1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Zehn Millionen Euro für St. Josefshospital

Krefeld : Zehn Millionen Euro für St. Josefshospital

Das Hospital soll an der Rückseite einen zweiten Eingang bekommen; bald wird es nur noch Ein- bis Zwei-Bett-Zimmer geben – und strategisch setzen die Maltester auf ihren Klinikverbund und eine 900 Jahre alte Tradition der Pflege.

Das Hospital soll an der Rückseite einen zweiten Eingang bekommen; bald wird es nur noch Ein- bis Zwei-Bett-Zimmer geben — und strategisch setzen die Maltester auf ihren Klinikverbund und eine 900 Jahre alte Tradition der Pflege.

Die Malteser werden als neuer Träger des St. Josefshospitals in den kommenden drei bis vier Jahren deutlich mehr als zehn Millionen Euro in das Uerdinger Krankenhaus investieren. Die Investition ist Teil eines Gesamtpakets: Die "Malteser Rhein-Ruhr gGmbH", die St. Josef im April übernommen hat, wird demnach ihre Kliniken in Homberg, Huckingen und Uerdingen mit mehr als 30 Millionen Euro als Klinikverbund für die Zukunft aufstellen. "Das Uerdinger Haus ist in das Gesamtbild zu integrieren", umschreibt Christian Utler, Geschäftsführer der Malteser Rhein-Ruhr gGmbH, die Strategie — so, im Verbund, wollen sich die Malteser im umkämpften Krankenhausmarkt behaupten. Ein Neubau wird nicht notwendig sein — Utler: "Es ist genügend Fläche vorhanden."

Speziell in Uerdingen werden vier Dinge angepackt: Zum einen wird der Eingangsbereich geändert. Die Halle wird offener, die Decke höher, das ganze Entrée lichter. Kantine und Café rücken nach vorn in Richtung Eingang. Zum anderen soll der Bereich hinter der Klinik deutlich aufgewertet werden: Dort soll mehr Parkraum eingerichtet und ein zweiter Eingang angelegt werden. "Dieser neue Eingang wird eine Magistrale mit dem Vordereingang bilden", so Utler, "durch diese einheitliche Linie im Gebäude wird die Orientierung für Patienten und Besucher leichter."

Dritter, für die Klinikstruktur entscheidender Punkt: Der Ostflügel (das Gebäude, das sich rechts vom Hintereingang erhebt) soll wiederbelebt und ertüchtigt werden. Zurzeit stehen zwei von drei Stockwerken leer. "Dort sollen OP- und Ambulanz-Räume eingerichtet werden", sagt Utler. Dieser Teil des Plans ist eminent wichtig für die Philosophie moderner Krankenhausorganisation: "Das Gebäude ist funktional das Kerngebäude der Klinik, um das herum sich alle Abläufe zentrieren. Mit dieser konzentrischen Anordnung spart man viele Wege, sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Patienten."

Vierter Punkt: Alle Krankenzimmer werden aufwendig saniert, die Zimmerstandards deutlich verbessert. "In vier Jahren werden wir nur noch Ein- und Zweit-Bett-Zimmer haben", kündigt Utler an.

Strategisch setzen die Malteser nicht auf Masse: "Die Zahl der Betten wird eher sinken", sagt Utler. Zurzeit verfügt St. Josef über 280 Betten mit 10 500 stationären Patienten pro Jahr. "In 80 Prozent der Fälle geht es auch in Zukunft um lokale Versorgung der Menschen hier", sagt Utler. Die Malteser wollen nicht wahllos mehr Patienten gewinnen, sondern solche Patienten, die zum Malteser-Angebot passen, sprich: deren Versorgung auf hohem Niveau und effizient möglich ist. "Wir wollen keinen bunten Bauchladen medizinischer Angebote. Es geht darum, unsere Stärken zu stärken. Es geht nicht um mehr Betten, sondern darum, dass die vorhandenen Kapazitäten gut funktionieren", sagt Utler. Ein Beispiel sei der gesamte Hals-Nasen-Ohren-Komplex. Huckingen sei auf den HNO-Bereich spezialisiert; Uerdingen und Homburg hätten Spezialisten in der Kiefer- und Gesichtschirurgie. "Die drei arbeiten eng zusammen." So könne man medizinische Exzellenz, umfassende Behandlung und Wirtschaftlichkeit verbinden — "es gibt in NRW niemanden im Kopf-Hals-Bereich, der größer ist", sagt Utler und betont die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit: "Nur wenn ein Bereich ökonomisch funktioniert, dann funktioniert er auch für den Patienten."

Als zukunftsträchtige Stärke der Malteser sieht Utler auch das Komplettangebot für ältere Menschen — neben Krankenhäusern unterhalten die Malteser Altenhilfe-Einrichtungen, Hospize und viele ambulante Pflegeangebote. "Zu unserem Profil gehört auch, dass wir sehr stark nach christlichen Grundwerten arbeiten. Da stehen letztlich 900 Jahre Tradition dahinter."

Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der zum 31. März 2012 geschlossenen Uerdinger Geburtsklinik hat Christian Utler aber nur wenig: "So sehr mein Herz dafür schlägt: Ich glaube, dass künftig nur noch Geburtskliniken mit mindestens 10000 Geburten pro Jahr und angeschlossener Kinderklinik bestehen werden." Das sei aus medizinischer Sicht auch nachvollziehbar, um die Bestversorgung für Mutter und Kind im Krisenfall zu gewährleisten.

(RP)