Serie Akzente Der Regionalgeschichtlichen Sammlung Des Begas Hauses: Assignate - Papiergeld der besonderen Art

Serie Akzente Der Regionalgeschichtlichen Sammlung Des Begas Hauses: Assignate - Papiergeld der besonderen Art

Blick auf ein Zahlungsmittel, das in der Zeit eingeführt wurde, als das Rhein- und Rurland zu Frankreich gehörte.

KREIS HEINSBERG Im Jahr 2014 wurde es neu eröffnet, das ehemalige Kreismuseum in Heinsberg, als "Begas Haus - Museum für Kunst und Regionalgeschichte". In einer Serie stellt die RP regionalgeschichtliche Exponate vor. Im heutigen Teil geht es um "Assignate", Zahlungsmittel, die in der Zeit eingeführt wurden, als das Rhein- und Rurland zu Frankreich gehörte, faktisch von 1794 bis 1815.

Der Ratheim-Krickelberger Heimatforscher Walter Maas schenkte 1988 einige Exemplare dem Heimatmuseum, das bereits welche im Bestand hatte. Und dass gerade Walter Maas im Besitz von Assignaten war, war überhaupt kein Zufall, denn der Beritt zwischen Orsbeck und der so genannten "Schanz", an der Landstraße von Ratheim nach Oberbruch, spielte am 2./3. Oktober 1794 eine entscheidende Rolle in der europäischen Politik. An der Rur zwischen Roermond und Düren standen sich 120.000 Soldaten der französischen Revolutionsarmee und 100.000 der Koalition aus Preußen und Österreichern gegenüber - im gewaltigen Gemetzel mit vielen Toten, Verletzten und großen Zerstörungen siegten die Revolutionäre. Die Entscheidung führten die Franzosen bei Krickelberg/Orsbeck mit einem Holz-Brückenschlag über die Rur durch die 18.000 Mann starke Elite-Vorhut unter General Jean-Baptiste Kléber unweit des Hauses der Vorfahren von Walter Maas sowie den Rurübergang an der "Schanz" unter General Jean-Baptiste Bernadotte herbei.

Assignaten, französisch-lateinisch für "Anweisung", waren zum Ende des Revolutionsjahrs 1789 eingeführt worden als Papiergeld, das gedeckt war durch die verstaatlichten Kirchenimmobilien und -Ländereien. Als eine Art von Staatsanleihen wurden sie anfänglich sogar verzinst. Sie trugen Wasserzeichen und Prägestempel sowie bis 1793 teilweise das Konterfei des letzten Königs Louis XVI., der in dem Jahr hingerichtet wurde und die Monarchie auch offiziell endete.

Anfänglich hatten die Assignaten eine wirtschaftliche Belebung in Frankreich zur Folge, da aber später immer mehr gedruckt wurden, ohne auf die Deckung zu achten, kam es zu starken Wertverlusten, zur Inflation, die sich ab 1794 auch im Rheinland auswirkte. Im August 1795 wurde die neue, dezimalgeteilte Währung "Franc" eingeführt, für die auch wieder Hartgeld geprägt wurde. Am 21. Mai 1797 wurden alle Assignaten für ungültig erklärt. Auch im Rheinland, Departement de la Roer (Rurdepartement), galten nun die Franc-Scheine sowie die kupfernen Centime- und die silbernen Fünf-Franc-Münzen.

Walter Maas' Assignat über fünf Livres (Pfund), Vor-Franc-Währung, wurde am 31. Juli 1792 gedruckt, das über 25 Livres am 6. Juni 1793. Die Assignaten aus dem ursprünglichen Kreismuseum sind ein Druckbogen mit einer Zehner-Serie, die am 31. Oktober 1793 ausgegeben wurden. Nach den Siegen über das napoleonische Kaisertum Frankreichs wurde das Rheinland dem Königreich Preußen angegliedert, das seine Taler-Währung einführte, die 1907 von der Mark abgelöst wurde.

Die Assignaten sind ein Zeichen einer bedeutenden Epoche Deutschlands, Europas und auch der Welt, der Zugehörigkeit zum revolutionären Frankreich, das das 1000 Jahre alte Feudal-Klerikal-System der Ausbeutung der Bauern durch Adel und Kirche beendete. Recht setzte der Code Civil, später Code Napoleon und setzte auf die neuen Grundlagen von persönlicher Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz des Privateigentums (Grundlage für ein marktwirtschaftliches System), Abschaffung des Zunftzwangs und Öffentlichkeit der Gerichtsbarkeit. Auch die Preußen trauten sich nach 1815 nicht, den Code abzuschaffen, er lebte verändert als "Rheinisches Recht" weiter - und wurde 1900 durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) abgelöst.

(isp)