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Wenn Krefelds Alt-Rocker auf die Bühne gehen, ist das Kult.

Konzert im Oktober : Der Coup der Hülser Rocker

Die Konzertkarten sind immer binnen Stunden vergriffen: Wenn Krefelds Alt-Rocker auf die Bühne gehen, ist das Kult. Im Oktober ist das nächste Konzert – Karten gibt es noch nicht. Der Erlös vom vergangenen Herbst wurde jetzt verteilt.

Die Idee wurde bei einem Bier geboren. In gemütlicher Runde hatten sich Frank Brünsing und Michael Roder mit Bekannten getroffen. Man kannte sich seit vielen Jahren, aus der Zeit, als alle als Musiker in Krefeld unterwegs waren. In Krefelder Clubs und Jugendtreffs gab es damals jede Menge Live-Musik, viele Bands hießen damals noch Kapellen, und ihre Musik nannte man Beat. Schnell waren die Erlebnisse aus der Vergangenheit Thema, und es reifte der Wunsch, die wilden alten Zeiten noch einmal aufleben zu lassen. „Dabei kam die Idee auf, einen Jam-Abend zu veranstalten und die Rock-Bands aus dem Umkreis Krefelds aus den 60er und 70er Jahren wieder zusammenzutrommeln“, sagt Brünsing. Der Rest ist Geschichte. Die Konzerte an historischer Stätte im „Goldenen Hirsch“ sind Kult. Die dritte Auflage ist geplant. Fans sollten sich den Samstag, 24. Oktober, vormerken: Dann wird in Hüls wieder gerockt wie in alten Zeiten.

Wann der Vorverkauf startet, da halten sich die Organisatoren Brünsing und Roder noch bedeckt. Denn der Run auf die Karten entwickelt eine Dynamik wie bei den Superstars der Popmusik. In wenigen Stunden sind alle Karten immer vergriffen gewesen. „Die Karten im Vorverkauf waren eigentlich für die Musiker gedacht, um sie auf unser Vorhaben aufmerksam zu machen. Doch innerhalb eines Tages waren alle verkauft“, erinnert sich Michael Roder. „Plötzlich mussten wir aus dem Jam eine sinnvolle Veranstaltung machen.“ Für das zweite Konzert haben Besucher bereits Monate vorher versucht, Karten vorzubestellen. Und wer bei der ersten Veranstaltung leer ausgegangen war, wollte schon nach dem ersten Konzert auf die Reservierungsliste. Plötzlich waren die alten Rocker in der Pflicht. Ihre Fans haben sie in jeder Altersgruppe – von zwölf bis 80 Jahren, sagen sie.

Die Band „Blind Date“ hatte ihren Auftritt im vergangenen Herbst im „Goldenen Hirsch“. Foto: Mark Mocnik

Nicht nur das Publikum hat Spaß an den Konzerten, auch für die Musiker ist es jedes Mal ein Erlebnis. Weil die Original-Formationen aus den alten Tagen heute nicht mehr zusammenzubringen sind, weil einige Musiker inzwischen verstorben sind oder nicht mehr auf die Bühne wollen, treten die Alt-Rocker, die sich gerne selbst so bezeichnen, in neu zusammengestellten Konstellationen an. Und von ihrer Begeisterung sollen auch andere profitieren: Das Konzert im vergangenen Herbst war als Benefizveranstaltung für Krefelder Musikprojekte deklariert.

2000 Euro haben die Rocklegenden jetzt in der Regenbogenschule verteilt an die Bürgerinitiative rund um St. Josef, die Kita St. Antonius in Tönisvorst, die Regenbogenschule und das stups-Kinderzentrum. Mit den Spenden wollen die sozialen Einrichtungen Musik-Projekte für Kinder voranbringen. Svenja Schreiber und Sylvia Esters von der Bürgerinitiative rund um St. Josef erhielten 300 Euro und wollen damit die technische Ausrüstung für einen Rap-Workshop finanzieren. Die Regenbogenschule will mit ihren 350 Euro den schuleigenen Chor unterstützen und Instrumente für ihre Trommelgruppe anschaffen. Die Kita St. Antonius braucht dringend ein Klavier für ihre Musikfrüherziehung. Einen Spielwarengeschenkgutschein im Wert von 200 Euro gab es für das stups-Kinderzentrum.

Das Geld kam durch die Eintrittsgelder fürs Konzert zusammen sowie durch den Verkauf des Buches „Wer beatet mehr“, in dem Wolfgang Hellfeier, Waldo Karpenkiel, Ulrich Pudelko und Hans Rommerskirchen die „Live-Beat-Szene der 60er Jahre in Krefeld“ beleuchten.

Ein Highlight war die Versteigerung einer Gitarre aus dem Besitz des Krefelder Journalisten Frank Hänschen, der wenige Wochen vor dem Konzert verstorben war. Seine Tochter hatte den Musikern die Gitarre zur Verfügung gestellt. Das Instrument brachte 600 Euro.

Die Organisatoren Frank Brünsing, Michael Roder, Harry Klupsch, Heinz Bittscheidt, Michael Kemmerich und René Lefebvre haben beschlossen, dass auch beim dritten Konzert der Erlös dem guten Zweck zukommen soll. Wohin die Spenden gehen, steht noch nicht fest. „Wahrscheinlich nicht ans Affenhaus. Das Projekt steht noch in Planung und ist millionenschwer. Wir möchten das Geld dahin geben, wo es direkt hilft“, erläutert Roder.