Krefeld: Zeitarbeit boomt

Krefeld: Zeitarbeit boomt

Die Nachfrage in der Branche der Arbeitnehmerüberlassung ist rasant gestiegen. Die Unternehmen melden Zuwächse bis 40 Prozent. Besonders Facharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie werden dringend gesucht.

Die Zahlen klingen traumhaft: Während im ersten Halbjahr bei der Krefelder Agentur für Arbeit noch rund 900 Stellenmeldungen aus der Zeitarbeit kamen, ist die Anzahl der Stellenangebote in der zweiten Jahreshälfte auf stolze 2400 geklettert. Derzeit hat die Agentur 1875 Stellen im Bestand, davon 585 aus der Zeitarbeitsbranche, die als Indikator für die Konjunktur gilt. Der Aufschwung, so scheint es, ist in Krefeld angekommen.

30 Prozent werden übernommen

„IT-Fachkräfte, Ingenieure, Schweißer, Schlosser und Dreher werden gesucht“, meldet Petra Timm vom Zeitarbeitsunternehmen Randstad. „Die gemeldeten Stellen bekommen wir fast gar nicht mehr besetzt.“

Auf eine hohe Nachfrage von Unternehmensseite ist auch Klaudia Güsten gestoßen. Für das Unternehmen Manpower baute sie gerade die Krefelder Niederlassung auf, die heute eröffnet wird. „Man kann jetzt schon absehen, dass es boomen wird“, freut sich die Niederlassungsleiterin. Die größte Nachfrage kommt aus dem Handwerk. Hier zeichne sich ab, dass es bald schwierig werde, die passenden Kräfte zu finden.

  • Mit Zeitarbeit Karriere machen

„Die Nachfrage ist wieder da. Das ist es, was wir uns alle gewünscht haben“, freut sich Anja Knoblich, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit. „Gerade für junge Menschen ist das eine Chance, erste Erfahrungen zu sammeln und sich weiter zu qualifizieren“, sagt sie. Aber auch bei der Planung der Qualifizierungsmaßnahmen hilft der Boom der Arbeitnehmerüberlassung. „Ein Früherkennungsmechanismus, der uns zeigt, in welchen Bereichen es einen erhöhten Bedarf gibt“, nennt Knoblich das. Zudem sei die Zeitarbeit für viele der Einstieg in einen festen Job.

Ein Aspekt, den DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke kritisch sieht. „Einerseits kann es eine Chance sein, einen festen Arbeitsplatz zu bekommen“, gibt er den Befürwortern Recht. „Andererseits sind die Zahlen längst nicht so gut, wie immer behauptet wird. Maximal 30 Prozent der Zeitarbeitnehmer werden vom Unternehmen übernommen.“ Das bestätigt auch Petra Timm. Rund ein Drittel ihrer Mitarbeiter bekommen eine Vertrag beim ausleihenden Unternehmen. „Je höher die Qualifikation, umso höher die Chance“, ist ihre Erfahrung.

Nachfrage stieg um 40 Prozent

Die Zahlen des Krefelder Unternehmens Top Job bestätigen das. Zwar sei die Nachfrage in den ersten beiden Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent angestiegen, berichtet Inhaberin Sonja Hahl. Die Übernahmequote betrage aber nur fünf Prozent. Top Jobs Kerngeschäft ist die Vermittlung von Hilfskräften für Produktionsbetriebe in der Lebenmittelbranche. „Die haben alle keine Ausbildung.“

(RP)
Mehr von RP ONLINE