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Coronavirus in NRW: Mehr als 60 Fälle – Kita-Kinder und Lehrer infiziert

Coronavirus in der Region : Mehr als 60 Fälle in NRW – Kita-Kinder und Grundschullehrer infiziert

Krisenstäbe tagen, Menschen decken sich mit Vorräten ein, Schulen sagen den Unterricht ab: Inzwischen gibt es mehr als 60 bestätigte Coronavirus-Fälle in NRW, darunter befinden sich auch vier Kita-Kinder.

Beinahe stündlich steigen die Zahlen der Infizierten: Das neuartige Coronavirus greift in Nordrhein-Westfalen immer weiter um sich. In unserem Liveblog können Sie die Ereignisse nachverfolgen. Bis Samstag gab es mehr als 60 bestätigte Infektionen - darunter nach Angaben des Kreises Heinsberg auch vier Kinder einer Kita. In der Einrichtung arbeitet eine an Covid-19 erkrankte Frau als Erzieherin. Auch aus Bonn, Köln, dem Sauerland und dem Raum Aachen wurden Fälle gemeldet. Einige Schulen werden am Montag nicht öffnen. Viele Krisenstäbe tagen, Kommunen melden Verdachtsfälle, Erkrankungen oder Vorsichtsmaßnahmen - oft verbunden mit der Botschaft: nicht in Panik verfallen.

Auch Mönchengladbach hat den ersten bestätigten Fall einer Infektion mit dem Coronavirus im Stadtgebiet: Der Lehrer der Katholischen Grundschule in Holt, bei dessen im Kreis Heinsberg lebendem Bruder bereits eine Infektion festgestellt worden war, hat sich ebenfalls mit dem Virus infiziert. Die Schule bleibt bis zum 15. März geschlossen.

Allein im Kreis Heinsberg haben sich 60 Personen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, hinzu kommen Einzelfälle aus mehreren Teilen des Landes. Allesamt haben sie einen Bezug zum Kreis Heinsberg. Eine Karnevalsveranstaltung Mitte Februar in Gangelt gilt bisher als Beginn der Infektionskette. In dem Kreis mit rund 252 000 Einwohnern nahe der niederländischen Grenze sind geschätzte rund 1000 Personen noch in häuslicher Quarantäne, die für zwei Drittel ab Sonntag enden soll.

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In Bonn infizierte sich ein Student, der im Kreis Heinsberg Karneval gefeiert hatte, wie die Leiterin des Gesundheitsamtes, Ingrid Heyer, am Samstag sagte. In einer Bonner Grundschule hatte er am Mittwoch noch den Kindern der dortigen Ganztagsbetreuung anderthalb Stunden bei den Hausaufgaben geholfen, bevor er mit Erkältungsbeschwerden nach Hause ging. Am Freitag wurde der junge Mann positiv getestet und befindet sich nun in häuslicher Quarantäne.

Bei den rund 185 Schulkindern der betroffenen Grundschule sollten Test-Abstriche gemacht werden. Krisenteams sollten die Familien dafür zu Hause besuchen. „Die Mitarbeiter tragen Schutzanzüge - das dient nur dem Eigenschutz und bedeutet nicht, dass in der Umgebung eine Gefahr besteht“, betonte Vize-Feuerwehrchef Carsten Schneider. Die Ergebnisse sollten bis Sonntag vorliegen. Die Schule bleibt zwei Wochen geschlossen.

Die Millionenstadt Köln, der Raum Aachen und der Märkische Kreis im Sauerland meldeten am Samstag insgesamt fünf Infektionen. In Aachen wurde eine Frau aus Gangelt isoliert in einer Klinik behandelt. Im nahe gelegenen Würselen wurde Sars-CoV-2 bei einer Mutter und ihrem Sohn - Schüler der elften Klasse - nachgewiesen. Auch die Mutter hatte in Gangelt Karneval gefeiert. Beide wurden aufgrund „des leichten Krankheitsverlaufes“ nach Hause entlassen, wie ein Sprecher der Städteregion sagte. Die Gesamtschule in Herzogenrath, die der Jugendliche besucht, wird nach Angaben der Stadt nun vorsichtshalber für eine Woche geschlossen.

Auch in einer Förderschule im sauerländischen Lüdenscheid fällt in der kommenden Woche für die 95 Schüler und 20 Lehrer der Unterricht aus. Ein Pädagoge hat sich mit dem Coronavirus infiziert, nachdem er im Kreis Heinsberg an der Karnevalssitzung teilgenommen hatte.

Dort hatte auch der 47-Jährige Karneval gefeiert, der als Erstinfizierter in NRW gilt. Er wird weiter in der Uniklinik Düsseldorf behandelt, ebenso wie seine Ehefrau - sie ist die 46-jährige Erzieherin aus der Kita in Gangelt, wo nun vier der 114 Kinder positiv getestet wurden. Den vier Kindern geht es nach Angaben einer Sprecherin des Kreises Heinsberg gut. Sie zeigten „allenfalls leichte Erkältungssymptome“.

Rund 100 Jungen und Mädchen hatten den Test gemacht, bei vieren war der Befund positiv. Die anderen rund 14 Kinder seien zu dem Test nach bisherigen Erkenntnissen nicht erschienen, sagte die Kreissprecherin. „Nur“ noch diejenigen Personen, die unmittelbar zu einer infizierten Person Kontakt hatten und selbst Krankheitssymptome zeigen, sollten in häusliche Quarantäne gehen. Sie sollten ihren Hausarzt konsultieren, der entscheide, ob ein Test vorgenommen werde.

Als erste Sars-CoV-2-Fälle mit einer ernsthaften Erkrankung war das Ehepaar aus Gangelt in eine Klinik gekommen - seit Mittwoch werden beide mit einer Lungenentzündung auf der Isolierstation des Düsseldorfer Uniklinikums behandelt. Dabei galt der Zustand des Mannes als ernst, hatte sich aber zuletzt „etwas stabilisiert“. Die beiden Kinder des Paares hatten sich nicht angesteckt, sie sind gesund.

Derweil decken sich viele Menschen in NRW offenbar verstärkt mit Vorräten ein. In mehreren Kölner Supermärkten zum Beispiel waren am Samstag Regale mit Konserven, Vollkornbrot oder Nudeln deutlich leerer als sonst, manche Familien schoben gleich zwei Einkaufswagen durch die Gänge. Desinfektionsmittel und Schutzmasken waren vielerorts ausverkauft.

Angesichts der Ausbreitung des Virus wurden zahlreiche Veranstaltungen in NRW abgesagt oder stehen auf dem Prüfstand, darunter auch internationale Messen. Unter anderem wird die Kölner Fitnessmesse Fibo auf einen späteren Termin verlegt. In Düsseldorf wird die Fachschau „Pro Wein“ verschoben, ebenso die Messen „Beauty“, „Top Hair“, die Draht-Fachmesse „wire“ und die Rohr-Messe „Tube“.

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(lukra/dpa)