Krefeld: Zu wenige Plätze für Kurzzeitpflege

Krefeld : Zu wenige Plätze für Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege wird bei Angehörigen von Pflegebedürftigen als Übergangslösung immer beliebter. Doch die begehrten Plätze sind Mangelware. Ein Problem, das sich künftig noch verschärfen wird.

Wer jetzt noch spontan in der Ferienzeit einen Kurzzeitpflegeplatz für Angehörige sucht, hat schlechte Karten. Die meisten Kurzzeitpflegeheime sind in diesen Tagen bereits ausgebucht. In Krefeld stehen insgesamt 134 Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung — in der Hochsaison jedoch zu wenig.

Christian Ramrath vom Anna Deckers Haus erreichen momentan bis zu zehn Anrufe am Tag. "Wir sind aber komplett ausgebucht, wir können gerade nichts anbieten", erklärt der Leiter der Einrichtung. Mit 20 Plätzen stellt das Anna-Deckers-Haus in Krefeld derzeit die meisten Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung. "Der Bedarf steigt jedoch immer mehr. Besonders dringend fehlen Kurzzeitpflegeplätze mit einem geschützten Bereich für demente Patienten", erklärt Ramrath.

Der demografische Wandel bringt auch eine größere Nachfrage an Pflegeplätzen mit sich. Die Kurzzeitpflege scheint da besonders attraktiv zu sein. "Die Angehörigen können entspannt in Urlaub fahren, die zu Pflegenden sind beruhigt, dass sie danach wieder nach Hause können und haben selber mal Urlaub von den eigenen vier Wänden", sagt Ramrath. "Aber wir können gerade in der Stadt nicht den Bedarf decken. Die Plätze sind zur Ferienzeit nicht ausreichend", erklärt Wolfram Gottschalk und ergänzt: "Wir rechnen daher auch in diesem Jahr mit einer deutlichen Steigerung der Pflegetage von Krefelder Pflegebedürftigen." Doch der Leiter des Fachbereichs Soziales, Senioren und Wohnen sieht auch für die Zukunft keine Entspannung der Lage: "Das Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen wird sicherlich auch in Zukunft eine steigende Nachfrage erfahren."

Bei der Kurzzeitpflege unterscheidet man zwischen solitären und in Pflegeheime "eingestreuten" Plätzen. Diese eingestreuten Pflegeplätze werden meist eingesetzt, um Senioren aufzunehmen, die auf einen Heimpflegeplatz in der Dauerpflege warten. "Inzwischen ist es aber auch häufig so, dass Patienten immer früher aus dem Krankenhaus entlassen werden und dann übergangsweise in die Kurzzeitpflege kommen", erklärt Veronika Aymanns, Einrichtungsleiterin bei den Krefelder Caritasheimen. Angehörige seien dann oft nicht auf die neue Lebenssituation vorbereitet und damit überfordert. "Der Schritt zum stationären Aufenthalt im Pflegeheim ist groß — die Kurzzeitpflege da eine gute Möglichkeit zur Überbrückung", sagt Aymanns. Der Bedarf an Plätzen in der Kurzzeitpflege ist in den vergangenen Jahren daher immer mehr gestiegen.

Die zwölf Plätze der Caritas seien schon vor einem halben Jahr für die Ferienzeit ausgebucht gewesen. Dennoch lohne es sich, immer wieder nachzufragen. "Wir vermitteln sonst in eine stationäre Einrichtung für die Zeit. Kurzzeitpflege funktioniert ähnlich wie im Hotel, wir haben da ein schnelllebiges Prozedere", erklärt die Einrichtungsleiterin. Auch Franz-Josef Susen, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Krefeld, rät Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen, sich frühzeitig, also bis zu sechs Monaten vorher, um einen Platz in der Kurzzeitpflege zu kümmern: "Denn der Urlaub wird ja auch früh gebucht. Das Hotel kann in der Hochsaison kurzfristig ebenfalls kein Zimmer mehr anbieten."

(RP)