Krefeld Weißer Ring kümmert sich um 300 Opfer

Krefeld · Der neue Außenstellenleiter des Weißen Rings für Krefeld, Walter Domröse, ist 62 Jahre alt und Kriminalbeamter im Ruhestand. Bereits seit 20 Jahren ist er Mitglied beim Weißen Ring, wo er seit fünf Jahren Opferfälle bearbeitet.

 Mit Abschluss des Jubiläumsjahres zum 40-jährigen Bestehen hat es beim Weißen Ring in Krefeld einen Führungswechsel gegeben. Außenstellenleiterin Bettina Lindgens legte ihr Amt aus persönlichen Gründen nieder.

Mit Abschluss des Jubiläumsjahres zum 40-jährigen Bestehen hat es beim Weißen Ring in Krefeld einen Führungswechsel gegeben. Außenstellenleiterin Bettina Lindgens legte ihr Amt aus persönlichen Gründen nieder.

Foto: Thomas lammertz

Wenn alle den Verbrecher jagen, wer bleibt dann eigentlich beim Opfer? - Das war das Motto, unter dem 1976 der Weiße Ring gegründet wurde. Denn häufig leiden Opfer noch jahrelang nicht nur körperlich, sondern auch seelisch unter den Folgen einer Straftat. Mit Abschluss des Jubiläumsjahres zum 40-jährigen Bestehen hat es beim Weißen Ring in Krefeld einen Führungswechsel gegeben. Außenstellenleiterin Bettina Lindgens legte ihr Amt aus persönlichen Gründen nieder. Seit Jahresbeginn führen nun Walter Domröse und Angelika Rohr den Verein in Krefeld. Rund 300 Menschen in Not stehen die insgesamt zwölf ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings Krefeld jedes Jahr mit Rat und Tat zur Seite. Rund 40 000 Euro an materieller Unterstützung wurden dabei allein im Jahr 2015 vergeben.

Zwar haben Opfer im Strafprozess heute mehr Rechte als früher und auch Anspruch auf umfassende und sensible Betreuung nach der Tat, "trotzdem dreht sich viel zu häufig noch immer alles um den Täter. Das Opfer bleibt in seiner Not mit seinen Belangen und Bedürfnissen außen vor", weiß Domröse. "Hier helfen wir und geben den Opfern eine Stimme."

Der neue Außenstellenleiter für Krefeld, Walter Domröse, ist 62 und Kriminalbeamter im Ruhestand. Bereits seit 20 Jahren ist er Mitglied beim Weißen Ring, wo er seit fünf Jahren Opferfälle bearbeitet. "Davor hatte ich nur dienstliche Erlebnisse mit Opfern", sagt er. Durch seine berufliche Opferarbeit verfügt er über viele nützliche Kontakte bei der Polizei und anderen Stellen. Domröse hat zwei erwachsene Söhne.

Die 50-jährige Angelika Rohr ist gelernte Bürogehilfin und hat eine erwachsene Tochter. Sie ist die neue Vertretung des Außenstellenleiters. "Ich war vor Jahren selbst Opfer und bin beim Weißen Ring gut betreut worden. Irgendwann habe ich dann gesagt, ,Ich will das jetzt auch machen' und bin Mitglied im Verein geworden."

Das Angebot des Weißen Rings setzt sich aus Soforthilfe und längerfristiger Opferhilfe zusammen. Um diese zu erhalten, muss man nicht Mitglied sein. Der Verein bietet Opfern einer Straftat menschlichen Beistand und persönliche Betreuung. Denn für viele Opfer, die ohnehin schon unter dem, was ihnen zugefügt wurde, leiden, stellen die nun folgenden Wege und Herausforderungen eine Belastung dar, die in dieser Notsituation schier nicht zu schaffen scheint. Der Weiße Ring begleitet dann auf Wunsch zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht und gibt Hilfestellung im Umgang mit weiteren Behörden. Darüber hinaus vermittelt der Verein Hilfen anderer Organisationen, gibt Hilfeschecks für frei wählbare anwaltliche und psychotraumatische Erstberatung und für eine rechtsmedizinische Untersuchung. In bestimmten Fällen sind die Übernahme von Anwaltskosten, Erholungsmaßnahmen und finanzielle Unterstützung zur Überbrückung von Notlagen, welche durch die Tat verursacht wurden, möglich.

"Jeder kann zum Opfer einer Straftat werden. Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz", weiß Rohr. Die hauptsächlichen Deliktsbereiche sind Sexualdelikte (25 Prozent), Körperverletzung (15 Prozent) und häusliche Gewalt (15 Prozent). Betroffen sind Frauen und Männer unabhängig vom sozialen Hintergrund oder der Herkunft. Auch hier zeigt der Spruch "Das kommt in den besten Familien vor" leider Geltung.

Staatliche Mittel erhält der Weiße Ring keine. Trotzdem ist der Verein finanziell solide aufgestellt: Im Jahr 2015 erhielt der Verein bundesweit rund 4,8 Millionen Spenden und 1,7 Millionen Euro aus Mitgliedbeiträgen. Darüber hinaus gibt es Zuwendungen aus Geldbußenzuweisungen von Gerichten und aus testamentarischen Verfügungen. Rund 50 Prozent der Gesamtausgaben fließen direkt in die praktische Opferhilfe. Weitere große Teile des Geldes kommen der Aus- und Weiterbildung der Ehrenamtlichen und der Kriminalprävention zugute.

Wer die Hilfe des Weißen Rings in Anspruch nehmen möchte, kann Kontakt unter der Rufnummer 0151 55164802 (Walter Domröse) oder über das Opfertelefon 116006 aufnehmen. Die E-Mail Adresse der Außenstelle Krefeld lautet "weisserring.krefeld@yahoo.de" . Im Internet gibt es unter "http://www.weisser-ring.de" nicht nur weitere Informationen, sondern auch eine online-Beratung. In Krefeld nimmt dann einer der zwölf Mitarbeiter (zehn Frauen, zwei Männer) Kontakt auf und vereinbart einen Termin. Er nimmt sich Zeit, hört zu und versucht, gemeinsam mit dem Opfer einen Weg zur Bewältigung der seelischen, körperlichen und wirtschaftlichen Tatfolgen zu finden. Die gemachten Angaben werden vertraulich behandelt und sind nicht von einer Strafanzeige abhängig. Uber Unterstützung in Form von Spenden und neuen Mitgliedern freut sich der Verein.

(RP)
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