Wohnstätte AG aus Krefeld will ab 2021 Dividende senken

Immobilienwirtschaft : Wohnstätte will ab 2021 Dividende senken

Die Aktivitäten der Wohnstätte AG finden auch überörtlich in der Immobilienbranche Beachtung. Nicht ohne Grund. Vorstand Thomas Siegert legte für 2017 einen Geschäftsbericht der Rekorde vor. Die Aktionäre freuen sich. Die Höhe der Ausschüttungen muss jedoch überprüft werden. Ab 2021 soll die Dividende geringer ausfallen.

Für die Wohnstätte AG war 2017 ein Jahr der Rekorde: Die Zahlen aus dem Geschäftsbericht „bringen eindrucksvoll die Ertragsstärke der Gesellschaft zum Ausdruck“, betonte Vorstand Thomas Siegert. Um die mehrheitlich städtische Wohnstätte (70,25 Prozent) auch in Zukunft auf dem erfolgreichen Kurs zu halten wurde ein eigenständiger, neuer Geschäftsbereich „strategische Portfolioentwicklung“ installiert. Dass auch in der Vergangenheit langfristig geplant wurde, unterstreicht das Bauvorhaben Fischeln Süd/West. Die 143.000 Quadratmeter Grundstücksfläche befindet sich schon seit 24 Jahren im Eigentum der Wohnstätte. Dort sollen bis Ende 2020 in drei Abschnitten rund 530 Wohnungen entstehen. Nach den Ferien soll der erste von drei Bebauungsplänen für das Areal offen gelegt werden.

In der Fünf-Jahres-Übersicht weist die Wohnstätte fast nur Superlative aus: Das Anlagevermögen stieg seit 2013 von 234 auf 297 Millionen Euro; das Eigenkapital im selben Zeitraum von 63,9 auf 74,3 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse befinden sich mit 61,9 Millionen Euro auf Rekordniveau (2013: 52,5 Millionen Euro). Der Jahresüberschuss beträgt 7,276 Millionen Euro und liegt fast 50 Prozent höher als im Vergleichsjahr. Als Dividende schüttet die Wohnstätte 78,52 Prozent — 5.726.463 Euro — an die Aktionäre (im Wesentlichen Stadt, Sparkasse Krefeld, Provinzialversicherung) aus. 2,3 Millionen Euro wandern in die Bauerneuerungsrücklage und 1,6 Millionen Euro werden aufs neue Geschäftsjahr übertragen.

Siegert kündigt an, dass die „Ausschüttungspolitik der vergangenen Jahre“ überdacht werden müsse. Soll heißen: Die Wohnstätte wird ihre Dividende zurückfahren wollen. Das sei durch das hohe Investitionsvolumen des Unternehmens begründet. Viel investieren und viel ausschütten vertrage sich nicht, darunter leide die Eigenkapitalquote, sagte der Vorstand am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. 2021 sei das Jahr, für das Änderungen ins Visier genommen würden. Bis dahin gelten Vereinbarungen, um das Haushaltssicherungskonzept der Stadt Krefeld (um die Stadtfinanzen wieder auf solide Füße zu stellen) zu stützen. Dazu zähle auch eine Einmalzahlung in 2020 durch den Verkauf von 925 Wohnstätte-Aktien. Seit 1999 habe die Gesellschaft Aktien aus Streubesitz im Nominalwert von 481.000 Euro zum Preis von 1,3 Millionen Euro aufgekauft. Die sollen nun zum 19,5-fachen des Nominalwerts — sprich knapp 9,4 Millionen Euro — an den Mann gebracht werden. Wahrscheinlich ist, dass der Käufer aus dem Konzern Stadt komme. Das letzte Wort hat der Aufsichtsrat der Wohnstätte.

Das Unternehmen ist Eigentümerin von 7220 frei finanzierten Wohnungen, 1608 öffentlich geförderten Wohnungen, 113 Gewerbeeinheiten und zwei Seniorenheimen. Im vergangenen Jahr fanden 785 Mieterwechsel statt. Das entspricht einer Quote von 8,9 Prozent und ist die niedrigste der zurückliegenden fünf Jahre. Auch der Leerstand bei den 8828 Wohnungen ist mit 4,8 Prozent niedrig wie nie. Das ist weniger als die Hälfte im Vergleich zu 2013. Damals waren es 9,8 Prozent.

Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt im Stadtteil Oppum. Dort wurde auf 30.000 Quadratmetern mit dem Bau der ersten 50 Mietwohnungen in sechs Häusern begonnen. In diesem Sommer erfolgt der zweite Bauabschnitt mit weiteren 57 Wohnungen — davon 43 öffentlich gefördert. Ferner hat die Wohnstätte 45 Baugrundstücke parzelliert und verkauft beziehungsweise fest reserviert