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Krefeld: Was bei der Stromwende falsch läuft

Krefeld : Was bei der Stromwende falsch läuft

Energie lässt sich in vor allem an Gebäuden sparen - ein Informationsabend von SWK und Sparkasse informierte 80 Gäste aus der Immobilienwirtschaft über finanzielle und technische Möglichkeiten.

Es ist paradox: In Krefeld gibt es rund 50 000 Heizungsanlagen; 35 000 davon sind nach Einschätzung von Fachleuten ineffizient, aber nur bei 5000 davon sehen die gleichen Fachleute die Chance, dass die Besitzer in moderne Anlagen investieren - und das, obwohl das Geld so günstig ist wie selten zuvor, sogar so günstig, dass es Kredite gibt, bei denen man unterm Strich weniger zurückzahlen muss, als man sich leiht. Kein Witz.

Dieses Paradox war Thema auf einer Veranstaltung für Immobilienbesitzer, die Stadtwerke (SWK) und Sparkasse im SWK-Gebäude ausgerichtet haben. Etwa 80 Gäste aus der Immobilienwirtschaft nutzten die Chance, in einer Reihe von kurzen, dichten Fachvorträgen Informationen zu sammeln. Die Dringlichkeit zeigen einfache Zahlen: Strom sei zwischen 2001 und 2010 in Deutschland um 42 Prozent teurer geworden; Gas zwischen 1991 und 2011 um 89 Prozent, Öl in dieser Zeitspanne sogar um 268 Prozent, erläuterte SWK-Energieexperte Wilfried Kremer.

Die Debatte um die Energiewende hat nach Einschätzung von SWK-Geschäftsführer Carsten Liedke eine Schieflage: "Wir reden von Energiewende, faktisch aber reden wir immer über eine Stromwende", sagte er zur Begrüßung, "es ist dringend an der Zeit, von einer Wärmewende zu sprechen." Denn die Häuser sind's: Bei schlecht gedämmten oder mit alter Technik geheizten Gebäuden steckt demnach die wahre Energieverschwendung in Deutschland. Daher der Titel des Abends: "Keine Energiewende ohne Immobilienwende - die Bedeutung des Energieeffizienzpotenzials von Gebäuden." Nur zwei Prozent unserer Energie falle für Beleuchtung an, sollte Liedke später sagen, da sei es absurd, "dass sich die EU allen Ernstes auf das Verbot von 100-Watt-Birnen konzentriert".

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Die vielleicht spektakulärste neue Heiztechnik, die Referent Sebastian Kwasny (Firma Viessmann) vorstellte, war die "Eisspeicherheizung". Dazu braucht man, vereinfacht gesagt, einen Keller voller Eis und einen Absorber: So heizt man ein Haus, indem man Wasser Wärme entzieht, es wird zu Eis) oder dem Eis aus dem Haus Wärme zuführt (das Eis schmilzt, das Haus wird gekühlt). Es gibt auch Hybrid-Anlagen, die mit Strom und Gas gefahren werden und die je günstigste Mischung nutzen; dabei kann man per Computer die Energiepreise eingeben und per Knopfdruck entscheiden, ob die Anlage sich ökologisch oder ökonomisch am effizientesten steuert. Bautechnisch sind Dämmungen anspruchsvoll und keineswegs immer der Königsweg - neue Fenster oder ein neues Dach oder Dämmungen einzelner Wände seien vielleicht der bessere Weg, um ein Gebäude energetisch voranzubringen: Dies konnte man als Fazit aus dem Vortrag von Ingenieur Peter Karsten (Architektei GmbH) mitnehmen. Dämmungen, so machte er später in einer Podiumsrunde deutlich, seien für ihn auch ästhetisch nicht immer die beste Lösung. Die Sorge, dass immer mehr schöne Backsteinwände hinter gesichtslosen weißen Dämmplatten verschwinden, wurde auch im Publikum geteilt.

Fernwärme wird unterschätzt - das war eine Quintessenz aus Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Detlef Wingertszahn (Geschäftsführer Krawinkel Ingenieure GmbH), darin unterstützt von SWK-Chef Liedke: Fernwärme könne "mit dem einzigen lokalen Rohstoff, den wir haben, erzeugt werden: mit Abfall", durch Müllverbrennung nämlich. Die Energiebilanz dabei sei extrem gut, ökonomisch wie ökologisch.

Ein generelles Problem aus Sicht der Fachleute ist es, Immobilienbesitzer zu motivieren, sich mit der Modernisierung ihres Besitzes zu befassen. Werner Aengenvoort konnte als Hausverwalter ein Lied davon singen, wie schwer es ist, etwa Hausgemeinschaften zu gemeinsamem Handeln zu bewegen oder dazu zu bringen, Beratung in Anspruch zu nehmen. Überhaupt ging von diesem Abend das Signal aus, sich mehr zu informieren über technische und finanzielle Möglichkeiten. Eigentümer, auch professionelle Vermieter, haben hier offenbar viel Nachholbedarf. Immerhin, so betonte Ulrich Platen, Fachmann für Finanzierungen bei der Sparkasse, seien drei Viertel aller Gebäude in NRW älter als 35 Jahre.

Für die Sparkasse betonte die Vorstandsvorsitzende Birgit Roos, dass die klassische Investition in Immobilien immer noch zu den solidesten und sichersten Anlagevarianten gehöre. Auch angesichts eines boomenden Aktienmarktes und Meldungen, dass der Dax die 10 000-Punkte-Marke gerissen hat, wies sie auf die Risiken bei Aktiengeschäften hin.

(RP)