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Zoo Krefeld: Großbrand im Affenhaus - Chronik einer Neujahrstragödie

Großbrand im Krefelder Zoo : Chronik einer Neujahrstragödie

Das Feuer im Affentropenhaus hat sich rasend schnell ausgebreitet. Für Einsatzleiter Kai Günther stand schnell fest: „Das überlebt kein Tier“. Dass zwei Schimpansen mit Brandverletzungen überlebt haben, grenzt an ein Wunder. Vermutlich haben Himmelsleuchten die Katastrophe ausgelöst. Protokoll einer Nacht.

Der Alarm kam um 0.38 Uhr. Anwohner hatten Feuerschein über dem Zoo gesehen. Die Feuerwehr rückte gleich mit Großaufgebot aus. Auch die Polizei fährt groß auf: 17 Wagen sind vor Ort. „Das ist auch eine Leistung an so einem Abend“, sagt Einsatzleiter Kai Günther. Nur wenige Minuten vergehen, bis er am Einsatzort ist. „Da haben wir bereits einen Vollbrand vorgefunden“. Sofort war klar, das Feuer breitete sich so rasend schnell aus, dass das Gebäude nicht zu retten war. Jetzt ging es um die Tiere. „In dem Gebäude würde keine Maus überleben. Wir mussten die Tiere in den benachbarten Gebäuden sichern“, berichtet er. Die Feuerwehrleute und Polizisten haben die Gehege der benachbarten Gorillas und der Kängurus abgeriegelt. Schnell sei das Feuer unter Kontrolle gewesen. Bei Nachlöscharbeiten dann hätten sie Geräusche gehört und zwei verletzte Schimpansen entdeckt. Das besondere Glück der Tiere. „Das Gebäude war stark einsturzgefährdet, aber in diesem Teil gab es Versorgungsgänge mit Decken aus Beton. Die haben gehalten.“

„Wir müssen jetzt die Ursachen möglichst schnell aufklären“, sagt Gerd Hoppmann von der Krefelder Kriminalpolizei. Der schnelle Verdacht, dass Himmelslaternen, deren Verkauf hierzulande verboten ist, auf dem Dach gelandet sind und den Brand ausgelöst haben, hat sich schnell erhärtet. „Sie müssen aus Richtung Berliner Straße aufgestiegen sein“, sagt er. Die Spuren, wie handschriftliche Wünsche, werden zurzeit ausgewertet. Inzwischen haben sich mehrere Zeugen bei der Polizei gemeldet. Auch einige Personen, die „als Verdächtige in Frage kommen“, so die Polizei, hätten sich gestellt. Ihre Aussagen wurden aufgenommen und werden übeprüft. Zu den Verdächtigen und über die Untersuchung des Brandortes mit einem Sachverständigen soll es heute Ergebnisse geben. Ermittelt wird, ob es sich um fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung handelt. „Wir gehen derzeit von fahrlässiger Brandstiftung aus“, sagt Hoppmann und betont, dass Ermittlungen  auch bei starkem Verdacht, zunächst immer neutral laufen.

Den Schaden zu beziffern, wird keine einfache Rechnung werden. „Das Affentropenhaus wird man nicht mehr für zwei Millionen D-Mark bekommen können“,erklärt Zoodirektor Wolfgang Dreßen. Er rechnet mit einer hohen zweistelligen Millionen-Summe. Trotz Brandschutzversicherung sei das ein extrem schwieriges Projekt: „Ich werde alles daran setzen, wieder ein Haus zu bauen.“

Das abgebrannte Gebäude war 1975 entstanden und verfügte deshalb schon aus technischen Gründen über keine Brandmeldeanlage. „Die hätte bei dieser extreme Brandentwicklung auch nichts genutzt“, betont Kai Günther. Ein neues Gebäude werde über solche Sicherheitsvorkehrungen sicher verfügen.

Es ist nicht nur der finanzielle Schaden: „In den 80er und 90er Jahren hat Krefeld weltweit mit der Haltung von drei Menschenaffenarten, den Orang Utahs, den Schimpansen und den Gorillas, Bekanntheit gehabt. Das war sensationell“, erzählt der Zoodirektor. Viele Zoos in Europa und auch in Übersee hätten sich am Beispiel Krefelds orientiert. „Es ist ein enormer Verlust für das Zooprogramm.“ Die Erfahrung und Kompetenz bei der Zucht und Haltung von Menschenaffen will er  auch künftig einsetzen: „Der Schwerpunkt muss hier bleiben.“

Mit dem Brand sind auch die großen Zoopläne für den Schimpansengarten geplatzt. Auf einem 1300 Quadratmeter großen Gelände sollten Bally, Limbo und der in den Flammen umgekommene Charly ab 2022 mit neuen Artgenossen die Kerngruppe für eine weitere Zucht der als höchst gefährdet eingeschätzten westafrikanischen Schimpansenart Pan troglodytes verus bilden. „Es war ein Großprojekt: Im November stand der Bauantrag, die Pläne waren fertig. Die können wir jetzt in die Tonne treten“, sagt Dreßen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Brand zerstört Affenhaus im Krefelder Zoo