Krefeld: Wie Muslime ihre Religion in Krefeld leben

Krefeld: Wie Muslime ihre Religion in Krefeld leben

Wir stellten am Tag der offenen Moschee in sechs Moscheen Verantwortlichen fünf Fragen über Zahlen, Leben und Einstellungen in den muslimischen Gemeinden. Ein Ergebnis: Christen werden dort nicht als "Ungläubige" bezeichnet, sondern als Gläubige.

Der Islam in Krefeld ist vor allem der Islam von Türken. Nach Angaben der "Union der türkischen und islamischen Vereine in Krefeld und Umgebung" leben in der Stadt etwa 25 000 Muslime; 20 000 davon seien türkischstämmig.

Die Ausländerzahlen aus der Stadt bestätigen diesen Proporz: Demnach sind von den 235 000 Einwohnern Krefelds 32 000 Ausländer; rund 11 000 davon sind Muslime — und die größte Gruppe davon sind Türken mit 9383 Menschen (Stand 2008).

Wie leben Muslime ihre Religion?

"Die Türken in Krefeld sind sehr gut organisiert", sagt Christoph Bönders, Grünen-Ratsherr und Vorsitzender des Integrationsausschusses im Rat. Die Stadt Krefeld listet allein 33 türkische Vereine auf — vom türkischen "Akademikerverband" über die "Islamische Denkfabrik" bis zum "Türkischen Mütterverein" oder dem "Türkischen Funkverein".

Die türkischen Gemeinden sind in Moscheevereinen organisiert, die sich nach Auskunft von Sprechern der Gemeinden aus Mitgliederbeiträgen finanzieren.

Für die Männer seien die Freitagsgebete Pflicht, sagt Ayse Sari, Pressesprecherin der "Union der türkischen und islamischen Vereine". Für Frauen gebe es keine Freitagspflicht; auch Frauen beteten aber natürlich in der Moschee. Die Moschee sei nicht nur Ort für religiöse Rituale und Gebete, sondern auch gesellschaftlicher Treffpunkt, wo man Bekannten begegne und soziale Dienste für den Moscheeverein übernehme. Nach Einschätzung von Frau Sari ist der Zuspruch der Gläubigen zur Moschee und zum Leben dort "stabil".

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Wie gläubig Muslime sind, ist für Krefeld nicht untersucht. Hinweise auf religiöse Einstellungen gibt aber eine Studie des Bundesinnenministeriums unter der Überschrift "Muslimisches Leben in Deutschland" (2009). Die Ergebnisse beruhen auf der Befragung von 6000 Personen aus 49 muslimisch geprägten Ländern und sind auch nach Ländern aufgeschlüsselt.

Demnach schätzen sich 41,4 Prozent der türkischen Muslime als "sehr stark gläubig" und 47,1 Prozent als "eher gläubig" ein; damit geben 88,5 Prozent an, deutliche religiöse Bindungen zu haben.

Wenn es um Gebete oder den Besuch religiöser Veranstaltungen geht, sind die Zahlen niedriger. 57,2 Prozent der Türken geben an, einmal bis mehrmals die Woche bis täglich zu beten; immerhin beten aber damit rund 43 Prozent deutlich weniger, von "ein paarmal im Monat" bis "nie". Gut 30 Prozent geben explizit an, nur ein paar mal im Jahr oder nie zu beten.

Beim Besuch religiöser Veranstaltungen sind die Werte noch moderater: 40 Prozent der türkischen Muslime gehen demnach "häufig" zu religiösen Veranstaltungen, 37,1 Prozent "selten" und 22,8 Prozent "nie". Männer sind dabei deutlich mehr an religiösen Veranstaltungen beteiligt als Frauen — 49,4 Prozent der türkischen Männer geben an, "häufig" zu religiösen Veranstaltungen zu gehen; bei den Frauen sind es 30,5 Prozent.

Unterm Strich sind diese Werte ein Hinweis darauf, dass religiöse Bindungen nicht automatisch zu ebenso hoher Beteiligung am religiösen Leben führen. Dies gilt ähnlich auch für die christlichen Kirchen. 61 Prozent der Deutschen sind Mitglied einer christlichen Kirche; fünf bis zehn Prozent von ihnen gehen sonntags regelmäßig in die Kirche.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Umfrage unter Muslimen: Sind Christen Gläubige?

(RP)
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