Ein Knochenfund sorgt für Aufregung

Worte zur Woche : Ein Knochenfund und die Mechanismen von Facebook

Ein Knochenfund auf dem Friedhof in Immerath (alt) hat in dieser Woche für Aufsehen gesorgt. Ein Paar, das in dem inzwischen verlassenen Umsiedlungsort unterwegs war, informierte die Polizei und stellte ein Bild des gefundenen Schädelknochens in den Sozialen Netzwerken online.

Der Finder schreibt in den Sozialen Netzwerken, er gehe davon aus, dass der Knochenfund in Verbindung mit einer unsachgemäßen Umbettung von Verstorbenen vom Friedhof in Immerath (alt) auf den in Immerath (neu) steht. Die Empörungswelle ließ nicht lange auf sich warten. Das Unternehmen RWE Power, das als Tagebaubetreiber für die Umbettungen verantwortlich ist, steht nun am Pranger. Die im deutschen Rechtssystem verankerte Unschuldsvermutung spielt bei Facebook und Co. keine große Rolle.

Die Verantwortlichen von RWE Power können sich nach eigenen Angaben nicht vorstellen, dass ein im Zusammenhang mit dem Knochenfund gezeigtes Schädelfragment von einer Umbettung stammen soll, dies sei „nahezu ausgeschlossen“. Umbettungen würden wegen der großen Sensibilität des Themas stets mit großer Sorgfalt vorgenommen. Ähnlich sieht man das auch bei der Stadt Erkelenz. Bei den Umbettungen durch die von RWE beauftragten Fachfirmen sei stets ein Mitarbeiter des Erkelenzer Friedhofsamtes dabei, erklärte die Stadt. Die Stadt Erkelenz und RWE Power gehen vielmehr davon aus, dass es für den Knochenfund möglicherweise einen archäologischen Hintergrund gibt, zumal es seit Wochen rund um den Standort des früheren Immerather Doms archäologische Ausgrabungen gebe und schon zahlreiche Knochen gefunden worden seien. Dass die Anschuldigungen in den Sozialen Netzwerken mit Vorsicht zu genießen sind, macht auch ein Blick auf die Profile der Finder deutlich. In den Sozialen Netzwerken positionieren sie sich unmissverständlich als Gegner von RWE und als „Aktivisten“, beispielsweise im Hambacher Forst.

Wer sich ein verlässliches Urteil in dem Fall bilden will, muss abwarten und den Behörden die notwendige Zeit einräumen, damit diese prüfen können, woher die gefundenen Knochen tatsächlich stammen. Die Knochenfragmente werden nun pathologisch untersucht. Erst danach sollte man in der Öffentlichkeit darüber diskutieren, ob Fehler gemacht wurden und wer dafür haftbar zu machen ist.

michael.heckers
@rheinische-post.de

Mehr von RP ONLINE