Krefeld: Weltbeste Fifa-18-Gamer messen sich in Krefeld

Krefeld: Weltbeste Fifa-18-Gamer messen sich in Krefeld

Für Deutschland ist es eine Premiere, für Krefeld sowieso. Ab morgen sind 32 der weltweit besten "virtuellen Fußballer" in der Seidenstadt zu Gast, um ihre Fähigkeiten im Computerspiel Fifa 18 vor einem Massenpublikum im Internet zu messen.

Es ist erst wenige Tage her, das hat der Präsident des ruhmreichen Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, laut erklärt, dass er eSports nicht als Sportart anerkennen will. "Fußball gehört auf den grünen Rasen und hat mit anderen Dingen, die computermäßig sind, nichts zu tun. eSports ist für mich kein Sport", sagte der 56-Jährige. Dem trat Hans Jagnow, Präsident des Dachverbandes eSport-Bund Deutschland (ESBD), entschieden entgegen. Der Sport insgesamt stehe vor einem Umbruchsprozess im digitalen Zeitalter, der keine Verarmung, sondern schlicht eine tiefgreifende Veränderung darstelle.

Solche Diskussionen gehören für die Krefelder Macher von Take TV an der Alten Linner Straße längst der Vergangenheit an. Die Truppe um Dennis Gehlen und Jan Heesen vermarkten seit Jahren das Potenzial der Computerspiele und übertragen sie ins Internet. In Japan und vielen anderen Länder sitzen 10.000 Zuschauer in großen Hallen, um den Wettbewerben ihrer neuen Helden auf Großbildschirmen zu verfolgen.

Das wird auch von morgen bis Sonntag beim Fifa-Turnier in Krefeld so sein. Vor Ort mehrere Nummern kleiner im eigenen Kinosaal, aber besetzt mit den 32 Besten der Welt. Bei dem Turnier geht es für alle Teilnehmer um Ruhm, Ehre und einen Anteil am fünfstelligen Preisgeld. Bekannte Vertreter kommen dabei von Vereinen wie dem VfL Wolfsburg, AS Rom, Paris Saint-Germain, RB Leipzig oder dem FC Schalke 04.

Der Revierclub, in dem sogar der Papst Mitglied ist, schickt seinen Top-Profi Tim Schwartmann ins Rennen. Der 19-Jährige, der in der Szene nur Tim Latka - nach einem früheren Spieler von Fortuna Düsseldorf - heißt, ist Vollprofi, trainiert montags bis donnerstags jeweils bis zu fünf Stunden, um mit seinen virtuellen Spielern perfekt agieren zu können. Trainingslager und Spielerberater gehören bei ihm ebenso zum Alltag wie bei den Millionenstars der Fußball-Bundesliga und in der Champions-League.

Der Werdegang von Tim Schwartmann gleicht einer Geschichte aus dem Bilderbuch: Fünf Jahre jung war der gebürtige Gladbecker, als er das erste Mal in der Nordkurve der Schalke-Arena stand. Seitdem ist er bei fast jedem Heimspiel im Block, fährt seit seinem 16. Lebensjahr regelmäßig auch zu Auswärtsspielen und feuert die Knappen nach Leibeskräften an, wann immer es ihm möglich ist. Im Jahr 2016 gewann Schwartmann den Schalker Knappencup. Vor 100.000 Besuchern demonstrierte er sein Können beim Esport-Nachwuchsturnier am großen Schalke-Tag. Seither trägt Tim selbst den königsblauen Dress und vertritt die Knappen auf dem virtuellen Rasen. Inzwischen wird der FIFA-Profi in einem Atemzug mit den besten Spielern der Welt genannt. Auf seinem YouTube-Channel veröffentlicht er regelmäßig Videos rund um die Fußballsimulation, die mittlerweile von über 160.000 Fans geschaut werden.

Die Besonderheit des Turnieres in Krefeld besteht darin, dass sich die Teilnehmer in einem speziellen Draft-Modus messen - dabei steht im Vorhinein noch nicht fest, welche virtuellen Spieler sich im Turnier-Kader der Wettstreiter befinden werden. "Der DraftStory Cup bringt die Größen der Fifa-Szene erstmals gesammelt nach Deutschland", berichtete Jan Heesen.

Zuschauer aus aller Welt können die Show live auf der Streaming-Plattform Twitch verfolgen - stilecht mit Kommentatoren, Analysen und Spieler-Interviews. Fans können sich zudem ein Ticket zum Preis von fünf Euro an der Tageskasse für das Event kaufen und somit die Aktion hautnah erleben. Für die Gäste in Krefeld wird es vor Ort ein Amateurmatch mit ordentlichen Preisen geben und der Gewinner kann sich im Anschluss gegen einen Profi auf das Spielfeld begeben.

Mit der Eröffnung von TaKe TV fand eine außergewöhnliche Unternehmergeschichte ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Jahr 2006 wechselte der Profi-E-Sportler Gehlen die Seite. Die Schulzeit endete, er bekam ein Jobangebot vom Sender NBC Giga. Der auf Computerspiele spezialisierte Sender machte etwas für die damalige Zeit Ungewöhnliches: Er zeigte im Fernsehen wie Menschen gegeneinander Computer spielen. Dennis Gehlen machte dort ein journalistisches Volontariat, kommentierte die Spiele, arbeitete auch redaktionell hinter der Kamera. Es folgte ein Job beim Unternehmen Turtle Entertainment, bei dem er in ähnlicher Funktion bis 2011 arbeitete. Parallel machte er erste Gehversuche mit eigenen Online-TV-Sendungen. In seine 50-Quadratmeter-Wohnung an der Petersstraße lud er Profispieler ein. Gehlen kommentierte via Internet, wie sie sich duellierten. Die Events wurden größer, die Einnahmen durch seine Arbeit stiegen, eine feste Clique um dieses Hobby herum entstand. Gehlen merkte, dass er selbst Unternehmer werden kann.

(sti)