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Die Jahrgangsbesten der Tischler-Innung Krefeld haben große Pläne

Innung in Krefeld spricht 21 Fachkräfte los : Nach abgebrochenem Lehramtsstudium eine Tischlerlehre

Die Tischler-Innung Krefeld sprach 21 neue Fachkräfte los. Die Jahrgangsbesten haben interessante Biografien und große Pläne für ihren Berufsweg.

(RP) Den vielleicht wichtigsten Rat gab Obermeister Dirk Kosanke den 21 neuen Gesellinnen und Gesellen im Krefelder Tischlerhandwerk mit auf den Weg: „Macht euren Job mit Liebe“, sagte Kosanke während der Lossprechungsfeier der Tischler-Innung Krefeld.

Es war ein feierlicher Moment, als der Obermeister den Nachwuchs im Haus Kleinlosen traditionell von den Pflichten der Ausbildung lossprach und im Gesellenstand willkommen hieß. Sorgen um ihre berufliche Zukunft müssen sich die jungen Fachkräfte nicht machen: „Wer einen Job im Tischler-Handwerk sucht, wird fündig. Der Markt ist hungrig“, betonte Dirk Kosanke im Beisein von Marc Peters, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, und der Leiterin der Ausbildungsabteilung, Stefanie van der Wielen.

Besonders geehrt wurden die Jahrgangsbesten. Die beste Gesellenprüfung hatte Jan Hückelhoven abgelegt, der in der Tischlerei Ludwig Klapdor seine Ausbildung absolvierte. Dahinter landeten Calvin Backer (Schreinerei Thomas van der Hoven) auf dem zweiten und Nils Menges (Woodworker GmbH & Co. KG) auf dem dritten Platz.

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Ebenfalls mit Spannung erwartet wurden die Ergebnisse des Wettbewerbs „Die Gute Form“, bei dem eine dreiköpfige Fach-Jury die Gesellenstücke vor allem nach dem Design beurteilte. Fritz Körber, Leiter des Bildungsganges Tischler am Berufskolleg Glockenspitz, stellte die Preisträger vor: Sieger des Wettbewerbs wurde Nils Menges mit seinem Barschrank. Die Jury sah „einen Aha-Effekt beim Öffnen, handwerklich und gestalterisch abwechslungsreich und perfekt“. Auf Rang zwei landete Jan Worringer (Kurt Lohmann GmbH). Platz drei ging an Luke Volkhardt (Tischlerei Joachim Gottschalk). Belobigungen sprach die Jury für Augustin Rütten (Flümann GmbH & Co. KG) und Moritz Benjamin Tim Hase (Tischlerei Gerald Hase-Thies) aus.

Die Zeit vor der Ausbildung und die nächsten Schritte der frischgebackenen Gesellen und Gesellinnen sehen unterschiedlich aus. Jahrgangsbester Jan Hückelhoven (24) hatte vor der Tischler-Ausbildung das Fachabitur mit Schwerpunkt Bau- und Holztechnik gemacht. Dann studierte er in Aachen zwei Semester Holzingenieurwesen, brach aber ab, „weil mir das ein bisschen zu theoretisch war und ich etwas mit meinen Händen machen wollte“. Per Mail schickte er Initiativ-Bewerbungen ab – eine halbe Stunde später meldete sich sein späterer Lehrherr Ludwig Klapdor. Nach drei Wochen Probearbeit fing Hückelhoven bei ihm die Ausbildung an. „Er hat mich jetzt auch übernommen. Ich will etwa zwei Jahre als Geselle Berufserfahrungen sammeln. Danach strebe ich die Meisterschule an. Nach Möglichkeit möchte ich auch noch Praktika bei einem Drechsler und Restaurator machen.“

Der Zweite, Calvin Backer (20), hat schon immer mit Holz gebastelt. Nach einem Praktikum begann er die Tischler-Ausbildung. „Ich habe richtig Glück gehabt, die Schreinerei van der Hoven ist ein kleiner Betrieb mit dem Schwerpunkt Möbel, ich war während der Ausbildung absolut zufrieden.“ Jetzt arbeitet er dort als Geselle weiter, will Erfahrungen sammeln. Und: „Die Meisterschule ist im Hinterkopf“.

Drittbester ist Nils Menges (29). Er hat nach dem Abitur zunächst ein Lehramtsstudium begonnen. „2019 besprach ich mit einem Kumpel, dass das nicht das Richtige für mich ist. Dessen Vater war Tischler und hat einen Betrieb. Ich habe ein Praktikum bei ihm gemacht, dann die Ausbildung begonnen – und definitiv meinen Wunschberuf gefunden.“ Im kommenden Jahr will er zur Meisterschule gehen.

Unter den Absolventen der Sommerprüfung sind auch zwei Gesellinnen. Rilana Nahrstedt (29) hatte nach einem freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) zwei Studiengänge begonnen. „Eigentlich wollte ich schon direkt nach dem Abitur die Tischler-Ausbildung machen – jetzt habe ich sie absolviert. Ich habe Spaß an unserem Handwerk, vor allem am Möbelbau.“ Annika Wilhelmi (22) hat nach dem Abitur gezielt eine Tischler-Ausbildung angestrebt, weil sie etwas Praktisches machen wollte. Sie will ab 2023 an einer Fachhochschule Produktdesign studieren, speziell Möbeldesign. „Wenn es sich ergibt, kann ich auch als Tischler-Gesellin in einem Betrieb aushelfen und so Erfahrungen sammeln“, sagt sie.