Warum die Eremitenquelle in Krefeld-Hüls trocken ist

Quellenkataster für Krefeld und Umgebung : Erforschung der Quellen in Krefeld

Ein interdisziplinäres Projekt mit dem Ziel der Kartierung und Charakterisierung erforscht die Quellen des Niederrheins. Die berühmteste Krefelder Quelle ist nicht mehr aktiv: die Eremitenquelle am Hülser Berg.

Sie verbinden die Interessenbereiche Geologie, Biologie und Kultur: Quellen. Das Naturphänomen zieht schon seit Jahrtausenden die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich. Das meist saubere Grundwasser wurde dabei häufig nicht nur als Nahrungsmittel, sondern ebenfalls für medizinische und religiöse Behandlungen genutzt. „Der Niederrhein ist keine typische Region für Quellen“, berichtet Diplom-Biologe Michael Stevens. Umso mehr Bedeutung können daher den über 300 Quellen der Region zugeschrieben werden. Zur Erstellung eines Quellenkatasters für Krefeld und Umgebung starteten Michael Stevens, Geschäftsführer der Biologischen Station Neuss, und Stefan Kronsbein, Heimatkundler und Verleger, im Jahre 2013 ein gemeinsames Projekt. Interdisziplinär unterstützt durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR), den Kommunalbetrieb Krefeld (KBK) und den Geologischen Dienst konnten in vier Jahren 137 Quellen aus Krefeld und der näheren Umgebung erschlossen werden. In einem jetzt startenden zweiten Teil des Projekts sollen in weiteren vier Jahren mindestens 180 neue Quellen dokumentiert werden.

„Quelle der Eremiten 1904“ lautet die Inschrift. Foto: Carsten Pfarr

Die Entdeckung der Quellorte laufen maßgeblich über Stefan Kronsbein. In einer breit gefächerten Recherchearbeit verschiedenster Unterlagen ging der Heimatkundler vielen Spuren auf Quellursprünge nach. „Ich habe Förster, Bauern und Jäger befragt. Die konnten mir oft den Weg zu bisher unbekannten Quellen zeigen“, berichtet Kronsbein. Weitere Erkenntnisse gewann er in alten Atlanten, Einwohnerfragebögen und sogar Gedichten.

Definiert wird eine Quelle als Gewässer, bei dem Grundwasser auf natürliche Weise austritt. Das Problem am Niederrhein: Viele lokale Grundwasservorkommen liegen vor, der natürliche Austritt ist aber nicht mehr gegeben.

Ein Beispiel dafür ist die Eremitenquelle auf dem Hülser Berg. Wie Langzeitbeobachter Kronsbein berichtet, konnten an diesem Naturdenkmal vor einigen Jahrzehnten noch Fließgeschwindigkeiten von über fünf Litern pro Minute gemessen werden. Heutzutage ist die Quelle trockengefallen. Als Abzweig des Erschließungsprojektes findet sich daher jetzt zusätzlich die Reaktivierung versiegter Quellen. Von den 17 Quellen Krefelds sind nur vier schüttend. In einer mit dem Kommunalbetrieb angedachten Untersuchung soll daher festgestellt werden, warum die Eremitenquelle wasserfrei ist.

Ein Grund könne die Beschädigung an der bei der Einfassung 1904 gelegten und als Austrittsort der Quelle dienenden Stahlröhre sein, so die Experten. Dieses Problem wäre durch technische Mittel lösbar. Ein anderer Grund könnten ebenfalls die natürlich langperiodischen Schwankungen im Regenfall und die daher aktuell geringe Grundwasserneubildung sein – eine Unbekannte, auf die kein Eingriff zu nehmen ist.

Neben der Reaktivierung liegt das Hauptziel des Projekts in einem öffentlichen Quellkataster mit der Möglichkeit zum Nachschlagen für jeden. Über alle beschriebenen Quellen können in diesem von Grundinformationen wie Lage und Beschreibung bis hin zu tiefer greifender Information wie Wassertyp oder kultureller Hintergrund nachgelesen werden.

Gerade Letzteres sei für den Landschaftsverband von Bedeutung, bemerkt Christoph Boddenberg, zuständig für Kulturlandschaft. Die Quelle an sich und ihre Geschichte in der Vergangenheit sei auch heute noch von großem Interesse für die Kulturlandschaft einer jeden Region.

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