Wassenberg: Blick in den Alltag von gestern

Wassenberg: Blick in den Alltag von gestern

Seit Jahren sammelt der Heimatring Myhl im kleinen Museum Gegenstände, Bilder und Dokumente des Lebens im Wassenberger Land. Im Blick ist die Zeit, in der statt Dusche eine Waschschüssel ausreichen musste und der Ochsenpflug zur Feldarbeit nötig war.

Wenn Schulkinder das Myhler Heimatmuseum erkunden, fragen sie Organisator Norbert Randerath und Helene Phlippen, die Vorsitzende des Heimatrings, manchmal: "Wohnen Sie hier?"

Und tatsächlich: Wer die Küche und das Esszimmer des kleinen Museums in der alten Schule betritt, glaubt fast, in einer "echten" Wohnung zu sein. In einer, die ohne die modernen Errungenschaften der Technik auskommt. In der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Der Fernseher aus den fünfziger Jahren hat nur ein Programm, im Herd muss erstmal ein Feuer entfacht werden, bevor das Essen gar wird. Dusche? Fehlanzeige. Wer sich anno dazumal säubern wollte, benutzte eine Waschschüssel aus Porzellan mit passendem Wasserkrug. "Museumsdirektor" Norbert Randerath und seine Mitstreiter haben in den Räumen, die früher mal eine öffentliche Badeanstalt beherbergte, alles zusammengetragen, was an längst vergangene Zeiten erinnert.

Ein Raum ist der stillgelegten Zeche Sophia-Jacoba gewidmet. Alte Werkszeitungen, ein Kohlebrocken und eine Krankenbahre sind hier zu finden. Ein paar Meter weiter sind gewerbliche Gegenstände ausgestellt: eine Rechenmaschine, die mal dem Gerderather Schuster gehörte, die Wurstschneidemaschine eines Metzgers, ein Gerät zum Versiegeln von Eingemachtem.

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Eins der ungewöhnlichsten Exponate ist die alte Uniform des Wassenbergers Heinrich Stein, der um 1910 der Soldatenschutztruppe in Deutsch-Südwest, heute Namibia, angehörte. Neben dem Säbel des früheren Myhler Dorfpolizisten aus dem Jahr 1890 ist Steins Dienstkleidung in einer Vitrine ausgestellt.

Ein hölzerner Stuhl und ein Pult mit Kreidetafel darauf geben Einblick in ein altes Klassenzimmer der Volksschule. Die handschriftlichen Erinnerungen des früheren Rektors Hans Rollersbroich liegen hier aus. Nebenan befindet sich die landwirtschaftliche Abteilung mit Heurechen, Pferdegeschirr und Ochsenpflug.

Ein Ölgemälde zeigt Menschen beim "Süemere" auf dem Feld. "Wenn alles abgeerntet ist, durften arme Menschen die liegen gebliebenen Ähren aufsammeln", erzählt Helene Phlippen, die Vorsitzende des rund 340 Mitglieder starken Myhler Heimatrings.

Blickfang ist eine Puppe in Nonnentracht, die von Schwester Roswinda von den Barmherzigen Schwestern in Großkönigsdorf bei Köln eingekleidet wurde — sie lebte vor ihrem Eintritt ins Kloster als Maria Rütten in Myhl. Zur "Kirchen-Abteilung" zählt auch das Läutewerk der Pfarrkirche vor 1990, das inzwischen durch Computertechnik ersetzt wurde.

(RP)
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