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Wochenkommentar: Warum Sczyrba irrt

Wochenkommentar : Warum Sczyrba irrt

Krefelds katholische Christenheit verliert in Johannes Sczyrba einen leidenschaftlichen Geistlichen, wie ihn sich eine Kirche nur wünschen kann.

Dennoch hat die Art, wie er sich an den von Bischof Mussinghoff verfügten Gemeindefusionen abgearbeitet hat, etwas Tragisches: Als Beobachter fragt man sich mit wachsender Ratlosigkeit, wie sich der Priester einer Kirche, die sich als Weltkirche versteht, so sehr im Tageskampf um Strukturen verlieren kann — bis zur Konsequenz, dass er die Stadt verlässt. Diese Irritation verdichtet sich in einem Satz von Sczyrba wie unter einem Brennglas: "Was haben die Menschen aus Gellep-Stratum mit denen aus Gartenstadt zu tun?" Ja was? Wenn Katholiken dazu keine Antwort mehr einfällt, dann steht es wirklich schlecht um ihre Kirche.

Sczyrba wollte erklärtermaßen "den Blick von unten" auf die Pfarrfusionen einnehmen — den Blick der Gemeinden. Diese "Oben- unten"-Metaphorik hat eine fatale Dynamik, weil sie Deutungsmuster und Fronten vorgibt: Die da oben gegen uns hier unten. Eine andere Sprachregelung gerät damit aus dem Blick: die Rede vom Teil und vom Ganzen. Sie ist biblisch: Die Kirche, wie der Apostel Paulus sie beschrieben hat, ist keine Oben-unten-Kirche, sondern eine Leib-Glieder-Kirche. Und ein Leib herrscht nun mal nicht von oben über seine Glieder, er lebt in ihnen; ebenso können die Glieder eines Körpers nicht oben oder unten sein, sondern nur als ganzer Leib. Gerade die katholische Kirche versucht, diese mystische Einheit der Kirche als Leib Christi auch äußerlich darzustellen — liturgisch und in der Organisation auf den Papst hin. Seine Rolle wird man nur als Zerrbild wahrnehmen, wenn man ihn als Herrscher deutet; der Intention nach repräsentiert das Papstamt die Einheit der Kirche und eben nicht die Macht eines einzelnen Mannes in Rom.

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Was hat das alles mit Krefeld zu tun? Es mutet seltsam an, wenn ein leidenschaftlicher Katholik wie Sczyrba eine Strukturreform nur noch als Niederlage der Gemeinden wahrzunehmen in der Lage ist und den Gedanken an das Ganze völlig ausblendet. Schon das Wort "katholisch" birgt in sich den Hinweis darauf. Bedeutet das nichts mehr für die Menschen aus Gellep-Stratum und Gartenstadt? So drängt sich der Eindruck auf: Deutsche Katholiken leiden weniger an Strukturproblemen als an Selbstvergessenheit.

(RP/jco)