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Erkelenz: Landrat Stephan Pusch bittet Krankenhäuser in der Region um Hilfe

Corona-Situation im Kreis Heinsberg : Landrat bittet Krankenhäuser in der Region um Hilfe

Das Diagnosezentrum in Erkelenz hilft dem Krisenstab im Kreis Heinsberg dabei, die Corona-Lage besser bewerten zu können. Landrat Stephan Pusch bittet nun Krankenhäuser im Umfeld um Unterstützung.

Der Kreis Heinsberg benötigt Unterstützung von Krankenhäusern im weiteren Umfeld, um die Coronavirus-Krise bewältigen zu können. Dazu erklärte Landrat Stephan Pusch am Dienstag: „Derzeit sind in unseren Krankenhäusern 15 Patienten mit Coronavirus stationär aufgenommen. Es ist unser Wunsch, dass weiter entfernt liegende Krankenhäuser von uns Intensivfälle aufnehmen, um im Kreis Heinsberg ausreichend Kapazitäten für Coronafälle zu schaffen.“ Landesregierung und Bezirksregierung seien über das Anliegen informiert. „Vom Umfeld bis Köln, Bonn oder Krefeld wünsche ich mir, unsere besondere Lage zu sehen“, bat Pusch um Unterstützung anderer Krankenhäuser. Nicht erwartet werde, mit dem Coronavirus infizierte Patienten aus dem Kreisgebiet aufzunehmen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hatte mit dem Kreis Heinsberg für Dienstag zu einer Pressekonferenz eingeladen, um das Coronavirus-Diagnosezentrum am Willy-Stein-Stadion in Erkelenz vorzustellen. Dieses war am Mittwoch vergangener Woche gemeinsam mit dem Hermann-Josef-Krankenhaus aufgebaut worden, um der im Kreis Heinsberg wachsenden Zahl von infizierten Menschen die Möglichkeit zu geben, ihren Gesundheitsstatus testen zu lassen.

Aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln unterstrichen den Wert des Diagnosezentrums Landrat Stephan Pusch, Frank Bergmann von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und Friedrich Hölzl, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Erkelenzer Krankenhaus. „In unserer außergewöhnlichen Situation versetzt uns das Diagnosezentrum in die Lage, deutlich mehr Tests zu den Laboren zu bringen. Das hilft, die Situation deutlich besser bewerten zu können“, berichtete der Kreis Heinsberger Landrat aus der Sicht des Krisenstabs. Aus der Arbeit der Krankenhäuser steuerte Hölzl bei, dass anfangs gedroht habe, dass aufgrund von Überlastung die „medizinische Struktur zerstört“ werde: „Es ist deshalb toll gewesen, wie in unter 24 Stunden das Diagnosezentrum aufgebaut wurde. Dieser Schulterschluss war der einzig richtige und vernünftige Schritt“, ergänzte der Erkelenzer Chefarzt und riet dringend dazu, wo nötig in der Corona-Krise andernorts ebenso zu verfahren. Die Entlastung der Krankenhäuser und Arztpraxen rückte Bergmann in den Blick: „Das Diagnosezentrum verhindert, dass Praxen schließen müssen, weil sie mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen sind – wie es im Kreis Heinsberg zu Beginn bereits der Fall war. Zugleich bietet es Menschen mit Verdacht auf Corona die Möglichkeit, in einem geschützten Raum getestet werden zu können.“

200 bis 300 Tests werden in den insgesamt zwei Diagnosezentren im Kreis Heinsberg pro Tag gemacht; das zweite wird in Gangelt betrieben. 365 Menschen wurden seit dem Auftreten des ersten Falls an Veilchendienstag, 25. Februar, positiv auf den Coronavirus getestet. „Dabei untersuchen wir weitergehender als gefordert“, berichtete Heidrun Schößler, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Dies geschehe in Kooperation mit der Universität Bonn, um weitere Erkenntnisse über die neue Krankheit zu gewinnen.

Zahlen, wie viele Erkrankte inzwischen wieder gesundet sind, besitzen die betroffenen Kreise und Kommunen derzeit indes nicht. Landrat Stephan Pusch räumte ein: „Dazu gibt es keine Statistiken, wie es auch keine über negativ getestete Personen gibt.“ Um ein vollständiges Bild der Lage im Kreis Heinsberg zu bekommen, das in der weiteren Entwicklung auch beruhigende Wirkung haben könne, sei das aber notwendig: „Deshalb werden wir jetzt Leute dransetzen, um diese Informationen einzuholen.“