Europawahl im Kreis Heinsberg CDU siegt klar – AfD erstmals zweistellig

Kreis Heinsberg · Mit 38,8 Prozent liegen die Christdemokraten im Kreis Heinsberg bei der Europawahl weit vorne. Überraschend: Die AfD hat die drei Ampelparteien für den Moment abgehängt, insbesondere die Grünen erleben eine Schlappe.

 Wahlhelfer zählen die Stimmen aus.

Wahlhelfer zählen die Stimmen aus.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Die CDU hat die Europawahl im Kreis Heinsberg deutlich für sich entschieden. Am Sonntag machten 38,8 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei den Christdemokraten. Zweitstärkste Kraft wurde überraschend die AfD, die 14,5 Prozent holte und damit erstmals im Kreis Heinsberg ein zweistelliges Ergebnis verzeichnete. Knapp dahinter landete die SPD, die genau wie die Grünen und die FDP als Ampelkoalitionen zu den klaren Verlierern zählen. Die Linke holte mit 1,5 Prozent sogar weniger als „Die Partei“ (1,8), während das neue Bündnis Sahra Wagenknecht mit 4,2 Prozent auf Anhieb zur sechststärksten Partei im Kreis Heinsberg wurde.

Die neue CDU-Kreisvorsitzende Anna Stelten sprach von einem „tollen Ergebnis“ für die Christdemokraten, die Aachenerin Sabine Verheyen sei „eine starke Vertreterin für unsere Region in Brüssel“. Dass die AfD bundesweit so stark abschnitt, nannte Stelten „erschreckend“, zumal nach den Ereignissen im Wahlkampf: „Trotz der Skandale ihrer Spitzenpolitiker, den starken Spionage- und Korruptionsvorwürfen.“ Stelten ging sogar noch einen Schritt weiter, klang fast schon resigniert: „Wer trotzdem noch AfD wählt, ist für demokratische Parteien nicht mehr zurückzuholen. Da kommt die reine politische Auseinandersetzung mit dieser Partei an ihre Grenzen. Das müssen wir diskutieren.“

Wilfried Oellers, Bundestagsabgeordneter der CDU, nannte das Ergebnis einen „klaren und eindeutigen Sieg, der die Umfragewerte der letzten beiden Jahre bestätigt“. Deutlich werde aber auch: „Die Ampelkoalition in Berlin ist heute abgestraft worden. Das zeigt, dass die Ampel ihre Politik überdenken und eine Kehrtwende machen muss – oder aber sie muss erkennen, dass sie gescheitert ist.“ Vom AfD-Ergebnis zeigte sich Oellers „sehr ernüchtert“. Er sehe „einen klaren Auftrag an alle anderen Parteien, zuvorderst an uns selbst, dass wir mit entsprechender Politik verhindern müssen, dass sich dieser Zuwachs fortsetzt“. Für ihn gilt: „Wir dürfen nicht klagen, sondern müssen dagegenhalten.“

Lars Kleinsteuber, Vorsitzender der Kreis-SPD, stieß in eine ähnliche Kerbe: „Auch wenn viele diese Wahl als Protestwahl einordnen, ist es mehr als schockierend, dass die AfD mit einem Spitzenkandidaten, der der Spionage verdächtigt wird, absolut frauenfeindliche und SS-verharmlosende Aussagen tätigt, hier zweitstärkste Kraft wird.“ Kleinsteuber hoffe nun, dass die CDU im EU-Parlament „ihre selbsternannte Brandmauer aufrechterhält und nicht nach rechts rückt“. Für den Kreis Heinsberg habe Kleinsteuber in dieser Hinsicht keine Bedenken. Dass auch die SPD massive Verluste erlitt, sei bitter: „Da fehlt mir im ersten Moment auch der wirkliche Erklärungsansatz.“

Ganz klarer Verlierer sind im Kreis die Grünen, die bei den vergangenen Wahlen stets deutlich im zweistelligen Bereich lagen – nicht so dieses Mal. „Wir haben schon auf knapp 14 Prozent gehofft“, gibt die Vorsitzende, Sabrina Grübener, zu. „Da kann man auch nichts schönreden.“ Dass die Grünen im Kreis zuletzt einen Mitgliederzuwachs hatten und nun bei 268 liegen, spiegelt sich in keinster Weise im Wahlergebnis wider. „Wir müssen nun schnell den Blick auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr richten und aus diesem Ergebnis die richtigen Schlüsse ziehen.“

Die FDP musste ebenfalls Verluste verzeichnen. Klaus Wagner als Kreisvorsitzender hatte nach eigener Aussage zumindest mit sechs bis sieben Prozent gerechnet. „Das ist natürlich enttäuschend, entspricht aber leider dem Bundestrend“, sagte er. Dass die FDP im Wahlkampf mit ihren Spitzenkandidaten bewusst versucht hatte, Europa und nicht Berlin in den Vordergrund zu stellen, habe „offensichtlich nicht funktioniert“, so Wagner. Dass die AfD deutlich im zweistelligen Bereich liege, habe auch ihn erschrocken: „Das haben wir im Kreis bisher immer gut verhindern können. Wir müssen daraus unsere Schlüsse für die beiden Wahlen im kommenden Jahr ziehen.“

Der AfD-Kreisvorsitzende Jürgen Spenrath sah ein „sehr erfreuliches Ergebnis auf Bundesebene, aber auch im Kreis Heinsberg“. Dabei hätten die vergangenen Wochen und insbesondere die Skandale um Spitzenkandidat Maximilian Krah für eine „sehr schwierige Gesamtsituation“ gesorgt und „uns am Ende sicherlich den einen oder anderen Prozentpunkt gekostet“, glaubt Spenrath. Er meint aber: „Den Gegenwind, der uns in der Öffentlichkeit ins Gesicht geblasen ist, haben wir an unseren Infoständen und beim Plakatieren überhaupt nicht gespürt.“ Dass es diesmal so wenige Beschädigungen und Schmierereien an den Wahlplakaten gab, sei sogar „überraschend“.

Derzeit ist die AfD in den meisten Stadt- und Gemeinderäten im Kreis Heinsberg nicht vertreten. Dass sich das ändert, ist ab 2025 allerdings eher unwahrscheinlich: „Wir sind keine Kommunalpartei, uns fehlen momentan auch ganz ehrlich gesagt Kandidaten, um die Listen in allen Kommunen zu füllen“, sagt Spenrath.

Erfreulich: Die Wahlbeteiligung war mit 61,4 Prozent deutlich höher als im vergangenen Jahr bei der Landtagswahl und 2019 bei der vorherigen Europawahl.

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