Krefeld: Wenn der Schulabschluss nicht reicht

Krefeld : Wenn der Schulabschluss nicht reicht

Sie haben einen Abschluss, sie sind junge Leute aus intakten Elternhäusern – aber sie bekommen keinen Ausbildungsplatz: Erst das "Starthilfe"-Programm hilft. Es legt indirekt offen, wie wenig Schule Schüler aufs Leben vorbereitet.

Sie haben einen Abschluss, sie sind junge Leute aus intakten Elternhäusern — aber sie bekommen keinen Ausbildungsplatz: Erst das "Starthilfe"-Programm hilft. Es legt indirekt offen, wie wenig Schule Schüler aufs Leben vorbereitet.

Wer sich im Uerdinger Chempark um einen Ausbildungsplatz im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich bewirbt, muss mindestens den Mittleren Schulabschluss nach Klasse 10 B der Hauptschule für die Zulassung zum Bewerbertest mitbringen. Der nachfolgende Computertest mit Multiple Choice-Abfragen wird noch von zwei Dritteln der Bewerber bestanden. Im nachfolgenden Bewerbergespräch aber straucheln viele. "Nicht alle Schulabgänger sind in Naturwissenschaften und Deutsch so aufgestellt, wie wir es gerne hätten", bemängelt der Uerdinger Ausbildungsleiter Detlef Walkowiak.

Seit 1990 betreibt der Uerdinger Chemieriese Chempark mit seinen Ablegern Currenta und Lanxess in seinem hochmodernen Uerdinger Ausbildungszentrum das Programm "Starthilfe". Jugendlichen, deren Qualifikation für eine Ausbildung im ersten Anlauf noch nicht ganz ausreichte, wird gezielt ein Platz im "Starthilfe"-Programm angeboten. Wichtig ist dabei, dass die Ausbilder im Bewerbergespräch bei dem Jugendlichen den Eindruck von Entwicklungspotenzial gewonnen haben. "Das wertvollste Kapital eines Betriebes sind gut ausgebildete Mitarbeiter. Hier bedarf es einer gesunden Basis", begründet Walkowiak das Ausleseverfahren.

Derzeit durchlaufen 33 Jugendliche in zwei Klassen das Programm, im kommenden Ausbildungsjahr werden es 40 sein, die ihre Kenntnisse an zwei Berufskollegtagen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Chemie, Physik und Technik vertiefen. Praktische Fähigkeiten erwerben sie in Labor und Werkstatt. Von Werkstattleiter Hans-Joerg Kaib erfahren sie auch, dass Genauigkeit und Sorgfalt, Ausdauer und Teamgeist an dem angestrebten Arbeitsplatz große Bedeutung haben. Vom "Starthilfe"-Programm erhalten die Jugendlichen für ihren Einsatz eine Vergütung. Über 500 Jugendliche aus der Region Niederrhein haben bisher im Chempark unter der Obhut der Currenta-Ausbildung das "Starthilfe"-Programm absolviert. 85 Prozent von ihnen erhielten danach den gewünschten Ausbildungsplatz.

Das "Starthilfe"-Programm wird betreut von der "Ausbildungsinitiative Rheinland GmbH", in der sich Currenta, Bayer und Lanxess mit anderen Partnern der chemischen Industrie zusammengeschlossen haben. Dank der hohen Auswahlhürden, der hochwertigen und praxisnahen Ausbildung im Verein der berufsvorbereitenden Qualifizierungsmaßnahme "Starthilfe" bestehen über 98 Prozent der angehenden Pharmakanten ihre Prüfung auf Anhieb.

Nur drei Prozent brechen ihre Ausbildung ab, während der Bundesdurchschnitt bei 19 Prozent liegt. "Unsere Jugendlichen sind besser als ihr Ruf", lobt Walkowiak, "und fast allen stehen die Elternhäuser beratend zur Seite. Das muss man bei aller öffentlichen Kritik an der Jugend einmal festhalten."

(RP/rl)
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