Brand im Zoo Krefeld: Polizist musste Gorilla mit Maschinenpistole erschießen

Regierungsbericht zum Feuer im Krefelder Zoo : Polizist musste verletzten Gorilla mit Maschinenpistole erschießen

Eine schwierige Aufgabe für einen Krefelder Beamten: Am Morgen nach dem Feuer im Affenhaus musste ein Polizist einen Gorilla töten. Drei Tiere hatte die Flammen mit schweren Verletzungen überlebt, die zwei anderen wurden eingeschläfert.

Nach dem Brand im Krefelder Zoo in der Nacht zu Neujahr ist es zu bisher unbekannten, dramatischen Szenen gekommen: Ein schwer verletzter Gorilla musste am Morgen von einem Polizeibeamten durch mehrere Schüsse aus einer Maschinenpistole getötet werden, da die Tierärztin es nicht schaffte, das Tier einzuschläfern. Dies geht aus einem Bericht des Innenministeriums an den nordrhein-westfälischen Landtag hervor. Bei dem Gorilla entfaltete das Narkotikum wegen der schweren Brandverletzungen mit großflächigen Hautschäden nicht seine volle Wirkung.

Laut Innenministerium hatten sich bereits während des Brandes Polizisten mit Maschinenpistolen rund um das Affenhaus postiert, um notfalls verletzte oder panische Tiere zum Schutz der Einsatzkräfte zu stoppen. Dazu kam es nicht. Die Retter gingen laut dem Bericht davon aus, dass alle Tiere tot sind. Gegen 8 Uhr morgens wurden dann drei schwer verletzte Tiere gefunden, von denen die Tierärztin zwei einschläferte. Die Affen zeigten nur noch schwache Lebensanzeichen ohne Überlebenschance. Den Gorilla tötete der Beamte nach Freigabe durch den Polizeiführer. Am Mittwoch weist die Polizei in einer Stellungnahme darauf hin, dass „unsere Kollegen zur Tötung des Tieres durch Kugelschuss nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet“ gewesen sind. Andernfalls hätten sie sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar machen können.

Mit dem 34-jährigen Schützen seien in den folgenden Tagen aus Fürsorge mehrere „intensive Gespräche“ geführt worden, heißt es in dem Bericht an den Landtag. „Der Bericht des Innenministeriums lässt nur erahnen, wie belastend der Einsatz für die Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sowie die Mitarbeiter des Zoos gewesen sein muss“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Verena Schäffer.

Tatsächlich sei die „emotionale Belastung bei allen Einsatzkräften sowie beim Personal des Zoos immens“ gewesen, heißt es in dem Bericht. „Während und nach dem Einsatz wurde den Einsatzkräften und den Mitarbeitern eine psychologische Unterstützung angeboten.“

Das Innenministerium führt in dem Bericht auch den aktuellen Ermittlungsstand aus. Demnach hatten bereits um 2.20 Uhr - keine zwei Stunden nach der Alarmierung der Feuerwehr - erste Zeugen Hinweise auf Himmelslaternen gegeben. Am nächsten Tag meldeten sich drei Frauen, die nach Mitternacht fünf der Leuchten hatten steigen lassen. Zwei seien in einem Baum hängen geblieben, drei weiter geflogen. Laut Innenministerium landete eine auf dem Dach des Affenhauses - wo sie laut Bericht „mit unbekanntem, entflammbarem Material in Kontakt gekommen ist. Im weiteren Verlauf kam es zur Flammenbildung und danach zum Vollbrand des Gebäudes.“

Die Grünen-Politikerin Schäffer sagte der dpa: „Die Landesregierung muss dieses schreckliche Ereignis zum Anlass nehmen, für stärkere Brandschutzbestimmungen in den Zoos zu sorgen. Dazu gehören zum Beispiel die Verpflichtung zur Installation von Brandmelde- und Sprinkleranlagen im gesamten Gebäudebestand.“

Bei dem Brand im Affenhaus waren mehr als 30 Tiere ums Leben gekommen. Zwei Schimpansen überlebten verletzt. Sie sind laut einer Mitteilung des Zoos von Anfang Januar auf dem Weg der Besserung.

Himmelslaternen sind in Deutschland verboten. Gegen die mutmaßlichen Verursacher des Feuers ermittelt die Staatsanwaltschaft. In der Zukunft soll im Krefelder Zoo möglicherweise ein Gedenkort an das Feuer erinnern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Tiere starben beim Brand im Krefelder Zoo

(juju/siev/dpa)