1. NRW
  2. Städte
  3. Kreis Heinsberg

Kreis Heinsberg: Bald Pflegeplanung für einzelne Ortsteile

Kreis Heinsberg : Bald Pflegeplanung für einzelne Ortsteile

Der Kreis Heinsberg stellte die örtliche Pflegebedarfsplanung 2015 bis 2018 vor. Deutlich wird, dass die Zahl der vollstationären Pflegeplätze langfristig ausreichen dürfte. Ausgebaut werden Alternativen zum Leben im Altenheim.

Der in vielen Untersuchungen bestätigte Wunsch älterer Menschen, auch bei Pflegebedürftigkeit möglichst bis ans Lebensende im gewohnten Umfeld oder der eigenen Wohnung zu bleiben, stellt die Pflegeplanung vor eine neue Herausforderung. Und er erfordert ein neues Denken und Planen, das sich im vergangenen Jahr auch in geänderten Landesgesetzen niederschlug. Sie erweitern die Fördermöglichkeiten für ambulante Hilfen und Alternativen zur stationären Pflege in Altenheimen. Und sie fordern beim Blick auf den Bedarf an Infrastruktur für ältere Menschen eine Sichtweise, die weggeht von der kreisweiten Planung hin zu Konzepten, die auf einzelne Kommunen ("Sozialräume") und noch kleinere Einheiten, die sogenannten Wohnquartiere (mit um die 3000 Einwohner) zugeschnitten sind.

Bis 2018 soll die Pflegeplanung auf dieses "quartierbasierte Konzept" umgestellt sein, erläuterte Volkhard Dörr, Leiter der Stabsstelle Demografischer Wandel, dem Ausschuss für Gesundheit und Soziales beim Kreis. Es ging um die Pflegebedarfsplanung 2015 bis 2018, die Dörr als Übergangszeitraum bezeichnete, in dem die Weichen für die ortsnahen Konzepte gestellt werden sollen. Und wer das umfangreiche Zahlenwerk durchblättert, merkt, dass der Kreis schon jetzt in seinen Schaubildern das Pflege- und Hilfeangebot für Ältere, bezogen auf die 20 Sozialräume und 45 Quartiere im Kreisgebiet, auflistet. Und hier ergeben sich teilweise deutliche Unterschiede.

Volkhard Dörr (l.) Von der Stabsstelle Demografischer Wandel erläuterte dem Kreis-Gesundheitsausschuss die Pflegeplanung bis 2018. Ziel ist es, möglichst ortsnah für Senioren vielfältige Hilfen bereitszustellen und die ambulante Versorgung auszubauen. Foto: Kreis Heinsberg/thinkstockfotos

Dem Trend entsprechend geht in den kommenden Jahren der Bedarf an Altenheimplätzen zugunsten ambulanter Hilfen und neuer Wohnformen (Wohngemeinschaften) zurück. So wird davon ausgegangen, dass immer weniger Menschen der Pflegestufen 0 und 1 in Altenheimen leben werden - was auch Ziel einer seniorenfreundlichen Ortsteilplanung sein soll.

Ausgehend von einer Versorgungsquote von 5,2 Prozent der aktuell 50 240 Menschen über 65 im Kreisgebiet weist die Statistik 2015 einen Überhang von 203 vollstationären Pflegeplätzen (insgesamt 2814) aus. Teilweise weit mehr als gedeckt ist danach der Bedarf in Erkelenz (plus 207) und Gangelt (plus 131), aber auch in Geilenkirchen, Heinsberg, Hückelhoven (plus 89) und Wassenberg (plus 38), während vor allem Wegberg mit 193 fehlenden Plätzen deutlichen Nachholbedarf hat, der bis 2018 weiterbesteht. Ein geringeres Pflegeplatzdefizit weisen Selkant, Übach-Palenberg und Waldfeucht auf. Für 2018 wird ein noch steigender Überhang von dann 253 Pflegeplätzen im Kreisgebiet angezeigt.

Mit derzeit 134 Kurzzeitpflegeplätzen ist der Kreis bis 2018 gut ausgestattet - allerdings mit regionalen Unterschieden. So wird für Wegberg, Wassenberg und Übach-Palenberg ein Ausbau empfohlen.

Steigen werde vor allem auch der Bedarf an Tagespflegeplätzen, heißt es in der Bedarfsplanung, unter anderem deshalb, weil Menschen der Pflegestufe 0 (etwa Demenzkranke) nach dem zu Jahresbeginn in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetz Anspruch auf Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege haben und die Leistungen hierfür neben Sach- und Geldleistungen anrechnungsfrei sind. Nach der Bedarfsberechnung des Kreises (ein Tagespflegeplatz pro 130 Menschen über 65) fehlen 2015 19 Plätze und 2018 bereits 41. Hier hat Erkelenz die auffallendste Lücke von 43 bis 47 Plätzen, auch in Wegberg fehlen zehn bis 13 Plätze, während Hückelhoven und Wassenberg statistisch sogar überversorgt sind (Überhänge von 28 und 22 Plätzen in 2015; 2018: zwölf bzw. 21 Plätze).

Nachtpflegeplätze fehlen im Kreisgebiet ganz, weil die Nachfrage bislang sehr gering war. Das allerdings könnte sich durchaus ändern, meint Volkhard Dörr, der das Angebot nicht grundsätzlich abschreiben möchte.

(RP)