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Corona-Zahlen binden 40 Mitarbeiter im Gesundheitsamt

Bericht des Kreisgesundheitsamtes Heinsberg : Corona-Statistiken binden 40 Mitarbeiter

Das Kreisgesundheitsamt ist mit der Meldepflicht überfordert. Die Inzidenz sei daher „nicht mehr zutreffend“, heißt es aus dem Kreishaus.

Die Omikron-Variante sorgt im Kreis Heinsberg weiter für rasant steigende Corona-Fallzahlen. Am Donnerstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bereits bei 952,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, schon am Freitag könnte sie erstmals die Grenze von 1000 knacken. Allein in den vergangenen beiden Tagen hat es mehr als 1000 bestätigte Neuinfektionen gegeben.

Das Gesundheitsamt, das eine Meldepflicht an das Robert-Koch-Institut hat, kommt bei der Masse an neuen Fällen nicht mehr hinterher. Seinem Unmut über das gesetzlich vorgeschriebene Vorgehen hatte Landrat Stephan Pusch am Dienstag in einem Facebook-Video freien Lauf gelassen. „Unser Gesundheitsamt ist am Ende“, sagte Pusch, und: „Tatsächlich produzieren wir Datenfriedhöfe, die für gar nichts mehr gut sind.“

Im Kreisausschuss hat die Verwaltung nun Zahlen zum Personal des Gesundheitsamts geliefert. Vorausgegangen war eine Anfrage der SPD-Fraktion. Demnach sind derzeit bis zu 40 Mitarbeiter ausschließlich damit beschäftigt, eingehende Labormeldungen über positive Corona-Tests zu verarbeiten und weiterzuvermitteln. Dazu seien mehrere Arbeitsschritte und Datenabgleiche nötig, digital und auch noch händisch. Darüber hinaus stehen 15 Kräfte den Bürgern telefonisch für Fragen zur Verfügung. Zehn weitere Mitarbeiter kümmern sich nur um Meldungen aus der kritischen Infrastruktur, also etwa aus Pflegeheimen und Krankenhäusern. 

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Die Verwaltung sei damit personell überfordert: Allein über das vergangene Wochenende lagen mehr als 1600 neue Meldungen auf dem Schreibtisch, zehnmal so viel wie noch im Dezember. „Es ist daher nicht mehr möglich, die gesetzlich vorgeschriebenen Meldungen taggleich wiederzugeben, so dass die offiziellen Inzidenzen das Infektionsgeschehen nicht mehr zutreffend wiedergeben“, teilt die Verwaltung mit. Die Kontaktverfolgung habe man schon im Dezember aufgegeben, sie erfolge derzeit nur noch in Ausnahmefällen und in vulnerablen Bereichen wie Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen.

Derweil hat Landrat Pusch in einem Schreiben den NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann aufgefordert, die aktuelle Meldepflicht zu überarbeiten. „Telefonisch sind meine Mitarbeiter im Gesundheitsamt kaum mehr erreichbar, um unseren Bürgern bei individuellen Fragen zu beispielsweise Quarantäneregelungen zu helfen oder ihnen bei gesundheitlichen Fragen zur Seite zu stehen“, sagte Pusch. Die Situation sei auch für die Mitarbeiter „sehr frustrierend.“

Das sich rapide ausbreitende Virus führt derzeit weiterhin nicht zu einer angespannteren Corona-Lage in den drei Krankenhäusern des Kreises: Am Donnerstag gab es laut Divi-Intensivregister drei Covid-Fälle auf den Intensivstationen, zwei von ihnen mussten invasiv beatmet werden.

(cpas)