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Krefeld: Wie Krefeld sich um 1800 entwickelt hat

Krefeld : Wie Krefeld sich um 1800 entwickelt hat

Ein Forschungsprojekt im Stadtarchiv soll Grundlage für eine Sozialkartierung der Stadt werden.

Das Stadtarchiv hat gestern ein neues Forschungsprojekt zur Sozialgeschichte Krefelds vorgestellt. "Obwohl es einige sehr gute Arbeiten über die Stadtgeschichte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts gibt - insbesondere sind hier die Beiträge von Peter Kriedte zu nennen - sind die Forschungen zur sozialen Entwicklung Krefelds im 19. Jahrhundert noch defizitär", sagt Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs. Die Projektbetreuung hat Tristan Pfeil. Er studierte in Bochum katholische Religion und Geschichtswissenschaften und schreibt zurzeit an seiner Dissertation: "Das Krefelder Forschungsprojekt sehe ich als vorbereitend für meine Promotion."

Das Forschungsvorhaben wird vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert und ist für eineinhalb Jahre angesetzt. Insgesamt wird es 70.000 Euro kosten, von denen der LVR 50.000 Euro übernimmt. "Es wird einerseits die stadtgeschichtliche, aber auch die überregionale Forschung anstoßen", freut sich Olaf Richter.

Er gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte Krefelds, deren Sozialgeschichte eng mit der wirtschaftlichen Geschichte verknüpft ist: War Krefeld 1606 noch ein kleiner Dorfflecken mit 350 Einwohnern, waren es 1815 bereits 15.000. Innerhalb des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung rasant auf 100.000 Einwohner an (1887). Dies war nicht zuletzt der Textilindustrie geschuldet.

Durch eine Auswertung der verschiedensten Quellen, wie statistisches Material, Bevölkerungslisten, Melde- und Sterberegister und Adressbücher, wird die sozialgeschichtliche Perspektive in quantitativer Hinsicht dargestellt werden können. Als besonders hilfreich und ergiebig erweist sich das Mennoniten-Archiv. Seit den 1990er Jahren befindet es sich im Stadtarchiv und ist bislang nur sehr oberflächlich erschlossen. 16 laufende Meter Archivalien stehen Pfeil allein mit diesem Archiv zur Verfügung. Erfreulicher Nebeneffekt des Forschungsprojektes wird sein, dass das Mennoniten-Archiv digitalisiert und - vorbehaltlich der Zustimmung der Gemeinde - online zur Verfügung gestellt wird. Ergiebig zeigt sich das Mennoniten-Archiv durch seine Struktur. Es vermerkt zu den Gemeindemitgliedern nicht nur Namen, sondern auch Adresse und Gewerbe. Pfeil wird die Daten in Beziehung setzen und beantworten können, ob das Krefelder Stadtgebiet nicht nur nach "armen" und "reichen" Stadtteilen, sondern auch nach Konfessionen aufgeteilt war. Diese "Sozialkartierung" wird im 16. Band der "Krefelder Studien" präsentiert.

"Es ist erstaunlich, wie wenig von Firmen-Archiven erhalten ist," stellt Pfeil fest. "Ein Firmenarchiv ist natürlich ein Luxus, den man sich leisten können muss." Dennoch wäre er dankbar für Hinweise auf Firmenunterlagen - vielleicht findet sich noch manches Dokument, das für die Erforschung der Sozialgeschichte Krefelds aussagekräftig ist.

(RP)