Krefeld: Zwölf Bürger retten Traditionsgasthaus Gietz

Krefeld: Zwölf Bürger retten Traditionsgasthaus Gietz

Es ist eine ungewöhnliche Allianz: Eine Käufergruppe von Fischelner Bürgern erwirbt das auch als "Saal Gietz" bekannte Gasthaus mitten im Stadtteil. Somit steht fest: Es gibt doch noch einen Nachfolger für Kultwirt Manfred Gietz (69).

Der "Fischelner Burghof", auch einfach als "Saal Gietz" bekannt, liegt zu Füßen der Dorfkirche St. Clemens und ist eines der letzten Traditionsgasthäuser in Krefeld. Jahrelang suchte Manfred Gietz (69), in dritter Generation Eigentümer und Wirt, nach einer Nachfolgeregelung für sein Haus. Die Lösung, die jetzt gefunden wurde, ist in Krefeld wohl einzigartig: Eine Käufergru

pe von zwölf Fischelner Bürgern, viele davon in Krefeld bekannt, hat das Haus erworben und wird es als "Fischelner Burghof Gietz Verw. GmbH" an den Meerbuscher Gastronomen Alex Georgiadis verpachten. Er ist Wirt im Büdericher Brauereiausschank "Gulasch".

Der Burghof ist ein Ort mit Tradition: Auf der Fläche an der Marienstraße 108 befand sich schon im 16. Jahrhundert das Gut "Molenhof". 1906 wurde das heutige Gebäude als Wohnhaus mit Gasthof im Jugendstil errichtet. Manfred Gietz' Großvater Josef Gietz übernahm die Gaststätte 1920

Für das Fischelner Vereinsleben ist das Lokal das Zentrum der Aktivitäten - die Bürger-Schützen-Gesellschaft 1451 Fischeln hat dort ihr Stammlokal, der VfR Fischeln hat dort seit 1932 sein Zuhause, die St. Sebastianus-Bruderschaft lädt jedes Jahr zum "Brudermahl" in den Saal Gietz ein, die Parteien treffen sich dort zu Veranstaltungen und viele Karnevalssitzungen werden gefeiert. Populäre Bands aus dem Karneval wie die Bläck Fööss oder Brings spielten schon bei Manfred Gietz.

All diese Veranstaltungen und Vereinsaktivitäten standen auf der Kippe, weil Gietz keinen Nachfolger fand: "Genau das sollte erhalten bleiben", sagt Horst Hannappel als einer der beiden Sprecher. Er berichtet, dass die erste Idee zur Gründung einer Gesellschaft in einer Skatrunde bei Gietz geboren wurde, an der auch Josef Krings, in Krefeld auch bekannt als Schwager des langjährigen CDU-Fraktionschefs Wilfrid Fabel, Mitglied ist.

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Krings fungiert ebenfalls als Sprecher. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach Mitgesellschaftern und fanden diese unter anderem in Thomas Schlösser (Präsident VfR Fischeln) und Heinz Klinkhammer (ehemals Personalvorstand der Telekom). Weiter gehören dazu: Ulli Furth, Roland Haefs, Peter Hoff, Helmut Imdahl, Karl Josef Ruland, Stephan Krings, Benedikt Lichtenberg und Martin Wethmann.

Vor einem Jahr setzten sich die Herren erstmals zusammen, vor neun Monaten gründeten sie die Gesellschaft. "Ich kenne keine andere Gastwirtschaft, die von Bürgern auf diese Art übernommen wurde", sagte Hannappel gestern. Über den Kaufpreis machte er keine Angaben. Die Gesellschafter treten gegenüber dem Wirt Alex Georgiadis als Verpächter und Unterstützer auf. Zum Burghof gehören zwei Wohnungen, Biergarten, Saal und Kegelbahn.

Der Zeitplan: Direkt nach Karneval, am 19. Februar 2015, schließt der Burghof für drei Wochen seine Türen und wird saniert, insbesondere im Bereich der Küche. Georgiadis wird den Burghof dann am 13. März 2015 wieder eröffnen. Die Gesellschafter betonten gestern, wie gut die Zusammenarbeit mit der Stadt Krefeld gewesen sei. Nur mit Hilfe des Bauordnungsamtes, der Denkmalbehörde sowie des Ordnungsamtes sei eine so kurze Zeitspanne zwischen Schließung und Eröffnung möglich gewesen. Der Burghof steht unter Denkmalschutz.

Manfred Gietz betonte gestern: "Mir war es eine Herzensangelegenheit, dass der Burghof weitergeführt wird." Vor fünf Jahren schon hatte er in unserer Zeitung von den Verkaufsplänen berichtet: "Ich verkaufe den Burghof nur, wenn der Käufer die Gastronomie in meinem Sinne weiterführt. Schließlich geht es ja um ein Stück Fischeln."

Die entscheidenden Gespräche erfolgten erst in den vergangenen Monaten. Seitdem ist Manfred Gietz in engem Kontakt mit seinem Nachfolger, dessen Brauereiausschank in Meerbusch-Büderich als gute Adresse gilt. Georgiadis wird das Gasthaus größtenteils in der Tradition von Manfred Gietz fortführen, es soll nur einige "marginale" Änderungen geben. Das Personal, dies war einigen Gesellschaftern ein besonderes Anliegen, soll übernommen werden.

(RP)