Hückelhoven: Die Mutter der Pepperonis

Hückelhoven: Die Mutter der Pepperonis

Vor über zehn Jahren hat Bianca Schiff am Hückelhovener Gymnasium die Zirkus-AG Pepperoni gegründet. Für neue Ideen ist sie ständig auf Achse, besucht Zirkusvorstellungen, bucht Workshops und hat viele Kontakte geknüpft.

Es ist nicht so lange her, da kam Bianca Schiff mal ein wenig ins Grübeln. Nach einem beifallumrauschten Auftritt des von ihr am Hückelhovener Gymnasium vor gut zehn Jahren gegründeten Zirkus Pepperoni bekam sie von ihren Zöglingen als Dank einen großen Schokoladendrachen geschenkt.

"Da habe ich mich im ersten Moment schon gefragt, wie ich das zu werten habe", erinnert sie sich leicht amüsiert. Rhetorisch hat sie dann aber die Flucht nach vorne angetreten und konterte mit einer schlagfertigen Replik: "Ich habe zu den Kindern gesagt: Wenn ich nicht ab und zu mal Feuer spucken würde, würdet ihr dann in der Manege stehen?" Ein ebenso entschiedenes wie vielstimmiges "Nein" sei die Antwort gewesen.

Rund 40 Schüler machen mit

So "schlimm" kann Bianca Schiff aber gar nicht sein — im Gegenteil. Schließlich sind rund 40 begeisterte Kinder und Jugendliche in der Zirkus-AG aktiv, trainieren jeden Dienstagnachmittag — von der 5. bis zur 13. Klasse sind alle Jahrgänge vertreten. "Auch ein Grundschüler sowie Jugendliche von anderen weiterführenden Schulen sind dabei", erläutert Schiff. Die Luftakrobaten unter ihnen trainieren zusätzlich auch noch donnerstags.

Mit der Muttermilch aufgesogen hat Schiff die Begeisterung für Zirkusakrobatik aber nicht. "Von Haus aus bin ich Leichtathletin, kam über das Sportstudium erst zum Modernen Fünfkampf und dann zum Bewegungstheater mit Gymnastik und Tanz. Da habe ich den künstlerisch-kreativen Bereich des Sports für mich entdeckt."

Daran knüpfte sie in Hückelhoven direkt an. Was vor über zehn Jahren in einer fünften Klasse mit einem achtwöchigen Sportunterricht-Projekt samt abschließender 45-Minuten-Präsentation in der Turnhalle begann, hat enorme Ausmaße angenommen. Was sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht gilt — mit einem Zirkusfestival alle zwei Jahre in einem echten Zirkuszelt als Höhepunkt.

Auf dem Weg dahin galt es auch einige Widerstände zu brechen — nicht alle waren von der Zirkusidee auf Anhieb überzeugt. Was sich zum Beispiel bei der Ausleihe des Zirkuszelts bemerkbar gemacht habe. "Das ist in der Tat nicht gerade billig. Der Förderverein der Schule war damals daher auch erst einmal sehr skeptisch", erinnert sich Schiff. Generell sei es schön, im Laufe der Jahre auch so manchen Kritiker überzeugt zu haben. So treten die Pepperonis mittlerweile auch auf anderen Festivals auf.

Um neue Ideen für die Pepperonis (das doppelte 'p' im Namen ist übrigens künstlerische Freiheit) zu bekommen, ist sie ständig unterwegs, besucht viele Zirkusvorstellungen, bucht Workshops mit Profiartisten und hat im Laufe der Jahre ein enormes Kontaktnetz aufgebaut. So zum Wiesbadener European Youth Circus, einem Festival für Berufsartisten. Und etwas ganz Besonderes sei der Besuch des weltberühmten Zirkusfestivals in Monte Carlo gewesen, das als Weltmeisterschaft der Artistik gilt. "Das war für mich echt der Knüller in Tüten: ein Wochenende wie im Märchen."

(RP/rl)