Kreis Heinsberg Etwas Frost noch nötig - aber nicht zu viel

Kreis Heinsberg · Welche Folgen haben der fehlende Forst und Schnee für die Natur? Einschätzungen und Tipps von Landwirten, Gärtnern und Förstern.

 Die Felder am Niederrhein sind derzeit frostfrei.

Die Felder am Niederrhein sind derzeit frostfrei.

Foto: FRANZ-HEINRICH BUSCH (ARCHIV)

Im Grunde findet der Winter in diesen Tagen und Wochen gar nicht statt. Bernhard Conzen ist gar nicht mal sauer darüber. Im Gegenteil ist der Fall, sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg: "Die Rübenkampagne ist seit wenigen Tagen abgeschlossen. Da kann man sich gut vorstellen, dass die Landwirte beim Transport zu den Fabriken keine Probleme hatten."

Dass es noch keine langen Frostperioden gegeben hat, hat noch nicht für ernste Auswirkungen gesorgt. Bernhard Conzen nennt in diesem Zusammenhang Beispiele: "Sicherlich sind die Getreidekulturen, und hier nenne ich als besonderes Beispiel die Gerste, schon etwas zu üppig geraten. Beim Raps ist das ähnlich. Aber wir reden sicherlich nicht über Stresssituationen für die Landwirte." Im Gegenteil. Denn Bernhard Conzen sieht für die Landwirte "jetzt noch alles im grünen Bereich". Allerdings, und das unterstreicht Conzen auch mit Nachdruck, sei die Zeit für eine moderate Frostphase zum Wohle der Natur jetzt endlich reif.

Förster und Gartenbauexperten haben einen weiteren Aspekt ausgemacht, der klar beweist, dass der Winter praktisch ausgefallen ist. "Verschiedene Pflanzen sind schon deutlich im Auftrieb. Da darf es jetzt eigentlich nicht mehr extrem kalt werden", sagt Bernd Hallen, Inhaber der Hallen Baumschulen in Golkrath, aus Erfahrung. Vor allem die Pflanzen in den Gewächshäusern bekommen die verkehrte Wetterwelt in dieser Wintersaison mit. "Ich rate daher den Privatleuten, die Gewächshäuser besitzen, dass sie die Häuser gut lüften. Sie dürfen nicht aufheizen", rät der Experte. Bernd Hallen beobachtet die aktuellen Wettertrends aufmerksam: "Es wird in der nächsten Zeit laut Vorhersage wohl kälter werden. Doch das, was vorhergesagt wird, wird bestimmt nicht zu großen Problemen führen", führt Bernd Hallen indes weiter aus.

Was die Schädlinge betrifft, so ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Bernd Hallen denkt, dass die künftigen niedrigeren Temperaturen zu einer Reduktion der Schädlinge führen werden, dagegen verhält es sich im Wald anders, wie die Förster meinen. Stefan Befeld, Pressesprecher vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, beschreibt die Lage so: "Die Larven und Eier im Wald könnten bei dieser Witterungslage Probleme mit dem Pilzbefall bekommen. Das könnte eine Massenvermehrung klar verhindern. Ansonsten sind die Larven und Eier der Schädlinge durchaus winterhart."

Auch die Förster haben eine verfrühte Blüte längst ausgemacht. Indes, so wird vermutet, werden Nadelgehölze wenig Probleme mit der derzeitigen Witterung bekommen. Eher seien es die Laubbäume, die wegen des Pilzbefalls leiden könnten. Stefan Befeld prognostiziert: "Das wird sich aber erst in den Sommermonaten endgültig bestätigen — oder eben nicht."

(RP)
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