Kr Wie Krefeld: Was man im Ausländeramt lernen kann

Kr Wie Krefeld : Was man im Ausländeramt lernen kann

Erst massive Proteste von Ausländern erzwangen organisatorische Veränderungen im Ausländeramt. Die Geschichte zeigt: Die Verwaltungen dieser Welt bleiben anfällig für das Erste Große Grundgesetz jeder Verwaltung: Beharrung geht vor Bewegung.

Nein, es ist kein Ruhmesblatt für die Krefelder Verwaltung, dass sich die Lage im Ausländeramt fürs Erste entspannt hat, und zwar so sehr, dass die Migranten, die deshalb auf die Straße gegangen sind, nunmehr das Ausländeramt loben. Der ganze Vorgang ist auch beschämend.

Die in Krefeld lebenden Ausländer mussten also über Jahre auf juristisch unproblematische Routine-Stempel jeweils monatelang warten. Erst nach einer Demonstration, nach einer turbulenten Ratssitzung und politischem Druck aus dem Rat wurde ein Ferienschnellschalter eingerichtet. Dahinter steht etwas, das irgendwo zwischen Gedankenlosigkeit und Unverschämtheit anzusiedeln ist: die Grundhaltung nämlich, dass Bürger vor Amtsstuben gefälligst zu warten haben, egal wie lang.

Dennoch wäre es unfair, jetzt die alten Witze über faule Beamte und Stadtbedienstete aus der Faschingskiste zu holen. Der subjektive Eindruck städtischer Mitarbeiter, in Arbeit zu ersticken, mag ja nicht falsch sein. Die Vorgänge im Ausländeramt zeigen: Nicht Faulheit ist das Problem, sondern Beharrung — Beharrung allerdings, die auf dem Wissen beruht, dass sich eher die Sonne um die Erde zu drehen beginnt, als dass die Kundschaft draußen vor der Amtsstube sich ein anderes Rathaus suchen kann.

Dies vor Augen darf man sagen: Das Misstrauen in die Organisation einer Stadtverwaltung ist mit Fug und Recht wachzuhalten. In Krefeld ist es ein Ritual, bei jedem Problem im Rathaus nach mehr Personal zu rufen — so wie der Staat auf allen Ebenen trotz Rekordsteuereinnahmen stets nach mehr (Steuer-)Geld lechzt. Nein. Solange ein Ferienschnellschalter erst nach Jahren und erst nach massiven Protesten eingerichtet wird, muss die erste, die zweite und die dritte Rückfrage sein: Könnt ihr nicht die Organisation ändern? Hier sind Führungskräfte im Rathaus gefragt. Denn beides ist nicht in Ordnung: Mitarbeiter zwischen Aktenschluchten in Not — und Bürgern Zeit zu stehlen.

Wie sagte ein Spitzenbeamter, der wie alle Krefelder Spitzenbeamten im Rathaus gern Steuererhöhungen gesehen hätten: Wir leben in selbstgewählter Armut. Ja, mag sein, aber diese Art Armut, steht einer Verwaltung gut an.

(RP)
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