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Brand Zoo Krefeld: Meyer rechnet mit Entgleisungen im Internet ab

Neujahrsempfang in Krefeld : Meyer rechnet mit Entgleisungen im Internet zum Affenhaus-Brand ab

Beim Neujahrsempfang hat sich Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer entsetzt über manche Kommentare im Netz gezeigt.

Oberbürgermeister Frank Meyer hat sich beim Neujahrsempfang entsetzt und schockiert gezeigt über Entgleisungen in den sozialen Netzwerken in manchen Kommentaren zur Brandkatastrophe im Zoo. Zugleich legte er ein klares Bekenntnis zum  Wiederaufbau des Affenhauses ab. Die sozialen Netzwerke, beklagte Meyer, seien ihm einmal mehr wie ein rechtsfreier Raum vorgekommen, „in dem Beleidigungen, Aufrufe zu Hass und Gewalt und jegliche Form von Diskriminierung offensichtlich geduldet werden“. Er forderte Konsequenzen vom Gesetzgeber: Die Regulierung solcher Entgleisungen dürften nicht den Internetkonzernen überlassen werden, sagte Meyer vor rund 400 Gästen im Stadtwaldhaus.

Der SPD-Politiker berichtete von seinen Leseerfahrungen und sprach von der „hässlichen Seite“ des Internets: Sie sei „gehässig, taktlos, gefühlskalt und grausam“. Beim Lesen der Kommentarspalten habe er teils das Gefühl gehabt, in Abgründe zu blicken – „da gab es geschmacklose Witze, Besserwisserei ohne Kenntnis von Fakten, wüste Beschimpfungen gegen Einsatzkräfte und Tierpfleger, falsche Spendensammler, ungeprüfte Behauptungen über den vermeintlichen Verlauf des Unglücks, ja sogar die Androhung von Lynchjustiz gegen die Verdächtigen, die sich selbst bei der Polizei gestellt hatten.“

Ohne sie direkt zu nennen, verteidigte Meyer die Sinnhaftigkeit von Zoos gegen Tierschützer, die Zoos generell ablehnen und etwa ein Menschenaffenhaus als „Gefängnis“ bezeichnen. „Wir reden“ betonte Meyer, „von Tierarten, die in freier Wildbahn massiv bedroht sind und die nur eine Zukunft haben, wenn Einrichtungen wie der Krefelder Zoo ihre wertvolle Arbeit fortsetzen – und genau das werden wir tun.“ Er plädierte dafür, bei aller Trauer nach vorn zu blicken: „Wir möchten  am Ende gestärkt aus der Katastrophe hervorgehen.“

Meyer bekräftigte sein Mitgefühl mit den Zoomitarbeitern, die den umgekommenen Tieren am nächsten gestanden hätten und dankte allen Helfern und Rettungskräften sowie den zahllosen Spendern, die die den Zoo in einer Welle des Mitgefühle unterstützen. Er würdigte auch den Mut der drei Frauen, die mutmaßlich den Brand verursacht haben, sich zu melden: „Was ich nicht selbstverständlich finde: Sogar die Verdächtigen, die die Katastrophe offenbar arglos ausgelöst haben, bekamen Worte des Trostes – selbst die Mitarbeiter des Zoos nehmen Anteil an der Tragödie dieser Frauen, die sie wohl ein Leben lang mit sich herumtragen werden.“

Das Motto des Empfangs war der Begriff „Respekt“ – in Anspielung auf die gleichnamige Kampagne in Krefeld, in der zahlreiche Menschen für respektvollen Umgang in der Stadtgesellschaft plädiert haben. Frank Meyer wünschte sich, dass in Krefeld solcher Respekt selbstverständlich ist.