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Wohnungslose in Krefeld leiden unter Corona-Krise

Diakonie verstärkt Hilfen : Wohnungslose in Krefeld leiden unter Corona-Krise

Mehr Passanten machen in der Krefelder Innenstadt einen weiten Bogen um die Nichtsesshaften und schrecken vor deren Bettelei zurück. Haus und Grund beklagt die Zustände vor ihrer Geschäftsstelle.

Während der Corona-Zeit mit strengen Kontaktverboten fiel Passanten die Anwesenheit von Wohnungslosen und Personen der Suchtszene in der Innenstadt besonders auf. Der Treffpunkt Theaterplatz wurde und wird von Polizei und Ordnungsdienst streng kontrolliert. Das führt zu Verdrängung und zu neuen Problemen. Ludger Firneburg und Karsten Ludwig von der Diakonie haben dabei besonders die Klientel der Wohnungslosen im Fokus. Als größter Träger der Wohnungslosenhilfe in der Stadt und Betreiber der Notschlafstelle an der Lutherstraße sowie der Bahnhofsmission können sie die aktuelle Lage der Bedürftigen am besten einschätzen. „Die Menschen machen im Moment um die Wohnungslosen einen besonders großen Bogen“, sagte Ludwig. Darüber hinaus sei ihr wichtiges Netzwerk massiv gestört. Wegen der Kontaktsperre dürfen sie sich nicht in Gruppen aufhalten. Und auch ihre Einnahmen aus Bettelei seien stark gesunken, berichtete Ludwig von seinen Eindrücken. Bei einer Ansprache „schrecken die Leute zurück“, sagte er.

Um den Wohnungslosen in der aktuellen Ausnahmesituation besser helfen zu können, hat die Diakonie aus zwei Töpfen Geld für Projekte bekommen: 50.000 Euro von der Aktion Mensch und 8500 Euro vom Land. „Wir sind keine Vollversorger“, sagte Diakonie-Geschäftsführer Firneburg. „Sie sollen mit unserer Hilfe lernen, sich selbst zu organisieren“, sagte er. Während der Corona-Pandemie gelten jedoch andere Maßstäbe. So sorgt die Diakonie auch für Essen für mehr als 100 Personen täglich. Sie bekommen ihre Mahlzeiten an der Lutherstraße, am Medimobil und bei der Emmaus-Gemeinschaft an der Tannenstraße. Ferner gibt es 800 Gutscheine für Wohnungslose, die sie für ein Essen und ein Getränk in bestimmten Grillstuben einlösen können. Zusätzlich werden Masken und Schutzausrüstung, Kleidung, Socken, Unterwäsche und T-Shirts ausgegeben. „Die Zahl 300 halte ich für zu hoch gegriffen“, betonte Firneburg im Hinblick auf die Größe der Gruppe Wohnungsloser in Krefeld. Im Moment suchten 50 Männer und Frauen regelmäßig die Notschlafstellen auf. Andere machten „Platte“, das heißt, sie übernachten im Freien.

Einen anderen Schwerpunkt legte Michael Heß. Der Rechtsanwalt und Geschäftsführer von Haus und Grund wies Oberbürgermeister Frank Meyer am Freitag in einem Offenen Brief auf von ihm beobachtete Missstände hin. Die ständige Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) auf dem Theaterplatz habe dazu geführt, dass die dortige Szene sich in den Bereich rund um das „Hamburg-Mannheimer-Haus“ an der Ecke Ostwall und St.-Anton-Straße verlagert habe.

Die derzeitigen Zustände dort seien schlicht katastrophal. So könnten seine Mitarbeiter und er selbst aus den Büros heraus bei geöffnetem Fenster im Minutentakt hören wie Straftaten verabredet und ausgeübt würden, schreibt Heß. Dies betreffe insbesondere den Kauf, den Verkauf und den Konsum von Drogen. Es hielten sich dauerhaft mindestens 15, teilweise bis zu 50 Personen auf wenigen Quadratmetern Fläche vor der Geschäftsstelle von Haus und Grund sowie im Eingang des Kommunalbetriebs Krefeld auf.

Beim Betreten und beim Verlassen der Geschäftsstelle stiegen Mitarbeiter und sowie Mitglieder und Kunden sprichwörtlich über Personen, die gerade dabei seien, sich Drogen zu injizieren oder mittels einer Pfeife zu sich zu nehmen. Oder sie lägen in nicht ansprechbarem Zustand im Eingangsbereich, schilderte Heß. Von der Vermüllung und dem Verdrecken des Bereiches ganz zu schweigen, ergänzte er.

Der KOD und die Polizei seien  durchaus an und an vor Ort und vertrieben die Szene immer mal wieder. Allerdings halte dieser Zustand dann lediglich stets wenige Minuten an. Kurz nachdem KOD  oder Polizei den Bereich verlassen hätten sei die Szene wieder vollständig vor der Haus-und-grund-Geschäftsstelle versammelt. „Uns stellt sich nun die Frage warum die auf dem Theaterplatz offenbar mögliche Konsequenz in dem vorbezeichneten Bereich nicht ebenso angewandt wird“, fragte Heß.

„Ohne zu übertreiben könnten meine Mitarbeiter und ich im Abstand von zehn Minuten Strafanzeigen wegen verschiedener Delikte stellen, die wir unmittelbar mitbekommen. Auch hier ganz abgesehen von den Verstößen der Szene gegen die Hygiene- und Abstandsvorschriften der Landesregierung“, erklärte der Rechtsanwalt.