Betrug am Telefon „Viele Menschen sind zu naiv“

Kreis Heinsberg · Viele Senioren erhalten regelmäßig Anrufe, in denen Betrüger auf verschiedene Weise versuchen, an Geld zu kommen. Das rät ein Ex-Kommissar.

 Besonders ältere Menschen sind Ziel der Betrüger.

Besonders ältere Menschen sind Ziel der Betrüger.

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Nahezu jede Woche sind Meldungen wie diese zu lesen: „Senioren um Geld betrogen“. Dass gerade ältere Menschen zum Ziel von Betrügern und Verbrechern werden, ist nichts Neues. Die unzähligen Betrugsmaschen beschränken sich dabei nicht auf eine Stadt oder Region. Senioren immer wieder zu warnen und auf den neusten Stand zu bringen, das hat sich Erwin Hanschmann auf die Fahnen geschrieben. Mehr als 45 Jahre war er Polizeibeamter und auch im Ruhestand ist er regelmäßig als Referent unterwegs – so auch bei einer Veranstaltung des Kontaktbüros Pflegehilfe in Heinsberg.

Der Einladung waren lediglich sechs Senioren gefolgt und es kam schnell der Eindruck auf, dass die, die anwesend waren, die Tipps des Experten gar nicht so sehr nötig hatten. Denn die Frauen und der Mann, die auf Frage des Experten alle bestätigen, bereits merkwürdige Anrufe erhalten zu haben, haben dabei sehr vorbildlich reagiert und sind eben nicht auf die Betrugsversuche hereingefallen. „Viele sind aber zu naiv.“

Der Mann berichtet von einem Anruf, den sein Bruder kürzlich erhalten habe. Er soll im Lotto gewonnen haben, 38.000 Euro. Um den Gewinn allerdings zu erhalten, müsse er vorher 900 Euro überweisen. Geistesgegenwärtig habe er allerdings gesagt, dass man das ja verrechnen könne, wenn der Gewinn vorbei gebracht werde. Natürlich kam niemand zum ausgemachten Zeitpunkt vorbei, trotzdem, so berichtet der Mann, sei sein Bruder froh gewesen, dass er als Unterstützung vor Ort war, falls doch jemand gekommen wäre.

Eine andere Frau hatte einen Anruf erhalten, dass ihre Tochter einen Unfall verursacht haben soll. Zufälligerweise hatte sie kurz vorher noch mit der echten Tochter gesprochen, die auch gerade ins Auto steigen wollte. Weil der älteren Frau das aber etwas merkwürdig vorkam, behauptete sie, ihre Tochter lebe in der Schweiz. Als am anderen Ende der Leitung dann jemand mit Schweizer Akzent sprach, hatte sie Gewissheit, dass es sich um einen Betrugsversuch handle und legte auf. Der Schock aber dauerte einen Moment länger an.

Erwin Hanschmann rät, auf Fragen wie „Oma, erkennst du mich?“ nie mit dem richtigen Namen des Enkelkindes zu antworten. Auch sollte man innerhalb der Familie ein Codewort ausmachen, das am Telefon abgeglichen wird. Wer einen ungewöhnlichen Anruf erhält, sollte ihn stets der Polizei melden, auch wenn niemand zu schaden kommt. Nur so könnten die Beamten ein umfassendes Bild kriegen, wie und wo Betrüger versuchen, an Geld zu kommen. Die Dunkelziffer sei hoch.

Wenn Kriminelle auf der Straße versuchen, die Tasche zu stehlen, sei eine Trillerpfeife ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. „Die passt in jede Jackentasche“, sagt Erwin Hanschmann.

(mwi)
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