Wegberg: Die fast vergessenen Mühlen

Wegberg: Die fast vergessenen Mühlen

Viele Mühlen auf Wegberger Stadtgebiet sind beliebte Ausflugsziele. Es gibt aber auch solche, die heute fast vergessen als Wohnhäuser dienen oder nicht mehr existieren. Zum Beispiel die Lohmühle, die Rödgener Mühle und die Neumühle.

Neben den Ausflugszielen, zu denen viele der einstigen Öl- und Kornmühlen in Wegberg heute geworden sind, gibt es auch diejenigen, die fast vergessen als Wohnraum fungieren oder gar nicht mehr existieren. So auch die Lohmühle, die in dem kleinen Weiler Bissen unweit des Grenzlandrings liegt.

Feuer im Jahr 1975

Von der einstigen Blütezeit der Mühle ist heutzutage nichts mehr zu sehen. Sowohl Mühlrad als auch Mühleneinrichtung fielen 1975 einem Feuer zum Opfer. Der noch erhaltene Teil der Mühle wird heute als Wohnraum genutzt. Die um 1800 errichtete Mühle wurde als Stampfloh-Mühle errichtet. Dort wurde Rinde, Blätter oder Holz von Eichen zerkleinert und zerstampft bis Lohe entstand. Diese wurde anschließend zum Gerben von Leder verwendet. So hat sich auch der Name Lohmühle etabliert. Ab 1849 wurde in der Mühle Knochenmehl für organischen Dünger hergestellt. 1852 gab der damalige Besitzer die Lohverarbeitung auf und baute statt dessen eine Ölpresse ein. Mit Unterstützung durch die moderne Technik florierte die Mühle, bis 1948 ein Erlass der amerikanischen Besatzung die Speiseölherstellung verbot. Es sollte amerikanisches Öl verkauft werden. Mit der Herstellung von Kraftfutter und unter großem körperlichen Einsatz konnte sich der Besitzer Heinrich Kaiser noch bis 1957 halten. Mit dem Mühlenstilllegungsgesetz wurde auch die Lohmühle geschlossen.

Die Rödgener Mühle wird wie die Lohmühle heute als Wohnhaus genutzt. Die 1820 errichtete Mühle fiel mit als erste der Konkurrenz zum Opfer: Sie wurde bereits 1899 geschlossen und von Anton Raky gekauft. Dieser ließ die Mühle für die Enkelin des letzten Rödgener Müllers, Katharina Esser, zu einer Wohnung herrichten. Die beiden verband eine Liebschaft. Bereits vor der Errichtung der Rödgener Mühle wurde der Rothenbach in Rödgen von einer Mühle genutzt. Diese wurde jedoch zerstört. Der Bau einer neuen Mühle wurde Jahrzehnte lang von den Dahlheimer Nonnen blockiert. Sie fürchteten die Konkurrenz zu ihrer Mühle.

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Die Neumühle lag dort, wo der Weg von Rickelrath nach Schwaam die Schwalm überquert. Von ihr ist heute nichts mehr zu sehen. Die Mühle wurde schon vor 1397 errichtet und wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgetauft.

Erst um 1700 werden die Besitzer Neumüller genannt. Zu Hochzeiten wurden auf der Mühle jährlich 500 Tonnen Getreide gemahlen. 1926 wurde die Mühle wegen der Schwalmregulierung stillgelegt. Die Mühleneinrichtung verkam und der Mühlbach verschlammte. Der Müller erhielt eine Ausschanklizenz für alkoholfreie Getränke. Das Wohnhaus wurde vermietet. 1975 wurde die Mühle wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Alle Folgen der Mühlentour unter www.rp-online.de/erkelenz.

(RP)
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