Krefeld: Zoo eröffnet erste eigene Tierarztpraxis

Krefeld: Zoo eröffnet erste eigene Tierarztpraxis

Direktor Wolfgang Dreßen sprach gestern vom Beginn einer neuen Ära in der Tiermedizin für den Krefelder Zoo. Die Zoofreunde starteten unterdessen eine neue Spendenaktion, um ein mobiles Röntgengerät finanzieren zu helfen.

Große und gefährliche Tiere wie Nashörner und Tiger werden im Krefelder Zoo auch in Zukunft in den Ställen behandelt. Für die große Mehrheit der 1000 Tiere stehen seit gestern offiziell ein tierärztlicher Behandlungsraum und ein Labor in den neuen Räumen des alten Wirtschaftshofs zur Verfügung. Dank zahlreicher Spenden und großen Engagements der Handwerker dauerte die Verwirklichung des Vorhabens von der Idee bis zur Eröffnung nur rund 18 Monate.

Erster Patient auf dem höhenverstellbaren modernen Behandlungstisch war ein Guereza - ein Mantel-affe - der kastriert wurde. Von der Größe und Stabilität her könnte Tierärztin Dr. Stefanie Markowski auf dem 3000 Euro teuren Tisch auch Gorillas operieren. Zu der kleinen Feierstunde gestern waren auch die Kollegen aus den Zoos in Gelsenkirchen, Dortmund, Duisburg und Münster erschienen. "Wir sind eine harmonische Gruppe, die sich bei größeren Eingriffen gegenseitig hilft", berichtet die Zoo-Tierärztin, die seit rund zwei Jahren in Krefeld arbeitet. Einer operiert, einer kümmert sich um die Narkose, ein anderer assistiert.

Das 4000 Euro teure Inhalationsnarkosegerät ist aus Kanada importiert. Es stammt von einem Hersteller, der sich auf Geräte für Tiernarkose spezialisiert hat. Es muss ganz genau zu dosieren sein und sowohl einen 50 Gramm schweren Vogel behutsam ins Land der Träume als auch einen mehrere Zentner schweren Vierbeiner in Tiefschlaf versetzen. Dazu gibt es unter anderem verschieden große Masken - quasi Adapter für die unterschiedlichen Maul- und Schnabelformen in der Tierwelt.

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Grundsätzlich möglich wurde die Einrichtung der Behandlungsräume durch den Umzug der Futtermeisterei in den Neubau an der Violstraße. Die leer stehenden Räume wurden renoviert und für die neue Nutzung hergerichtet. Die medizinische Ausrüstung wurde durch Spenden von Privatleuten finanziert. Die Zoofreunde hatten dazu speziell einen Aufruf gestartet. Und die nächste Aktion läuft bereits wieder: Für ein mobiles, digitales Röntgengerät hofft Zoofreunde-Vorsitzender Friedrich R. Berlemann rund 20 000 Euro zusammenzubekommen.

Stefanie Markowski freut sich und sagt: "Wir können jetzt unter besseren hygienischen Bedingungen mit moderner tiermedizinischer Technik eine noch bessere Versorgung unserer Tiere vor Ort gewährleisten." Über alle Behandlungen und Medikamentenabgaben wird Buch geführt. Behandlungsbögen und eine Kartei geben Auskunft über den Verlauf von Narkosen und die Reaktionen auf eingesetzte Pharmazeutika. Neben dem Behandlungsraum gehört zur Veterinärstation auch ein Labor, in dem unter anderem Kotanalysen vorgenommen werden können, und eine Apotheke. Ein Briefkasten, der von innen und außen bedient werden kann, ermöglicht es den Pflegern, aus den Revieren Proben abzugeben, ohne die Station betreten zu müssen. Immer wieder werden neben den Vertragstierärzten Liselotte und Karl-Heinz Schulte auch externe Fachkollegen aus den anderen Zoos sowie Humanmediziner hinzugezogen. In der Vergangenheit waren es ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt zum Check-up einer Schimpansin mit Atemwegsproblemen und zwei Gynäkologen zur Behandlung des Gorillaweibchens Oya.

Stefanie Markowski betont: "Alle unsere Tiere sind Privatpatienten. Sie bekommen zu jeder Zeit die notwendige und beste Versorgung, derer es bedarf, um die Gesundheit wieder herzustellen." Direktor Wolfgang Dreßen sprach gestern vom Beginn einer neuen Ära in der Tiermedizin für den Krefelder Zoo.

(RP)
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