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Krefeld: War es ein Fehler, Herr Grosche?

Krefeld : War es ein Fehler, Herr Grosche?

Der Krefelder Chef der Jungen Union, Gregor Grosche, spricht im Interview über seine Forderung nach einem jungen Kandidaten statt Winfried Schittges (65) für den Landtag. Der Plan ging nicht auf. Heute sagt er: "Wir wollten keinen jungen Kandidaten mit der Brechstange."

Herr Grosche, der CDU-Kreisvorstand will den Mitgliedern Winfried Schittges und Peter Kaiser als Landtagskandidaten vorschlagen. Sie hatten zuvor dafür geworben, einen jüngeren Kandidaten zu berücksichtigen. Sind Sie jetzt der Verlierer im LandtagswahlPoker der Krefelder CDU?

Gregor Grosche So sehe ich das nicht. Bei der Klausurtagung der Jungen Union am Wochenende hatten wir überlegt, ob es geeignete junge Kandidaten für die Landtagswahl gibt. Die haben wir gefunden, wollten aber deshalb längst keinen jungen Kandidaten mit der Brechstange durchsetzen. Am Mittwoch haben wir dann bis in die Nacht mit allen CDU-Gruppierungen im erweiterten Vorstand getagt. Das war eine faire, gute und sachliche Diskussion und mit einem hervorragenden Ergebnis für die CDU. Wir haben zwei Kandidaten mit Erfahrung, die in ihrem Wahlkreis gewinnen können und werden.

Zuletzt klang das noch anders: Da hatten Sie gefordert, dass Winfried Schittges jetzt in Würde abtreten solle, bevor — so legt es ja Ihre Wortwahl nahe — ein unwürdevoller Abgang bevorstünde.

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Grosche Winfried Schittges hat herausragende Arbeit für die Partei geleistet und ist ein guter Kandidat. Es gibt viele Argumente dafür, ihn aufzustellen. Diese guten Argumente haben auch mich überzeugt.

War es also ein politischer Fehler, einen gestandenen Kandidaten wie Schittges anzuzählen?

Grosche Wir werden ja in Krefeld als Junge Wilde bezeichnet. Es ist in der Tat sehr forsch gewesen, sich so für frischen Wind in der Politik auszusprechen. Aber es ist doch legitim, wenn wir als junge Politiker unsere Interessen vertreten. Dieser Vorstoß wird uns als Partei nicht schaden. Von der SPD habe ich übrigens noch kein Sixpack Bier bekommen, wie im Kommentar Ihrer Zeitung prophezeit.

Können Sie den CDU-Parteigrößen in Krefeld versprechen, künftig solche Forderungen nur intern aufzustellen?

Grosche Solange ich Verantwortung in der JU habe, werde ich meine Meinung sagen. Es ist aber auch richtig, bestimmte Diskussionen nicht in der Öffentlichkeit zu führen, sondern vorab mit den Verantwortlichen in den Gremien.

Jetzt müssen Sie nur noch hoffen, dass Winfried Schittges tatsächlich die Wahl gewinnt. Ansonsten wird man Ihnen als JU-Chef vorwerfen, dass Sie dem Kandidaten geschadet haben.

Grosche So sehe ich das nicht. Die Ergebnisfindung im Parteivorstand zeigt mir, dass wir in der Lage sind, geschlossen zu agieren. Wir werden Herrn Schittges selbstverständlich unterstützen. Das gilt auch für Peter Kaiser. Das sage ich hiermit zu. Wir freuen uns auf einen spannenden und engagierten Wahlkampf in Krefeld.

Was treibt Sie an, die Beteiligung des politischen Nachwuchses so intensiv zu fordern? Sind das schlechte Erfahrungen? Schließlich waren Sie nach der letzten Wahl noch als Huckepack-Kandidat von Wilfrid Fabel präsentiert worden für den Tag, an dem Fabel sich als Ratspolitiker zurückzieht. Sind Sie frustriert, bisher nicht zum Zug gekommen zu sein?

Grosche Nein, ich bin nicht frustriert. Wilfrid Fabel hat selbst angeregt, mich als Huckepack-Kandidaten zu nehmen. Und ich bin mir sicher, dass ich noch in dieser Legislaturperiode Ratspolitiker für Fabel werde, und zwar nicht nur für ein paar Tage bis zur nächsten Wahl. Ich sehe viele gute junge Leute in der JU, die seit Jahren kontinuierlich gute Arbeit leisten und hochmotiviert sind, weitere Verantwortung zu übernehmen.

Sind sie ein Typ, der polarisiert?

Grosche Teil des Polarisierens ist ja auch, dass man andere begeistern kann. Insofern passt das schon. Ich bin seit 14 Jahren in der JU/ CDU und habe in den meisten Fällen eine Meinung, die auch die der Partei ist. Aber natürlich nicht immer. Ich würde mich deshalb auch nicht als strengen Ideologen bezeichnen, ich habe auch Freunde in anderen Parteien; und deren gute Sachargumente höre ich mir gerne an.

Sebastian Peters führte das Interview.

(RP)