Krefeld: Was aus dem Kleid wird - Bräute erzählen

Krefeld : Was aus dem Kleid wird - Bräute erzählen

Die Resonanz auf den Aufruf des Theaters, Brautkleider für eine Lohengrin- Inszenierung zu stiften, ist überwältigend. Mit den Kleidern sind auch Geschichten im Theater gelandet.

Das Stadttheater wird im nächsten Frühjahr die Wagner-Oper Lohengrin aufführen. Ein Großprojekt, das nicht nur in musikalischer Hinsicht eine Herausforderung darstellt, sondern auch in Bezug auf die Ausstattung. Die Kostümbildnerin der Oper, Ingeborg Bernerth, möchte zum Beispiel die insgesamt 36 Damen des Opernchors und des Extrachors in Brautkleidern auftreten lassen, die aber nicht alle in der Theaterwerkstatt geschneidert werden können. "Wir sind deshalb auf die Mithilfe der Krefelder angewiesen", erklärt Ina Schotes, Leiterin der Kostümabteilung des Stadttheaters. "Im Bereich der Requisite haben wir das ja schon erfolgreich ausprobiert, nun haben wir für die Kostümausstattung einen Hilferuf gestartet, uns alte Brautkleider zu überlassen" (wir berichteten).

Eine mit Perlen besetzte Schleife an einem Brautkleid. Foto: L.S.

"Die Resonanz auf diesen Aufruf war überwältigend", freut sich Ina Schotes. "Die Krefelder sind wirklich sehr freigebig. Dass so viele Kleider zusammenkommen, damit haben wir nicht gerechnet" und ergänzt: "Ein ganz großes Dankeschön an alle, die uns unterstützt haben."

Prachtvolles Detail eines Kleides. Foto: Strücken Lothar

Bislang sind 45 Brautkleider angenommen worden. "Ich habe aber noch eine Liste mit etwa 15 Kleidern, auf die ich noch zurückgreifen kann, wenn es nötig sein sollte", so Schotes. Mit den Kleidern sind auch viele Geschichten bei Ina Schotes gelandet: "Am häufigsten habe ich gehört 'Dieses Kleid habe ich schon sooo lange im Schrank hängen und konnte mich bisher nicht davon trennen. Aber mit diesem Opernprojekt bekommt es noch einmal eine sinnvolle Verwendung'. Aber auch 'Der Mann ist weg, dann kann das Kleid auch weg' oder 'Das Kleid hat uns Glück gebracht, wir sind schon so lange verheiratet'". Die Häufigkeit dieser beiden gegensätzlichen Aussagen hielt sich die Waage, berichtet Schotes.

Kostümbildnerin Ingeborg Bernerth im Kreise der gestifteten Brautkleider. Sie möchte alle Damen des Opernchors in Brautkleidern auftreten lassen. Foto: Strücken Lothar

Im Durchschnitt sind die Kleider etwa 20 Jahre alt, aber eines bringt es sogar auf stolze 58 Jahre. Bei zwei Brautkleidern fehlen die dazugehörigen Reifröcke, denn sie wurden mittlerweile zu Karnevalskostümen umfunktioniert: "Der eine wurde zu Biene Maja, der andere zu R2-D2, einer Figur aus dem Film Star Wars", sagt Ina Schotes schmunzelnd. Ein anderes Kleid wurde der Kostümabteilung übergeben mit den Worten: "Hier ist das Kleid gut aufgehoben, denn es kennt die Musik schon." Gemeint ist damit der berühmte Hochzeitsmarsch der Wagner-Oper: "Treulich geführt", der seit der Uraufführung 1850 in das Repertoire einer romantischen Hochzeit gehört.

Eine kleine Schwierigkeit bringen etliche der geschenkten Kleider mit sich, denn es gebe viele sehr große Schleifen auf den Kleider-Rückseiten: "Unsere Chor-Sängerinnen werden in den Kleidern sitzen müssen und das wird mit so einem Riesenpropeller im Rücken schwierig. Hier werden wir also etwas umarbeiten müssen", erklärt Ina Schotes. Entsprechend werden zu auffällige Applikationen, beispielsweise aus Strass-Steinen, oder üppiger Federbesatz und ähnliches entfernt oder umgearbeitet, denn auf der Bühnen soll "es dann möglichst wirken wie ein einheitliches Standbild", erläutert die Kostümfachfrau.

Und ja, es gibt auch ein Lieblingskleid für Ina Schotes (links unten auf der Seite abgebildet): "Dieses Kleid besticht durch seine schlichte Eleganz und ist mein persönlicher Favorit. Ich kann es zeitlich nicht ganz genau verorten, schätze aber, dass es ungefähr 40 Jahre alt ist, denn es könnte mit seinem Retro-Stil etwa in die 70er Jahre passen."

Natürlich sind viele der Brautkleider über die Jahre angegraut, hier hält die Fachfrau einen praktischen Tipp bereit: "In einem Wasserbad mit Backpulver wird Tüll wieder wunderbar sauber - ein bewährtes altes Hausmittelchen".

(RP)
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