Zwei Krefelder drehen einen Kino-Film über Afrika

Krefeld: Mit KR-QR 693 einmal Afrika und zurück

Der Krefelder Tobias Köhn leidet an einer Angststörung. Trotz gutem Job und geregeltem Einkommen beschließt er, seine sieben Sachen zu packen und Afrika zu erkunden. Jedenfalls ein bisschen. Aus diesem bisschen wurden eineinhalb Jahre und ein wunderschöner Film namens „Ein Viertel der Welt – Vom Träumer zum Macher“

Im Obergeschoss der Blauen Erdbeere Werbetechnik GmbH in Krefeld geht es fröhlich turbulent zu. Junge stylische Leute laufen durch stylische Räume. Im Untergeschoss das genaue Gegenteil: Ein Raum mit langen Holzpanelen, großen Lampen mit warmem Licht, und über dem großen Flachbildschirm hängt ein Poster mit viel Blau darin. Das Blau des Himmels über Afrika. In den letzten zehn Monaten war dieser Raum das „Wohnzimmer“ - ein kleiner feiner Kosmos zweier Kreativköpfe in lässigen T-Shirts und Birkenstocks: Tobias Köhn und Lars Brauer. Sie haben den Film „Ein Viertel der Welt – Vom Träumer zum Macher“ mit Hilfe einiger Sponsoren realisieren können. Herausgekommen ist ein Dokumentarfilm, der sich neben eindrucksvollen afrikanischen Landschaftsaufnahmen mit dem Erwachsenwerden beschäftigt und zu existenziellen Fragen führt: Wie finde ich den Mut, den eigenen Weg zu gehen und das zu tun, was richtig ist? Wie bekämpfe ich Ängste wirkungsvoll und nachhaltig? Wie finde ich mein Talent und meine Stärke?

Nun würde man meinen, dass Menschen beim Anblick wilder Tiere oder monströser Spinnen - ganz archaisch - gerne schnell das Weite suchen. Bei Tobias Köhn ist es genau anders herum: Für ihn ist der Trip durch Afrika ein Befreiungsschlag. Und der beginnt 2015 im beschaulichen Krefeld. Tobias hat eine gute Ausbildung als Elektroniker hinter sich, einen gut bezahlten Job und nette Kollegen. Dennoch stimmt etwas nicht, in seinem Bauch rumort es ständig, wie nach Liebeskummer. Er ist nicht glücklich - weder im Job, noch privat. Tobias Köhn leidet an einer Angststörung und kämpft gegen eine immer bedrückender werdende Leere in seinem Leben an, die anfängt, ihn aufzufressen. Auch therapeutische Hilfe ändert daran überhaupt nichts. So gibt es für ihn schließlich nur noch einen Weg: Raus. Um etwas ganz Neues zu machen. „Was viele zunächst für eine fixe Idee halten, wurde real“, lächelt Tobias und ergänzt: „Ich habe mir einen Suzuki-Geländewagen vom Ersparten gekauft und mich tatsächlich auf den Weg gemacht.“

Nun möchte man sich fragen, warum es ausgerechnet Afrika sein musste. Warum nicht ans Meer nach Holland oder in die Berge nach Griechenland? „Ich merkte, ich musste meine Parameter auf Null setzen, etwas gegen diese diffuse Angst unternehmen, etwas Verrücktes probieren“, erinnert sich der heute 26-Jährige. Seine Angststörung bezeichnet eine übertriebene Angstreaktion beim Fehlen einer wirklich äußeren Bedrohung. Das zumindest ändert sich auf dem afrikanischen Kontinent schlagartig. Bedrohungen sind hier real – Tobias Köhn begegnet wilden Tieren, hat eine Panne mit dem Verteilergetriebe in einer Steinwüste. Er schläft täglich unter freiem Himmel. Aber immerhin ist es ein endloser Sternenhimmel, und er kann zum ersten Mal tief durchatmen. „Die Freiheit zu spüren, war mein prägendstes Erlebnis“, sagt er später. Während dieser Reise beginnt er zu verstehen, was für ihn wirklich zählt, und er erkennt, wie er sein Leben neu gestalten kann.

In dem Filmemacher und Gestalter Lars Brauer hat er einen Bruder im Geiste gefunden. Schaut man sich dessen Abschlussarbeit „Avallt“, ein visuelles Gedicht über Island, an, versteht man die Verbindung der beiden. Über neue Projekte sinnieren sie zwar schon, mehr wird aber erst am Filmende verraten. Also doch ein Happy End.