Wirbel um das Stadtwaldhaus in Krefeld

Kolumne KR wie Krefeld : Wirbel um das Stadtwaldhaus

Das Stadtwaldhaus wühlt die Gemüter der Menschen auf: Während der Sanierung droht die Komplettschließung. Politik und Rathaus spüren: Wenn sie dieses Kapitel vergeigen, droht Ärger.

Es ist erstaunlich: Obwohl noch kein Spaten bewegt ist, kocht eine Debatte um die Sanierung des Stadtwaldhauses hoch. Die Perspektive, dass Krefeld eine seiner Oasen zeitweise verliert, wühlt die Gemüter auf. Wie sehr sich die Krefelder Führungsriegen in Rat und Rathaus unter Druck fühlen, zeigte die ungewöhnliche Reaktion von Oberbürgermeister Frank Meyer: Er schrieb einen offenen Brief an die Bürger und wählte damit ein Instrument, das sonst Bürger benutzen, wenn sie nicht mehr weiterwissen.

Diese Gefühlslage ist interessant. Von außen auf Krefeld geblickt, könnte man sagen: Was regen die Leute sich so auf; die Stadt muss halt eine Zeitlang auf einen Biergarten verzichten; na und? Doch so einfach ist es nicht; die vielen wütenden und fassungslosen Beiträge in den sozialen Netzwerken zeigen, dass dieses Projekt viele Gefühle mobilisiert. Vielleicht liegt das auch daran, dass Krefeld wund ist.

Wund: Die „Zeit“ hat am Freitag ein Stück über Krefeld veröffentlicht – Titel: „Zwei Stunden Krefeld“, in dem es um einen Kurzbesuch in der Stadt geht. Härtester Satz (er bezog sich auf den Neumarkt und den Blick in die Hochstraße): „Hier sehen Sie eine der runtergerocktesten Fußgängerzonen der Gegenwart.“

Wäre Krefeld ein Kind und die „Zeit“ ein Mitschüler, würde man sagen: Das ist Mobbing. Das ist gemein. Das ist grotesk überzeichnet. Hier muss der Schulsozialarbeiter ran und einem Rüpel, der hanseatische Arroganz mit der Herzlosigkeit eines reichen Pfeffersacks aus der Speicherstadt verbindet, etwas soziale Kompetenz beibringen. Doch hanseatische Arroganz hin oder her: Ein solcher Satz tut weh. Und Krefeld hört viele solcher Sätze. Vor diesem Hintergrundrauschen tut es eben auch besonders weh, wenn ein Ort brachzuliegen droht, der uneingeschränkt idyllisch und schön ist.

OB Meyer hat das wohl gespürt, als er seinen Brief an uns alle schrieb. Geschickt: Er hat sich zum Verteidiger des Stadtwaldhauses aufgeworfen, als er sich empathisch gegen etwas stellte, das eh keiner plant: den Verkauf des Stadtwaldhauses. Am Rande sei notiert: Das Stadtwaldhaus ist ein Beleg mehr, dass die Stadt ein schlechter Immobilienverwalter ist. Hätte man das Haus längst (mit den nötigen Auflagen) verkauft, wäre es heute womöglich nicht ein einem so schlechten Zustand.

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