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Krefeld: Was auf Grabsteinen alles erlaubt ist

Krefeld : Was auf Grabsteinen alles erlaubt ist

Die Vorschriften zur Gestaltung von Grabsteinen haben sich über die Jahre liberalisiert. Neben Hinweisen auf die Berufe der Verstorbenen finden sich jetzt auch zunehmend Darstellungen zu ihren Hobbys.

In Dortmund widersprach vor einigen Monaten eine katholische Kirchengemeinde dem letzten Wunsch eines Neunjährigen, auf deren Friedhof einen Grabstein mit dem Logo der dortigen Borussia und dem Schriftzug "Echte Liebe" zu bekommen. Mittlerweile haben die Gemeinde und die Eltern eine Lösung im Sinne des Jungen gefunden. Auf einem der städtischen Friedhöfe wäre die Erfüllung des Wunsches sofort und ohne Kompromiss möglich gewesen.

 Für einen Glasermeister hat Gudrun Mickerts Glasscheiben fächerartig in einen gespaltenen Granitblock gesetzt.
Für einen Glasermeister hat Gudrun Mickerts Glasscheiben fächerartig in einen gespaltenen Granitblock gesetzt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

War vor Jahren noch der Spazierstock eines Naturfreunds auf einem Grabstein unzulässig, finden sich heute sehr wohl Hinweise auf die Hobbys und Freizeitbeschäftigungen von Verstorbenen. "Wir haben schon Steine mit einem Segelschiff oder einem Wandersmann gestaltet", sagt Gudrun Mickerts-Heß vom seit mehr als 120 Jahren in Krefeld ansässigen Steinmetzbetrieb Wilfried Mickerts.

 Ganz allmählich nehmen Hinweise auf die Hobbys von Verstorbenen, wie im Fall dieses Segelschiffs, zu.
Ganz allmählich nehmen Hinweise auf die Hobbys von Verstorbenen, wie im Fall dieses Segelschiffs, zu. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Deutlich häufiger als Hinweise auf eine Liebhaberei, so die Steinmetzin, seien Symbole für die Berufe von Verstorbenen wie beispielsweise ein Hobel für einen Schreiner, ein Amboss für einen Schmied, sogar ein moderner Lkw für einen Berufskraftfahrer und eine Backwalze für deren Erfinder, einen Maschinenbauer.

Seit einiger Zeit sind in Krefeld auch Fotos der Verstorbenen auf dem Grabstein zugelassen, laut Stadtverwaltung "bis zu einer Größe von zwölf mal zwölf Zentimeter". Diese Möglichkeit werde aber nur selten genutzt.

"Rund 80 Prozent unserer Kunden geben sich für den Grabstein mit Vor- und Nachnamen sowie Geburts- und Sterbejahr zufrieden", sagt Mickerts-Heß aus über 20-jähriger Erfahrung. Die restlichen 20 Prozent wünschen eine ornamentale Gestaltung, entweder durch Gravierung in den Stein oder eine applizierte Bronzedarstellung. "Die Nachfrage nach Bronze geht aber seit etwa einem Jahr mehr und mehr zurück, weil auf den Friedhöfen viel gestohlen wird; zuerst nur Grableuchten, jetzt sogar auch befestigte Ornamente und Buchstaben."

Jeglicher Kunststoff ist für die Gestaltung der Grabsteine, die nicht aus Beton- oder Kunststein bestehen dürfen, verboten. Erlaubt sind dagegen geschmiedetes oder gegossenes Metall, das allerdings selten verwendete Holz, Ton sowie Ornamente aus Glas wie beispielsweise auf dem Grab eines Glasermeisters: "Auf eingefräste Rillen innerhalb eines gespaltenen Granitblocks haben wir eine Reihe von schmalen, über einen Meter große Glasscheiben eingesetzt", berichtet Mickerts-Heß.

Die Darstellungen auf den Grabsteinen stammen, wenn sie nicht religiöse Motive zeigen, zumeist aus der Flora – vom einzelnen, übergroßen Gingko-Blatt aus Metall bis zu einem kompletten Baum, beispielsweise einer Trauerweide als Gravur. Aus dem Reich der Fauna stammen Vögel, Schmetterlinge oder auch ein Rad schlagender Pfau.

Etwas Besonderes sind die Kindergräber, sagt die Steinmetzin. "Dort finden sich vielfach Herzen, Engel, Bärchen, Puppen und Figuren wie Pinocchio und auch schon mal eine Lokomotive."

(RP)