Krefeld Zum Neuen Jahr ein Stoß ins Shofar

Krefeld · Drei Tage lang feiert die Jüdische Gemeinde ab heute den "Kopf des Jahres", wie das Neujahrfest aus dem Hebräischenübersetzt wird. Die Mitglieder der Gemeinde wünschen sich dabei "einen guten Eintrag ins Buch des Lebens und ein zuckersüßes Jahr".

Einweihung der neuen Synagoge
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Foto: Thomas Lammertz

Heute und an den nächsten Tagen wird der Wunsch von Rabbiner Yitzchak Mendel Wagner (29) noch mehr Wirklichkeit: "Hier soll jeder Quadratmeter mit jüdischem Leben gefüllt werden." In der neuen Synagoge an der Wiedstraße feiert man am heutigen Abend den Beginn von "Rosch Haschana", dem jüdischen Neujahrsfest. "Kopf des Jahres" heißt das, und nach jüdischer Zeitrechnung beginnt damit das Jahr 5769 nach der Erschaffung Adams.

"Einen guten Eintrag im Buch des Lebens und ein zuckersüßes Jahr" wünschen sich die Gemeindemitglieder. Und tunken dazu Brot in Honig. In diesen Tagen öffnet Gott seine drei Bücher, der Prozess im Himmel wird entscheiden, ob man ins "gute Buch" — 98 Prozent stehen im Buch der Mitte — eingetragen wird.

Gott ist in erster Linie Vater

Rabbi Wagner hält die Rede zum Neujahr, Rabbi Michael Goldberg kommt aus der Schweiz, um die Gebete in sprechen, und aus der Thora liest das älteste Gemeindemitglied. Gebetet wird immer in Hebräisch — "aber Gott versteht alle Sprachen" — und auch für die Führung der Stadt. "Unsere Gebete sind aber nicht bedrückend, Gott ist in erster Linie Vater, wir präsentieren uns mit Freude"; sagt Rabbi Wagner. Zum Essen, "Kiddusch", setzt man sich hernach zusammen. Morgen früh trifft man sich zum Morgengebet, anschließend wird das "Shofar", das Widderhorn, geblasen. Damit folgt man einem Gebot der Bibel, denn der "Ruf der Reue" war schon am Berg Sinai zu hören. Ähnlich ist es am Mittwoch, bis am Abend die Feiertage enden. Die "Saison der hohen Feiertage" geht aber weiter. "Die Tore im Himmel sind an diesen Tagen weit offen", sagt Rabbi Wagner, "man kann einfach zu Gott gehen." Und mit den Mitmenschen soll man Frieden schließen.

Am 8. Oktober, am Mittwochabend, beginnt "Jom Kippur", der höchste Feiertag im jüdischen Leben, mit dem Gebet "Kol nidre", Feiertagsbeginn ist um 18.37 Uhr. Und am Donnerstag wird gefastet und der Toten gedacht. Später, am 14. Oktober, folgt noch das "Laubhüttenfest", dann wird man in einer Hütte auf dem Hof der Synagoge zusammen essen, um sich bewusst zu werden, "wie gut es uns geht."

Mehr als 200 Gemeindemitglieder werden zu den ersten Feiertagen nach der Eröffnung der Synagoge erwartet. Auch Dina Chana Wagner, Tochter des Rabbiners, die am Neujahrstag zwei Monate alt ist, wird dabei sein. Sie soll früh in die Gemeinde integriert werden, die sich als große Familie versteht. "Die Synagoge ist wie ein Schiff, wir brauchen Menschen, um sie über Wasser zu halten", sagt Yitzchak Mendel Wagner. Und ist, wie die ganze Gemeinde, stolz und glücklich, erstmals nach 70 Jahren in der großen neuen Synagoge feiern zu können.

(RP)
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