Krefeld: Was die Knef Frauen heute zu sagen hätte

Krefeld : Was die Knef Frauen heute zu sagen hätte

Hildegard Knef ist keine Frau fürs Lauwarme. Sie wurde heiß verehrt und hitzig abgelehnt; und sie selbst hat ein Leben mit extremen Höhen und Tiefen geführt. "Eine tolle Frau", findet die Krefelder Jazzsängerin Karin Mast - und hat der Knef ein Programm gewidmet. Passend zum Internationalen Frauentag.

Manchmal reicht ein einziger Satz, um sich zu verlieben. "Das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Wartesaal." Diese erste Zeile eines Knef-Chansons traf bei Karin Mast in Schwarze. Neun Worte bringen alles auf den Punkt: Hoffnung, Glück, Enttäuschung, den Schmerz, seine Überwindung und die Kraft, die das kostet. "Das ist absolut ehrlich, darin reflektiert Hildegard Knef alles, was sie selbst erlebt und erlitten hat", sagt Mast. Und sie könnte endlos Zeilen zitieren, die ihre Faszination bestätigen, abseits der bekannten "Für mich soll's rote Rosen regnen" und "Ich hab noch einen Koffer in Berlin". Ja, sie ist entflammt für diese Ausnahmekünstlerin, die mit ihrer spröden, starken Stimme ihre Haut zu Markte trug. In der Auswahl ihrer Programme, sagt Karin Mast, sei sie immer egoistisch. Aus tiefer Begeisterung hat sie ein Knef-Programm zusammengestellt, das sie am Freitag, 10. März, ab 19 Uhr, in der VHS vorstellt und im nächsten Jahr als Beitrag zum Internationalen Frauentag am 8. März im Südbahnhof.

"Die Knef war schonungslos mit sich selbst und mit anderen. Wer so ehrlich ist, macht sich angreifbar. Er ist ein offenes Buch, auch für die, die es nicht gut mit einem meinen. Aber wenn einen Leute ausnutzen, merkt man auch, wer ein Freund ist. Da ist Hildegard Knef mir sehr ähnlich. Ich will auch immer rüberbringen, was ich im Herzen trage", sagt Karin Mast. Sie muss nicht lange überlegen, was Hildegard Knef, die vor 15 Jahren im Alter von 76 in Berlin gestorben ist, Frauen heute zu sagen hätte: "Sie ist ein Vorbild - im Scheitern und im Wagen. Sie steht für alles, was man als Frau erreichen kann - eben alles, wenn man nur etwas wagt und sich vom Scheitern nicht entmutigen lässt", findet Karin Mast. "Sie hatte Riesenerfolge und enorme Misserfolge, unglückliche Lieben und schwere Krankheiten. Doch sie hat sich nicht unterkriegen lassen."

Mit dem Film "Die Mörder sind unter uns" hatte die Knef nach dem Krieg ihren Durchbruch als Schauspielerin in Deutschland. "Die Sünderin" und ihre Liebesbeziehungen mit älteren und verheirateten Männern bestätigten die, die sie als Skandal-Diva abstempelten. Doch Gegenwind und Seitenhiebe hielten sie nicht ab von dem, was sie selber wollte. Trotz zahlreicher Schicksalsschläge. Den Vater kannte sie kaum, er starb, als sie wenige Monate alt war. Das Verhältnis zur Mutter war schwierig. Einmal brach sie der Tochter mit einem Schlag das Nasenbein. Im zweiten Schuljahr erkrankte Hildegard Knef an Kinderlähmung und rheumatischem Fieber, mit 20 an Typhus, und nach einem Unfall musste sie etliche Kiefer-Operationen durchstehen. Ihre erste große Liebe Ewald von Demandowsky war 18 Jahre älter, verheiratet, und - wie sie bei der gemeinsamen Flucht 1945 aus Berlin erfuhr - ein Nazi, der in Polen in ein sowjetisches Lager kam und seither verschollen ist. "Solche Schicksalsschläge prägen einen Menschen. Sie hat alles in ihrer Kunst verarbeitet. Ich bin von ihren vielen Begabungen, davon, dass sie schon als Achtjährige Porträts zeichnete - von alten Menschen, weil die faltigen Gesichter sie faszinierten", sagt Mast. Und der unerschütterliche Wille, an die große Liebe zu glauben, und immer wieder daran zu scheitern, bringt ihr die Diva sehr nahe. "Das spiegelt sich in der Melancholie ihrer Texte. Es gehört Reife dazu, zuzugeben, dass einem auch etwas nicht gelungen ist, und zu hoffen, dass das nun andere machen. Und die Traurigkeit darüber steht einem durchaus zu." Bei Hildegard Knef klingt das dann so: "Ich bin den weiten Weg gegangen / Und oft im Kreis und oft im Kreise /Ich bin den weiten Weg gegangen /Nur weise, nein weise wurde ich nicht" und später: "Die Panik läuft mit mir durch Nächte /Und lehrt mich, dass du nie vergisst".

Karin Mast ist heute 73. Aber die Melancholie hat sie schon als 16-Jährige in der Musik gesucht. "Ich war immer sehr fröhlich. Um das auszudrücken, brauchte ich kein Ventil. Mit der Musik wollte ich andere Gefühle ausleben. Deshalb habe ich den Blues geliebt." Doch die erste Band der damals 16-Jährigen war auf Dixieland programmiert. "Ich war glücklich, dass ich singen durfte." In der ersten Ehe und in ihrem Leben in Spanien musste die Musik pausieren. Als sie geschieden wieder in Krefeld lebte, wandte Karin Mast sich dem Swing zu. "Musik ist mein Lebenselixier," sagt. Und die Erkenntnis, dass ihre Begabung für Sprache und Sprachen etwas ist, mit dem sie Menschen erreichen kann, ist der Diesel, der ihren Motor in Gang hält. Ihre Programme sind immer eine Hommage an große Persönlichkeiten: Friedrich Holländer, Blandine Ebinger, Cole Porter, "Ringelnatz-Jazz": Immer stellt sie die Musik in ihrer Zeit vor, fächert die Künstlerbiografie auf und macht mit eigenen Interpretationen die Allgemeingültigkeit des künstlerischen Erbes deutlich. "Es ist schön, wenn ich sehe, dass das Publikum die Lieder dann plötzlich ein bisschen anders hört." Und ja, sie gibt zu: "Ich verliebe mich immer ein bisschen in diese Personen." Die nächste ist bereits in Arbeit: Unforgettable Ella. Der Fitzgerald setzt Karin Mast im Oktober ein Denkmal in der VHS. "Es ist beglückend, an Menschen zu erinnern, die Wertvolles hinterlassen haben", sagt Karin Mast mit weicher Stimme. Sie lacht. "Ja, wenn es um den Umweltschutz geht, bin ich viel unnachgiebiger. Es macht mich wütend, wenn Menschen nicht verstehen, dass es um unser aller Leben geht. Ich bin eine Kämpferin. Aber ich kämpfe immer lieber für etwas als gegen etwas."

Chansons von Hildegard Knef mit Karin Mast & Blue Karma, Freitag, 10. März, 19 Uhr, VHS, Von-der-Leyen-Platz

(RP)
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