Krefeld: Wie ein Siemenszug entsteht

Krefeld: Wie ein Siemenszug entsteht

Die "Lange Nacht der Industrie", die im Zuge der Initiative "Zukunft durch Industrie" durchgeführt wurde, brachte am Donnerstagabend mehrere hundert Bürger in große Industriebetriebe der Seidendenstadt.

Krefeld hat viele große und sehr interessante Industriebetriebe. Einige sind bekannt - wie Siempelkamp oder Siemens - , andere erfreuen sich zwar bei ihrer Kundschaft großer Wertschätzung, sind aber in der Öffentlichkeit eher unbekannt. Doch in all diesen Unternehmen gibt es spannende Dinge zu entdecken und nicht zuletzt sehr interessante Arbeits- und Ausbildungsstellen.

Dies soll im Zuge der Initiative "Zukunft durch Industrie" auch der breiten Bürgerschaft nähergebracht werden. Eingebettet ist dies in die Aktion "Lange Nacht der Industrie", die weite Teile des Ruhrgebiets und des Niederrheins umschließt. Insgesamt fanden im Rahmen der "Langen Nacht" 104 Bustouren auf 52 Routen statt - knapp die Hälfte davon am Niederrhein von Krefeld, Viersen, Mönchengladbach und Neuss aus. Sie waren alle ausgebucht - ein Beleg für das große Interesse, das die Bürger an heimischen Unternehmen haben. Alles in allem waren die Veranstalter hochzufrieden und begrüßten rund 1600 Besucher am Niederrhein und 3500 insgesamt.

In Krefeld selbst waren es sechs Touren, die zwölf Unternehmen abdeckten. Unsere Redaktion nahm an der Tour teil, die die Unternehmen ATR Industrie-Elektronik GmbH und Siemens AG mit der Zugfertigung in Uerdingen abdeckte.

ATR ist eines der genannten eher unbekannten Unternehmen. Es stellt Schaltschränke her, die fast überall Anwendung finden, und gehört zu den Marktführern weltweit. Von Heizungssteuerungen für Privathäuser bis hin zur Steuerung der Kühlanlagen in großen Supermärkten oder von Großanlagen in der Industrie: ATR-Schränke stehen überall. Ein einzelner Schrank kann dabei, modular aufgebaut, auch weit über 100 Meter lang sein. Die einzelnen Module sind aber aus Transportgründen nie größer als 3,20 Meter.

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Die Jahresproduktion der 130 Mitarbeiter, die fast komplett in Handarbeit die Schränke bestücken (die Lösungen sind zu individuell für eine maschinelle Fertigung), liegt bei rund 6500 Meter Schrank. Das ist 6,5-mal die Länge des Ostwalls von Polizei bis Hauptbahnhof. Warum nimmt ATR an der langen Nacht der Industrie Teil? Geschäftsführer Timo Amels: "Wir wollen den Bürgern die Pforten der Industrie öffnen und uns präsentieren. Es ist eine gute Chance, uns auch potenziellen qualifizierten Angestellten oder Auszubildenden zu zeigen. Außerdem ist die Begeisterung der Menschen spürbar."

Teil zwei der Tour führte zum Siemens-Werk für Züge. Hier stellen 2400 Mitarbeiter, etwa 1900 davon in der Fertigung, auf knapp 260.000 Quadratmeter Züge her - von Regionalbahnen bis zu Hochgeschwindigkeitszügen wie den ICE. Siemens rückt dabei Qualitätssicherung und Arbeitsmittel in den Fokus. Jeder Prozess wird ständig optimiert. Vorschlagswesen und Fehlerkultur werden großgeschrieben, ständig wird nach besseren Lösungen gesucht. Eine maschinelle Fertigung ist kaum möglich. Dafür sind die Stückzahlen zu gering.

So baut das Unternehmen den britischen Thamaeslink, einer der größten Aufträge der Unternehmensgeschichte. Es sind insgesamt 1.140 Wagen. Kein Vergleich zu den Millionen-Stückzahlen beispielsweise in der Automobilindustrie. In drei Schichten werden die Wagen am Standort gebaut. Aus Gewichtsgründen wird aus Aluminium gefertigt. Der Werkstoff erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Siemens liefert aus Krefeld einige der modernsten Züge überhaupt in alle Welt.

Insgesamt waren die Besucher fasziniert von den Abläufen und der Technologie beider Unternehmen, und sicher werden viele auch bei der nächsten "langen Nacht der Industrie" wieder dabei sein.

(RP)
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