Krefeld: Wirte schalten Live-Fußball auf Sky ab

Krefeld : Wirte schalten Live-Fußball auf Sky ab

Der Bezahlsender plant, seine Preise für die Übertragungen in Gaststätten drastisch zu erhöhen. Erste Kneipen reagieren darauf mit Kündigungen. "Die Erhöhung ist existenzgefährdend", sagt Karussell-Betreiber André Schicks.

Krefelder Wirte sind derzeit nicht gerade zu beneiden: Seit Mai ist das Rauchen verboten — mit negativen Auswirkungen auf den Umsatz. Jetzt trifft es die so genannten Sportsbars mit einer Lizenz für Live-Übertragungen von Fußballspielen der Bundesliga oder der Champions League des Fernseh-Bezahlsenders Sky zusätzlich. Sky hat neue Regelungen und Preislisten ab September angekündigt (siehe Kastentext). Die neue Preispolitik trifft umso mehr auf Unverständnis, da die Kneipiers als Gewerbetreibende nunmehr doppelt soviel zahlen sollen wie Sportvereine, die in ihren Vereinsheimen Sky anbieten.

Auch Guiseppe Rizzo vom "Cafe In" an der Marktstraße wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Seine Räumlichkeiten mit 125 Quadratmetern wurden im mittleren Preissegment eingestuft. "Ich sollte statt 520 Euro nun 780 Euro monatlich zuzüglich Mehrwertsteuer bezahlen. Das sind 3120 Euro mehr im Jahr. Das ist gar nicht mehr bezahlbar, denn wir werden quasi doppelt bestraft. Damit mehr Kunden gucken kommen, muss ich mehr Aufwand betreiben und auch mehr an Personal einstellen, damit es sich lohnt", sagt Rizzo.

Als Konsequenz hat er von seinem Recht zur Sonderkündigung Gebrauch gemacht. Und so wird es nach den Renovierungsarbeiten bei der Wiedereröffnung nur Bilder eines Nachrichtensenders auf den Bildschirmen zu sehen geben. "Wenn es etwas im Free TV zu sehen gibt, wird natürlich umgeschaltet", fügt Rizzo hinzu. Allerdings prüft der Italiener gerade auch, ob er über den italienischen Sender Sky Italia Fußballspiele der Bundesliga übertragen kann. "Dann allerdings wohl ohne Ton, denn italienisch verstehen die meisten eh nicht", sagt Rizzo.

Beim Tschako an der Kölner Straße bleiben die Bildschirme künftig aus. Nico Dörnen hält die neue Regelung nicht für tragbar und hat dem Sender gekündigt. "Bis auf die Topspiele hat es bei uns durch Live-Übertragungen kaum einen großen Zulauf gegeben. Manche Fußballfans verfolgen die Spiele zu Hause auf Sky. Ich hätte 960 Euro mehr im Jahr zahlen sollen", sagt Dörnen. Die Kündigung hatte weitere Folgen. Weil die Gaststätte künftig samstagsmittags geschlossen bleibt, ist einer Vollzeitkraft gekündigt worden.

Beim Cafe Journal an der Petersstraße wurden erst in dieser Woche Gespräche mit Sky geführt. Auch hier trifft deren Entscheidung auf großes Unverständnis. "Wir haben bisher ganz hinten einen Raucherraum gehabt, wo unsere Kunden die Fußballspiele gesehen haben. Aus Erfahrung weiß ich, das Bier, Rauchen und Fußball zusammengehören. Da das Rauchen weggefallen ist, wird sich der Sky-Vertrag mit der neuen Regelung wohl auch nicht mehr rechnen", sagt Geschäftsführerin Daniela Habermann.

Anders sieht es dagegen nebenan in der Alt-Berliner Kneipe "Dr. Flotte" aus. "Bei uns wurde der Betrag monatlich von 235 Euro auf 360 Euro erhöht. Das ist natürlich ärgerlich, aber weh tut es nicht. Noch nicht", sagt Inhaber Peter Grunow. Auch bei Sport Italia auf dem Südwall flimmern für 50 Euro monatlich mehr weiterhin Fußball-Bundesliga und Champions-League über die Bildschirme. "Ich weiß nicht, ob die Kunden von mir speziell deswegen kommen, die fühlen sich einfach bei uns wohl", sagt Diego Armando Vetriolo.

Als "existenzgefährdend" sieht es André Schicks von der "Sportsbar Karussell" an der Westparkstraße. "Durch solch überzogene Maßnahmen wird die Zukunft von Sportsbars generell gefährdet", sagt Schicks, der sein Karussell samstags auch in Zukunft wegen der Fußball-Übertragungen um 15 Uhr für die Gäste öffnen will.

(RP)
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