Krefeld: Wickelnde Mutter rausgeschmissen

Krefeld : Wickelnde Mutter rausgeschmissen

Annika Edelmann wollte ihre beiden Zwillinge in einer Pizzeria hinter einem Tuch versteckt wickeln. Sie wurde des Hauses verwiesen. Der Fall zeigt: In Krefeld fehlen öffentliche Toiletten.

Annika Edelmann hatte versucht, dezent zu wickeln. Unter einem Tuch und auf einer Decke hatte sie ihrem zehnmonatigen Sohn Valentin in der Pizzeria eine neue Einwegwindel angelegt. "Eineinhalb Minuten hat das nur gedauert", sagt die Krefelderin. Der Pizzabäcker habe sie dann rausgeschmissen — auch mit dem Hinweis, das sie in einer halben Stunde nur eine Apfelschorle getrunken, in dieser Zeit aber die Kinder mit Brei versorgt habe. "Ich habe dann gezahlt und bin gegangen. Meinen anderen Sohn Emilio habe ich auf der Taschenablage des Parkhauses gewickelt", sagt die 49-Jährige.

Fehlende Wickelmöglichkeiten und Mangel an öffentlichen Toiletten — in Krefeld ein Problem. Anfrage bei der Stadtverwaltung: Wie viele öffentliche Toiletten gibt es noch in der Stadt? Antwort: Zwei — eine unterirdisch am Südwall, eine auf dem Theaterplatz. Die Toilettenanlage auf dem Westwallmarkt ist 2011 geschlossen worden — zu teuer. Ebenso die Toilettenanlage auf dem Ostwall. Schon etliche Jahre sind folgende Anlagen geschlossen: Bockumer Platz, Stadtgarten, Stadtwald, Stadtpark, Röttgen (Markt), Hauptbahnhof, Dr.-Hirschfelder-Platz. Die öffentliche Toilette am Südausgang des Hauptbahnhofs wurde in eine private Toilette der Stadtwerke Krefeld umgewandelt und ist den Busfahrern vorbehalten.

Die Inhaberin der kleinen Pizzeria in der Krefelder City, mit der unsere Zeitung gestern sprach, sagte: "Man will doch als Gast nicht, dass neben einem die Kinder gewickelt werden, während man selbst isst." Man habe die Frau immerhin beim Füttern des Breis gewähren lassen. Annika Edelmann sagt: "Mir geht es darum, dass unsere Stadt kinderfreundlich ist. Da gehört es dazu, dass Mütter überall stillen, füttern und auch wickeln können."

Birgit August, Vorsitzende des Krefelder Kinderschutzbundes, hat Verständnis für beide Seiten, auch für die Pizzeria. "Eltern kommen wirklich oft in Bedrängnis, wenn sie dringend die Kleinen wickeln müssen, aber keinen Platz finden." In Krefeld sind es private Unternehmen, die Wickeltische zur Verfügung stellen — unter anderem der dm-Markt auf der Hochstraße.

(RP)
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