teil vom Engagement der jeweiligen Kommune ab. So gebe es weder Vorgaben, wie viel Quadratmeter einem Flüchtling zustehen, noch mit wem er untergebracht werde. Ob Frauen, Männer und Familien getrennt oder gemischt auf engem Raum lebten, sei im Kreis völlig unterschiedlich. Zudem lägen viele Unterkünfte weit weg von den Zentren, kaum irgendwo gebe es Hausmeister oder Sozialarbeiter wie etwa in Wegberg.

Asylbewerber im ersten Jahr und Geduldete dürfen nicht arbeiten, deshalb auch keine Ausbildung beginnen oder studieren. Seit 2008 besteht aber eine Schulpflicht. Im Kreis gibt es fünf internationale Förderklassen. Die Herkunft der Flüchtlinge ist bunt gemischt. Neben Syrern, Afghanen und Flüchtlingen aus Afrika, sind darunter auch Menschen aus Indien und der russischen Föderation. Quälend sei der Prozess für die Anerkennung und von vielen Sorgen geprägt.

Vor akute Probleme stelle sie der Zulauf nicht, sagen die Leiter der Sozialämter. Manche beunruhigt jedoch die Langzeitperspektive. "Wenn es so weitergeht, werden wir gegen Ende des Jahres räumlich an unsere Grenzen stoßen", sagt Manfred Boßmanns von der Stadtverwaltung Wegberg. Man denke darüber nach, dann Container aufzustellen. Die Asylbewerber sind derzeit in einer alten Kaserne untergebracht, die saniert und in ein Übergangsheim verwandelt wurde.

Die Flüchtlingszahlen von vor gut 20 Jahren erreiche man aber bei weitem nicht, sagte Heinz-Josef Seffner, Leiter des Sozialamtes Wassenberg. Sorge um die Kapazitäten hat auch Heinz-Josef Schmitz von der Stadt Hückelhoven. Er monierte bei der Vollversammlung die Regelung zur Krankenversorgung. Solange die Flüchtlinge nicht anerkannt seien, müssen die Kommunen für die Versorgung aufkommen. "Wir würden uns über eine Pflichtversicherung freuen", so Schmitz. Trotz Landeszuweisungen gebe es eine Deckungslücke von im Schnitt 230 000 bis 280 000 Euro jährlich in Hückelhoven. Durch zwei Krankheitsfälle steige sie dieses Jahr auf rund 400 000 Euro. Er betont aber: "Es geht um Menschen. Dass wir nötige Behandlungen zahlen, steht außer Frage."

Wie sich die Zahl der Flüchtlinge weiter entwickelt, liegt nicht in der Hand der Kommunen. Heinz-Josef Seffner von der Stadt Wassenberg erwartet etwa im Licht aktueller Ereignisse wieder mehr Flüchtlinge aus der Türkei. Wer wie viele Flüchtlinge aufnimmt, teilt die Bezirksregierung Arnsberg für NRW ein. Für Flüchtlinge in der Anerkennungsphase erhalten die Kommunen Ausgleichszahlungen des Landes. Diese sind jedoch nicht kostendeckend.

(prei)