Krefeld: Windkraft: Zehn neue Standorte in Krefeld

Krefeld: Windkraft: Zehn neue Standorte in Krefeld

Schon vor fast 600 Jahren haben die Menschen erkannt, das sich der Wind am Standort Geismühle wirtschaftlich nutzen lässt. Um 1450 wurde der Turm dort zu einer Getreidemühle umgebaut und lange Zeit betrieben.

Die Stadtverwaltung schlägt nun in ihrem Entwurf zum Flächennutzungsplan (FNP) vor, die Vorteile der Lage östlich der Autobahn 57 auch zukünftig zu nutzen und dort zwei neue Konzentrationszonen für den Bau moderner Windkraftanlagen auszuweisen. Insgesamt bringen die Experten um Planungsdezernent Martin Linne zehn neue Flächen ins Spiel, auf denen der Bau der bis zu 150 Meter hohen Windräder erlaubt werden sollte.

Neben den beiden Flächen östlich Geismühle sind im FNP vier Gebiete um Hüls-Orbroich, drei zwischen A 57 und Elfrather See und ein Standort am Fischelner Bruch nahe Grundend vorgesehen. Bislang sieht das Planungsrecht für Krefeld ein einziges Areal auf der so genannten Kempener Platte vor. "Wir tun gut daran, solche Konzentrationsflächen auszuweisen", sagte Linne. Ansonsten müsse für jeden Einzelantrag im gesamten Stadtgebiet nach dem Baurecht entschieden werden. "Das führt unter Umständen zu Rechtsansprüchen, denen wir uns selbst aus guten Gründen nicht widersetzen können." Wenn aber eigens Flächen für das Aufstellen von Windrädern ausgewiesen seien, könne damit verlässlich argumentiert werden.

Dass möglicherweise mehr Anträge auf die Stadt zukommen, könnte in der Landespolitik begründet sein. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) kündigte an, dass sich die Stromproduktion aus Windkraft im Land bis 2020 vervierfachen solle. Dies könne durch Aufrüsten alter Anlagen und Errichtung neuer, größerer und leistungsstärkerer Windräder auch in Waldgebieten erreicht werden, berichtete Remmel. Mit Widerständen rechne er nicht. Standorte im Wald sind für Krefeld laut FNP nicht vorgesehen. Die Stadt gilt als waldarm. Nur 9,5 Prozent des Stadtgebiets sind Wald. Der Durchschnittswert für NRW ist 25,7 Prozent.

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Ob die Diskussion in Krefeld letztlich eher eine akademische ist, bleibt abzuwarten: Mit 6,2 Meter pro Sekunde durchschnittlicher Windgeschwindigkeit im vergangenen Jahr gehört Krefeld nach den Standards des International Electrotechnical Commission in die Kategorie Windklasse IV — der schlechtesten bei vier Eingruppierungen. Gleichwohl sind in der Vergangenheit bereits in der Nähe des Umspannwerks Hüls Windräder errichtet worden.

Der Entwurf des FNP wird von Dezember bis Februar offengelegt.

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(RP/rl)
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