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Coronavirus Heinsberg: Sonderregelung für Abitur während Corona-Krise

Schulen im Kreis Heinsberg : Sonderregelung für Abiturienten

In den Schulen des Kreises Heinsberg strebt das Land „individuelle Lösungen“ für die Prüfungstermine an. Landrat Pusch kritisiert das Vorgehen der Landesregierung – und solidarisiert sich mit den Schülern.

Bei den diesjährigen Abiturprüfungen wird es im Zusammenhang mit der Corona-Krise für die Schüler aus dem Kreis Heinsberg eine Sonderregelung geben. Wie das NRW-Bildungsministerium am Freitag mitteilte, sollen die Schulen im Kreis „individuelle Lösungen“ für die Prüfungstermine finden.

Der Beginn der Abiturprüfungen, der in Nordrhein-Westfalen auf den 12. Mai verschoben wurde, könnte für die sieben Gymnasien und sechs Gesamtschulen im Kreis Heinsberg bei Bedarf also noch einige Wochen nach hinten gelegt werden. Im Kreis sind die Schulen bereits seit Karneval und damit drei Wochen länger als im Rest des Landes geschlossen.

Konkret sollen Schulen, an denen noch eine Vorabiturklausur geschrieben werden muss, diese bis zum 12. Mai nachholen. An den beiden Schulen, die noch zwei oder drei Vorabiturklausuren ablegen müssen, sollen diese bis zum 25. Mai geschrieben werden. Die Abiturprüfungen sollen dann laut Plan auf den Zeitraum zwischen dem 26. Mai und 9. Juni verlegt werden – dort sind eigentlich die Nachschreibetermine angesetzt.

Denkbar sei laut Ministerium aber auch, die Schüler „im Ausnahmefall“ schon ohne die Vorabitur-Ergebnisse für das Abitur zuzulassen. Bei der Vorbereitung sollen die Schulleitungen „den Wünschen und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler, soweit das organisatorisch möglich ist, entgegengekommen“, heißt es in der Mitteilung. Genaue Termine sollen im engen Austausch mit Lehrern und Schülern festgelegt werden. Zentrale Prüfungen (ZP10) zum Hauptschlusabschluss oder zur mittleren Reife sollen zwischen dem 12. und 19. Mai abgelegt werden.

Wie Schulministerin Yvonne Gebauer am Donnerstag mitteilte, sollen die Schulen für angehende Abiturienten am Donnerstag, 23. April, wieder öffnen – als eine Art „freiwilliges Lernangebot“. Für Schüler, die nicht vor einem Schulabschluss stehen, bleibt die Schule vorerst geschlossen. Dabei soll es spezielle Konzepte zum Infektionsschutz geben. Bis Mittwoch sollen Lehrer und Schulleitung dafür alles vorbereiten. Die Erste Beigeordnete der Stadt Wegberg, Christine Karneth, geht davon aus, dass am Donnerstag die meisten Abiturienten zurück in die Schule kommen: „Nach so vielen Wochen Pause kann ich mir vorstellen, dass die Schüler froh sind, dass endlich wieder Schule ist.“

Die Vorabitur-Klausuren sind in Wegberg geschrieben, deswegen geht es am Gymnasium dort regulär am 12. Mai mit den Abiturprüfungen los. Für den Unterricht stehen genug Räume und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Karneth vermisst allerdings Vorgaben der Regierung: „Was fehlt, sind klare und konkrete Richtlinien, zum Beispiel dazu, wie viele Quadratmeter pro Schüler in einem Klassenraum erlaubt sind. Ich hoffe sehr, dass da am Montag etwas vom Ministerium kommt.“ Bei den Vorabiturklausuren hatte man in Wegberg streng auf Hygiene und genügend Abstand geachtet. Pro Raum war nur ein Viertel der eigentlichen Klassengröße erlaubt.

Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen sieht seine Schulen gut vorbereitet: „Wir sind gut aufgestellt, die Gebäude sind mit der Zahnbürste grundgereinigt und es gibt genug Desinfektionsmittel. Unsere Schulen sind so groß, dass da genug Platz für alle Abiturienten sein wird.“ Am Samstag treffen sich die Schulleiter mit den Leitern des Schulamts und Jugendamts, um alle weiteren Schritte zu beraten.

Landrat Stephan Pusch machte in einem Facebook-Video am Freitag keinen Hehl daraus, dass er kein Freund des neuen Erlasses ist: „Ich bin nicht gerade davon angetan, was da gerade passiert. Aber wir müssen da gemeinsam durch“, sagte er. Es seien viele Probleme absehbar, für die derzeit kein verlässlicher Plan vorliege: „Was ist, wenn einer der Schüler mit Corona infiziert wird?“ Es sei unklar, wie es in einem solchen Fall mit den Mitschülern und den Prüfungen weitergehe.

Bei den Schülern sorgt die Situation für Unsicherheit. In einem offenen Brief an die Landesregierung hatte ein Großteil der Schüler des Kreises Heinsberg in dieser Woche bereits die Absage der Abiturprüfungen gefordert. Die unklare Situation, die Gesundheitsrisiken und der wochenlange Unterrichtsausfall führe zu großer Verunsicherung. Viele Schüler sähen sich nicht ausreichend für eine Prüfung vorbereitet und stünden unter enormem Stress. An einer Petition beteiligten sich acht Schulen, nach Angaben der Organisatoren befürworte eine große Mehrheit der Schüler diese Forderung.

Pusch solidarisierte sich in seinem Facebook-Video mit den Schülern. Es sei schade, „dass man sich mit euren guten Argumenten […] nicht einmal beschäftigt hat und mit euch nicht in eine Diskussion eingetreten ist.“ Er habe „wirklich den Eindruck, dass ihr gute Dinge zu Papier gebracht habt. Mir tut es einfach leid für euch.“

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