1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Logistische Meisterleistung in Krefeld: Zug-Kraft für St. Petersburg

Logistische Meisterleistung in Krefeld : Zug-Kraft für St. Petersburg

Eine logistische Meisterleistung: Ein Zug mit einem Bug- und vier Mittelwagen trat nunmehr vom Hafen aus die Reise nach Russland an.

Das am Kai wartende große Binnenschiff hat den Laderaum weit geöffnet. Der bei der im südlichen Bereich des Krefelder Rheinhafens ansässigen Firma Felbermayr ständig stationierte 18-Achser-Transportwagen ist mit einem Mittelwagen des neuen Velaro-Rus-Hochgeschwindigkeitszugs unter den mächtigen Hebekran "Big Rocky" gefahren, der zusammen mit einem mehr landeinwärts stehenden Kran den Ladevorgang vom Land auf das Binnenschiff durchführt.

Die drei anderen Mittelwagen warten auf eigens von Schenker bereitgestellten Gleispaletten auf ihre Einschiffung. Nach dem Lkw-Transport vom Krefelder Siemens-Werk in den Rheinhafen wurden sie auf diese "überrollt". "Die beiden Kräne benötigen wir wegen der 25,5 Meter Wagenlänge, das Gewicht der Wagen von 55 Tonnen könnte ein Kran alleine heben", erklärt Abteilungsleiter Christoph Hilgers von der Firma Schenker, der am Freitagmorgen herausgekommen ist, um das Ladeverfahren zu leiten. Hilgers hofft, dass er die 16 Verladevorgänge der schnittigen Velaro-Rus-Züge bis November ebenso störungsfrei abwickeln kann.

  • Krefeld : Olympia-Gäste fahren in Zügen aus Uerdingen
  • Krefeld : Jungfernfahrt des Krefelder Zuges in Russland
  • Siemens-Werk in Krefeld : Startschuss der ICE-Produktion für Russland

Die nach einem Intermezzo bei Stinnes wieder der Deutschen Bahn gehörende DB Schenker Logistics hat Erfahrung mit Transporten auf dieser Route, denn sie hat bereits 54 "Desiro"- Regionalzüge mit 270 Wagen "ohne nennenswerte Schrammen ans Ziel gebracht".

Als Nächstes ist nun der 61 Tonnen schwere Bugwagen des Zuges dran, der auf einem ausziehbaren 16-Achser steht. Auf diesem Spezialtransportwagen sind sowohl Gleise für die europäische 1435 Millimeter- Spur wie auch für die russische 1520 Millimeter-Breitspur montiert. "Der russische ICE umfasst zwei Bugwagen und acht Mittelwagen. Die Hälfte davon passt gerade auf ein Flussschiff", führt Hilgers aus.

Ziel des Rheinschiffes ist Amsterdam. Hier übernimmt eine Eisenbahnfähre die Fracht. Drei Tage später erreicht die Fähre den Hafen Mukran auf Rügen. Mukran wurde noch von der DDR als Umspannhafen auf die russische Breitspur für den Eisenbahngüterverkehr mit der damaligen Sowjetunion errichtet. Hier liegt dann auch der Grund für den relativ aufwändigen Transport des Hochgeschwindigkeitszuges: Die Abmessungen der Wagen und die unterschiedlichen Spurweiten lassen einen durchgehenden Transport auf der Schiene oder mittels Lkw nicht zu.

Eigens angereiste Siemens-Monteure montieren in zehn Tagen die angelieferten Wagen zu einem fünfteiligen Teilzug zusammen. Je zwei Halbzüge werden dann auf die Breitspur-Fähre MS "Petersburg" gezogen und nach Ust-Luga 120 Kilometer südwestlich von St. Petersburg verbracht, dort zusammengekuppelt und auf eigenen Rädern zum Depot Kolpino gezogen. Hier bereiten Siemens-Monteure dann die Zugübergabe vor.

21 Tage dauert die Überführung der Züge über die rund 2700 Kilometer lange Distanz mit mehreren Kranverladungen. Danach werden die blau-weiß lackierten Schnellzüge mit der roten Aufschrift Sapsan (Wanderfalke) auf den Strecken Moskau-St. Petersburg und Moskau-Nischni Nowgorod Dienst tun.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hier wird ein 280 Tonnen schwerer Zug verladen

(rl)