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Wassenberg: Anklage im Mordfall noch im Januar

Wassenberg : Anklage im Mordfall noch im Januar

Seit zwei Monaten sitzen ein Wassenberger (65) und ein Wegberger (44) in Untersuchungshaft. Sie sind dringend verdächtig, einen Bonner (46) in Wassenberg erschlagen zu haben. Die Staatsanwaltschaft will jetzt Anklage erheben.

Mord und versuchten Mord wirft die Staatsanwaltschaft Aachen den beiden Männern vor, die Anfang November von der Mordkommission der Aachener Polizei festgenommen wurden. Obwohl ein dritter Verdächtiger, der 36-jährige gebürtige Mönchengladbacher Franky Gri, noch flüchtig ist, arbeitet die Staatsanwaltschaft bereits an der Anklageschrift. Der Aachener Oberstaatsanwalt Peter Jansen rechnet noch im Januar mit der Anklageerhebung: "Der dringende Tatverdacht gegen die beiden Inhaftierten besteht weiter. Er wird durch die Tatsache, dass Gri weiter auf freiem Fuß ist, nicht berührt."

Tathergang und Motiv haben die Ermittler weitgehend geklärt. Die Familie eines Wassenberger Arztes soll dem 65-Jährigen insgesamt rund zwei Millionen Euro für angeblich lukrative Anlagen überlassen haben. Der Streit um Geld eskalierte in zwei Taten: Sonntagabend, 21. Oktober 2012, telefoniert ein 46-jähriger Bonner noch mit seiner Mutter, kurze Zeit später stirbt er durch massive Gewalteinwirkung gegen den Kopf.

Der zwei Wochen später festgenommene Wegberger gibt zu, er sei bei der Tat auf dem Waldparkplatz dabei gewesen, der 65-Jährige schweigt. Am gleichen Abend wird der Bruder des Opfers in einen Wald bei Maria Hoop in den Niederlanden gelockt. Laut Staatsanwaltschaft schlagen "drei Männer in Tötungsabsicht derart wuchtig auf ihn ein, dass er schwere Kopfverletzungen davonträgt". Der 50-jährige Wassenberger Arzt flieht.

Im Mordprozess werden die Betrugstaten zum Nachteil der Familie des Arztes mit verhandelt, erklärte Oberstaatsanwalt Peter Jansen. Weitere Betrugsfälle werden gesondert ermittelt und in abgetrennten Verfahren behandelt. Im Zuge der Ermittlungen hatten sich weitere Geschädigte gemeldet, die durch den 65-jährigen Wassenberger, der wegen Betrugs bereits zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden ist, hohe Summen verloren haben sollen.

Der Hauptverdächtige im Mordfall lebte auf großem Fuß. Mit seiner Familie bewohnte er eine Villa in Wassenberg. Ab 1988 restaurierte er belgischen Quellen zufolge das Kasteel Griutrode, ein Schlösschen mit Vierkanthof aus dem 16. Jahrhundert in Belgisch Limburg. Vier Jahre später, im September 1992, begann vor dem Landgericht Mönchengladbach ein Mammutprozess: Der Wassenberger, damals unter anderem Namen, musste sich wegen zahlreicher Betrugsdelikte verantworten (bei einer späteren Heirat nahm er den Namen seiner Frau an). Nach 80 Verhandlungstagen zeigte sich das Gericht überzeugt, dass der Angeklagte in 36 Fällen zwischen 1983 und 1992 insgesamt 14,5 Millionen D-Mark ergaunert hatte.

Nach Befragung zahlreicher Zeugen — darunter der Ehrenvorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma, Romani Rose — hielt es der Richter für erwiesen, dass der Teppichhändler Kapitalgeber am Niederrhein, in Erkelenz, Süddeutschland und der Schweiz geprellt hatte — teils mit abenteuerlich hohen Zinsversprechen, teils mit fiktiven Geschäften. Da war die Rede von Schau-Kongressen mit angeheuerten Statisten in Amsterdam und Paris, vom Bau eines Zentrums für einen Roma-Staat, seinen Vater stellte der Angeklagte Geldgebern als UNO-Sonderbotschafter vor, in einem Anwaltsbüro kam es zu einer Firmengründung — Sitz in Panama.

Das Urteil fiel am 16. Dezember 1993: Die Kammer verkündete zwölf Jahre Haft und wegen hoher krimineller Energie Haftfortdauer. Der Angeklagte nahm dies damals mit unbewegter Miene zur Kenntnis. Er hatte während des gesamten Prozesses sein Schweigen nicht gebrochen.

(RP/rl)