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Das bedeuten die neuen Corona-Regeln im Kreis Heinsberg

Kritischer Inzidenzwert überschritten : Das bedeuten die neuen Corona-Regeln im Kreis Heinsberg

Der Kreis Heinsberg hat zum dritten Mal in Folge die 100er-Inzidenz überschritten. Ab Samstag gelten verschärfte Regeln. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Am Donnerstag hat der Kreis Heinsberg zum dritten Mal in Folge die 100er-Marke bei der Sieben-Tage-Inzidenz überschritten. Statt einer Corona-Notbremse gilt am Samstag eine Test-Option. Das hat die Kreisverwaltung am Freitag per Allgemeinverfügung beschlossen. Diese Regeln gelten jetzt.

Was ändert sich? Anders als mit der sogenannten Notbremse vom Land NRW vorgesehen, können Einzelhandel und Museen offen bleiben. Kunden und Besucher müssen für ihren Besuch wie bislang einen Termin vereinbaren und zudem ab Samstag einen tagesaktuellen bestätigten negativen Schnelltest oder Selbsttest vorweisen. Diese Testpflicht gilt übrigens auch für bereits geimpfte Menschen. Wichtig: Wer bekannte Krankeitssymptome hat, sollte keinen Schnelltest machen, sondern sich mit einem Arzt in Verbindung setzen.

Was ist mit Supermärkten? Für die notwendige Versorgungs-Infrastruktur, also auch für Supermärkte oder Wochenmärkte, gilt die Testpflicht nicht. Ausgenommen sind auch Friseurbesuche. Diese werden in der Corona-Notbremse des Landes auch ausdrücklich für den Fall ausgenommen, dass die Inzidenz drei Tage in Folge über 100 liegt.

Wie begründet der Kreis das Umgehen der Notbremse? Nach Ansicht der Verwaltung stellen Einzelhandel und Dienstleistungen „kein besonderes Risiko für das Infektionsgeschehen im Kreis Heinsberg dar“. Die Nutzung der Angebote unter Vorlage eines negativen Tests „ist daher aus infektiologischer Sicht zu verantworten“.

Wo kann ich mich testen lassen? In den vergangenen Tagen haben auch im Erkelenzer Land zahlreiche private und öffentliche Testzentren eröffnet, in Erkelenz etwa an der Kölner Straße und im Hotel am Weiher. Dort sind kostenlose Tests möglich. Zudem bieten auch einige Hausärzte und Apotheken Schnelltests an. „Wir haben die Testzentren massiv ausgebaut“, sagte Landrat Stephan Pusch am Freitag in einem Facebook-Video. „Es wird festgestellt, dass es im Bereich des Kreises Heinsberg ein ausreichendes, flächendeckendes und ortsnahes Angebot zur Vornahme kostenloser Bürgertestungen [...] gibt“, heißt es dazu in der Allgemeinverfügung. Im Kreis Heinsberg gibt es bereits mehr als 100 Teststellen, täglich werden nach Angaben der Verwaltung derzeit so mehr als 3000 Schnelltests durchgeführt. In den nächsten Tagen sollen weitere große Teststellen den Betrieb aufnehmen.

Wie geht es jetzt weiter? Vorbehaltlich neuer Corona-Maßnahmen, die von Bund oder Land beschlossen werden müssen, gilt die neue Verfügung im Kreis vorerst bis auf Weiteres und „soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten erforderlich ist“, wie es in der Verordnung heißt. Eine feste Inzidenzzahl für höhere Maßnahmen gibt es nicht, wie der Kreis auf Anfrage mitteilte.

Was bedeutet das für die Schulen? Die Schulen sind von der neuen Lage nicht gesondert betroffen. Ab Montag werden alle Klassen in den Wechselunterricht zurückkehren und dann regelmäßig in der Schule getestet. Die dafür notwendigen Tests vom Land NRW sind mittlerweile eingetroffen, der Kreis hatte zuvor bereits vorgesorgt und auf eigene Faust 80.000 Schnelltests für die Schulen gekauft.

Was sagt der Kreis zu den steigenden Zahlen? Auch weil mittlerweile massiv mehr als bislang getestet wird, ist die Sieben-Tage-Inzidenz für Landrat Pusch zu einem „untauglichen Parameter“ geworden, wie er am Freitag bekräftigte. „Ich halte es für falsch, Maßnahmen wie eine Ausgangssperre an die Inzidenz zu koppeln“, sagte Pusch. „Diese gibt ja nicht wieder, wie viele Leute ernsthaft erkranken.“ Besser sei es für ihn, die Zahl der Neuaufnahmen auf die Intensivstation als Maßstab zu nehmen. Laut Divi-Intensivregister waren am Freitag alle 37 Intensivbetten der drei Krankenhäuser belegt, allerdings die allermeisten Corona-unabhängig. Demnach liegen nur fünf Covid-Patienten auf der Intensivstation, einer wird derzeit beatmet.

Wie sind die aktuellen Corona-Zahlen im Kreis? Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag (Stand: 9 Uhr) bei 129,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. In den vier Städten des nördlichen Kreises gab es 390 aktuelle Corona-Fälle – 140 in Hückelhoven, 120 in Erkelenz, 83 in Wegberg und 47 in Wassenberg. Im Kreis sind seit Beginn der Pandemie 348 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. In dieser Woche hatte der Kreis die Zahl der Toten nach kritischer Prüfung der Todesursachen um 37 nach unten korrigiert. In diesen Fällen sei ein kausaler Zusammenhang zwischen Covid-Erkrankung und Versterben „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht gegeben.