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Coronavirus im Kreis Heinsberg: Schulen und Kitas bleiben wohl zu

Neue Infektionen im Kreis Heinsberg : Coronavirus: Krisenstab ändert Strategie

Die Zahl der CoVid19-Infizierten im Kreis Heinsberg steigt auf 35. Das Netz der Kontaktpersonen ist kaum noch zu überblicken. Der Krisenstab konzentriert sich darauf, die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems sicherzustellen.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, werden die Schulen und Kindergärten im Kreis Heinsberg auch die komplette erste März-Woche (bis einschließlich 6. März) geschlossen bleiben. Das sagte Landrat Stephan Pusch am Freitag (28. Februar) im Heinsberger Kreishaus. Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Personen im Kreis Heinsberg stieg am Freitag auf 37. Bis auf das betroffene Ehepaar aus Gangelt, das seit Aschermittwoch in der Düsseldorfer Uniklinik behandelt wird, sind alle weiteren Infizierten laut Pusch in häuslicher Quarantäne untergebracht und können auch zu Hause behandelt werden.

Der Landrat informierte nach einem Treffen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann im Heinsberger Kreishaus über die jüngsten Entwicklungen in Sachen Coronavirus. Dabei erklärte er, dass die bisherige Strategie, die Infektionsketten zu verfolgen, für den Krisenstab nicht mehr oberste Priorität habe. Hintergrund sei, dass die Zahl möglicher Kontaktpersonen mittlerweile einfach zu groß geworden sei. „Ich kann ja nicht den halben Kreis Heinsberg bitten, in häusliche Quarantäne zu gehen“, sagte Pusch.

In einer Expertenrunde mit niedergelassenen Ärzten aus dem Kreis Heinsberg und Vertretern der Krankenhäuser in Erkelenz, Heinsberg, und Geilenkirchen habe man vereinbart, sich angesichts der steigenden Zahl von Infizierten nun darauf zu konzentrieren, die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems im Kreis Heinsberg sicherzustellen. Dazu werden die Krankenhäuser und Hausarztpraxen mit zusätzlichen Ärzten und Pflegepersonal aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens verstärkt und mit notwendigen Verbrauchsmaterialien wie Mundschutzmasken ausgestattet. Außerdem gibt es die Idee, eine eigenständige Ambulanz in Gangelt einzurichten, um den Leuten einen weiteren Anlaufpunkt zu bieten, wo sie informiert werden und sich untersuchen lassen können. Es geht laut Pusch jetzt vor allem darum, dass Leute, die tatsächlich erkrankt sind, schnellstmöglich über ein leistungsfähiges Hausarztsystem eine Erstuntersuchung erfahren und vom Hausarzt über den Krankheitsverlauf informiert werden. Der Krisenstab wird auch von der bisherigen Praxis abrücken, ärztliches Pflegepersonal nur auf den Verdacht hin, dass es möglicherweise einen Kontakt mit einem Infizierten gab, in Quarantäne zu nehmen, Wenn immer mehr Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern in häusliche Quarantäne geschickt werden und 14 Tage lang ausfallen, leide die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser und Arztpraxen auf Dauer zu sehr.

Die Einrichtung von möglichen Sperrbezirken im Kreis Heinsberg, die am Freitag von einzelnen Medien thematisiert worden war, lehnt Stephan Pusch als Leiter des Krisenstabs nach wie vor strikt ab. Aus seiner Sicht sei dies eine Maßnahme, die die Menschen vor Ort nicht akzeptieren würden. Außerdem zweifelt Pusch an dem Sinn einer solchen Maßnahme, da die Zahl der Infektionen auch in anderen Gebieten schon viel zu hoch sein dürfte. Pusch: „Solange ich hier im Kreis Heinsberg etwas zu sagen habe, gibt es hier keine Sperrungen.“ Wichtig sei jetzt vor allem, dass die Bürger weiterhin Ruhe bewahren und keine Spekulationen in die Welt setzen. Der Krankheitsverlauf sei in den allermeisten Fällen äußerst milde.

Ministerpräsident Armin Laschet hat sich bei seinem Besuch im Heinsberger Kreishaus von der Arbeit des Krisenstabs überzeugt. „Für unsere Leute, die alle bis zum Anschlag arbeiten, ist sein Besuch eine riesige Anerkennung und Motivation“, erklärte Pusch. Seinen Mitarbeitern sei vermittelt worden, dass ihre Arbeit im Heinsberger Kreishaus auf Landesebene als fachlich richtig und kompetent einschätzt wird. Das sei ein wichtiges Feedback und zeige, dass die Kommunikation mit dem Land einwandfrei funktioniere. „Irgendwie sind wir hier im Kreis Heinsberg ein bisschen die Blaupause dafür, wie auch andere Landkreise und ganz Deutschland mit der Geschichte umgehen.“ Pusch geht mit Hinweis auf Experteneinschätzungen davon aus, dass sich das Coronavirus auf das ganze Land ausbreiten wird und dass die Situation in ganz Deutschland ähnlich ernstzunehmend werden wird wie sie es im Kreis Heinsberg schon seit Tagen ist.

KOMMENTAR: Mit klarem Kopf und Mitgefühl durch die Krise